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Der Israelit · 1899-10-05 · Heft 79 (5.10.1899) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 79 (5.10.1899)
Date
1899-10-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Xli. Jahrgang. 41 70 Der Israelit. Eia EenLrat-Hrgan für das orlhodore Iudenthum. Begründet von Br. fe|m«nn in IKtnini Donnerstag, de« 5. Oetober 5660 (1899), Leitender Artikel. War Hirsch hl nur Homiletiker? Von L. Roth, Basel. Unter den vielen Reden und Würdigungen, die dem Andenken des großen Hildesheimer gewidmet sind, haben nur wenige tieferes Interesse. Wie der eine oder andere die großen allbekannten Leistungen dieses Weisen zusammenfaßt, ist von untergeordneter Bedeutung. Aber ein Nachruf hat Anspruch auf liefere Beachtung. Ein Schüler Hildesheimers hat zur genaueren Charakteristik des Meisters einen Unterschied zwischen der Hamburger und Altonaer Schule construirt. Die Altonaer habe im Geist des Gesetzes, itr der Halacha ihren Beruf gesucht und gefunden. Und das, was die Hamburger geleistet in die Homilie,hat er auf die Kanzel verwiesen. Wohl giebt Redner zu, daß diese Homilie, in ihrem größten Vertreter und Durchbildner — hier ist Hirsch gemeint — Wunderschönes geleistet habe, aber es bleibt nur Homilie. Das heißt S. R. Hirschs Lebensaufgabe, wissenschaftliche Schöpfung war Agada. Wir wollen nicht untersuchen, ob diese Eintheilung in Schulen richtig ist, nicht fragen, ob sie wirklich dem Geist dieser „Schulen" entspricht. Wir nehmen diese für einen Augenblick an und prüfen die uns interesfirende Seite. Hier wird gesagt: 1. Hirsch's Bedeutung liegt blos in der Agada. 2. Diese Agada sei etwas Nebensächliches, ohne das die „halachische Schule" auskomme und aus ihrem eigentlichen Wirkungskreis in ein Nebencabinet für freie Mußestunden beschaulichen Seelen anheimstelle. Wir wollen nur die Frage beantworten: Was hat Hirsch in seinen Werken dem Judenthum geleistet? Wer Hirsch gelesen hat wird finden, daß sein Streben ein zweifaches war. Er ist bemüht, das Judenthum und seine Thora in ihrer Totalität aufzufassen. Die uns geossenbarte göttliche Wahrheit ist unser Regulativ, für das Verhalten in unserer weltgeschichtlichen Stellung. Diese Thora soll uns über unsere Pflichten als Mitglieder der Geschichte, in unseren Beziehungen als Menschen und Juden leiten. Wir sollen aus der Thora uns verstehen lernen. In ihren göttlichen Zeichen liegen a priori die Wahrheiten, deren wir uns in historischer Erfahrung immer mehr bewußt werden. AuS ihr sollen wir die Geschichte verstehen, die Natur erfassen als sein Werk. Es muß nach Einheit im Denken gestrebt werden, unser Handeln müssen wir danach einri, »ten. Die Elementen des Denkens müssen sich zu eineni Ganzen fügen, sie müssen ein System bilden, das alle Erscheinungen der Natur und Geschichte von unserem Gesichtspunkte aus zureichend erklärt. Es muß ein innerer organischer Zusammenhang nachgewiesen werden, und wenn sich so Theil an Theil fügt, entsteht ein vernünftiges Ganzes: die Weltanschauung. Diese unsere Weltanschauung gewinnen wir aus der Thora. Ihre Pflichtthaten sind die Elemente dieses Prozeßes und in der Totalität des Mizwaur liegt die jüdische Welt — Gott — und Menschenanschauung. Studirt man die jüd. Weltanschauung, so muß man ihre Faktoren, die Mizwaus in innerem organischen Zusammenhang nach Umfang und Bedeutung stuviren. Man erfaßt eine Mizwa nur als Theil in Bezug auf das Ganze; Zweck und Hinweis der einen ist für das Verständniß der anderen unerläßlich. Hirsch hat nun einen glänzenden Versuch einer

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