Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 97 (7.12.1899)
- Date
- 1899-12-07
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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Der vermeintliche „heilige Leuchter“. Dies ist die Ueberschrift, unter welcher die Zeitschrift „Die Welt“ Nr. 30 (8. 10) eine Notiz aus dem „Israelit“ her übernimmt, in d-er es sich um den bei den Ausgrabungen am Ponte Sixto aufgefundene Leuchter handelt, welcher bekanntlich als aus dem Tempel in Jerusalem stammend ausgegeben ward. Dies wird von jener bestritten, und zwar aus dreifachen Gründen. Erstens: Der im Tempel von Jerusalem im Gebrauch gewesene Leuchter war aus massivem Golde, der neulich aufgefundene aber ist ein bronzener, „der“, so wird dort hinzugefügt, „von einem römischen Künstler etwa zweihundert Jahre vor der Zerstörung des Tempels für den einfachen Hausgebrauch angefertigt wurde.“ Hiergegen ist zunächst zu erinnern, dass keine Nachahmung der heiligen Gerät he, welche sich im Tempel befanden, gestattet war, nicht einmal zur Verwendung in Synagogen oder Lehrstätten1), geschweige für den Privatgebrauch. (Vgl. Mechilta ed. Friedmann, 8. 73, ferner Rösch Hasch an ah 8. 24 a u. b.) Man müsste denn annehmen, dass ein Nichtjude sich den in Rede stehenden Leuchter anfertigen liess, was aber völlig ausgeschlossen scheint. Die anderen zwei Gründe lauten: „Der Leuchter hat gar keine Aehnlichkeit mit dem Leuchter, der auf dem Triumpfbogen des Titus . . . zu sehen ist. Zudem ist es ja . . . bekannt, dass der Leuchter aus dem jerusalemischen Tempel in die Tiber geworfen wurde, wo er noch heute im Schlamme vergraben liegt. Er kann daher, so wird scheinbar mit Recht gefolgert, nicht anderwärts vergraben worden sein. Die Folgerung scheint richtig, ist es aber nicht. Sie setzt voraus, dass es im Tempel keinen bronzenen, oder so ähnlichen Leuchter gegeben hat. Liesse sich aber nachweisen, dass es wohl einen solchen gegeben, und dass er sogar verschieden von dem goldenen war, dann fallen alle drei Gründe in Nichts zusammen. Denn wenn der goldene Leuchter nach Rom kam und noch heute in der Tiber vergraben liegt, so schiiesst dies nicht aus, dass der bronzene anderwärts aufgefunden werden kann. Es wird daher im Nachstehenden unsere Aufgabe sein, nachzuweisen, dass es thatsächlich einen solchen oder doch zumindest ähnlichen Leuchter im Tempel i) Daher denn auch nur acht- und nicht siebenarmige Leuchter in unseren Synagogen vorhanden sind. zu Jerusalem gegeben hat, und zwar gerade „etwa zweihundert Jahre vor der Zerstörung des Tempels“. In der citirten Boraitha (rt"i 24 b), wird die Frage aufgeworfen, ob es gestattet sei, einen hölzernen sieb enarmigen Leuchter anzufertigen. Zu welchem Zwecke, wird nicht angegeben. Das thut aber auch nichts zur Sache. Uns interessirt hier nur die auf die Frage ertheilte Antwort, und diese lautet: Nein! Motivirt wird sie damit, dass die Hasmonäer, als sie nach der Vertreibung der Syrer aus Jerusalem an die Reinigung des Tempels gingen — also unter Juda Maccabi —, den heiligen Leuchter nicht fanden, und so in der Eile, und auch aus Mangel an edlem Metalle, welches die Feinde geraubt, und die auch den Leuchter mitgenommen hatten, sich eines hölzernen bedienten. Und was einmal im Tempel war — so führt Rabbi Jose bar Jehuda (m 24 b) aus —, das darf nicht nachgeahrat werden. Hierauf erwiedern die Weisen a a. 0.: Jener Leuchter sei nicht aus Holz, sondern aus Eisen angefertigt worden; -) erst später wurde einer aus Silber, noch später, als wieder Gold in das Land kam, aus Gold hergestellt. Von dem eisernen Leuchter heisst es daselbst: „sie überzogen ihn mit p?2.“ Was ist aber pn? Nichts Anderes als Zinn. Was mm» ist, wissen wir. Onkelos (Num. 37, 22) übersetzt es mit So lesen unsere Ausgaben, welche Leseart aber entschieden falsch ist. Berliner liest dafür sviv, was richtig sein kann, wenn man es für eine Metathesis für das talmu dis che yvgelten lassen will Jedenfalls kann yvz nichts Anderes als Zinn bedeuten. (Vgl. Aruch s. v.). was, gemengt mit Eisen oder einem ähnlichen Metalle, eine Art Bronze giebt. Auch war dieser Leuchter anders beschaffen, als der heilige Leuchter im Tempel sein sollte. Für diesen fordert die Bibel: Kelche, Knäufe und Blumen, deren jener vollständig entbehrte. Damm heissen auch seine Arme am (Vgl. die Tossafisten zur angeführten Talmudstelle s. v. D’TEP). Diese Beschreibung passt ganz auf den Leuchter, der am Ponte Sixto aufgefunden wurde. Indessen soll hiermit die Identität nicht schon als erwiesen hingestellt werden, sondern bloss zur -) Vgl. n’jyn k. u.