Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 97 (7.12.1899)
- Date
- 1899-12-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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m 2030 und hatte auch Schläge auf den Kopf und die Brust bekommen. Der Körper zeigte jedoch weder eine Schnittnoch Stichwunde. Die hiesigen „Zik. Listy" erzählten damals diese Thalsachen genau. J.tzt scheint das Blatt in seinem blind wüthenden Judenhaffe dies vergeffen zu haben und brachte in seiner letzten Nuinmer einen unqualificirbaren Hetzartikel, betitelt: Wer hat die Petronella ermordet?" In diesem Artikel ruft dar Blatt zuerst den Mord in Erinnerung und erzählt dann, daß angeblich neue Momente hinzugekommen seien, indem nämlich ein Bursche, angeblich aus Zaharlsch, an dem Tagr de- Mordes in dem Walde drei wildauLsehende Männer gesehen haben will, vor denen er weggelaufen sei. Der Knabe soll auch bereits einvernommeu worden sein. Weiters spricht das Blatt, trotzdem es selbst seinerzeit den Sachverhalt richtig gebracht hatte, den Verdacht aus, daß in der ganzen Gegend das Gerücht verbreitet fei, der Mord sei aus denselben Motiven „wie bei Agnes Hruza in Polna" vollführt worden, es stellt die Frage, ob das Blut abgezapft worden sei, und fordert die Behörden zu Nachforschungen auf. In den Kreisen der hiesigen jüdischen und auch christlichen deutschen Bevölkerung ist man höchst erbittert darüber, daß der hiesige Staatsanwalt, der die deutschen ,Blätter bei dem geringsten Anlaffe sofort confiscirt, diesem lügenhaften und hetzerischen Treiben ruhig zusieht. Der Budweiser Polizei-Jnspeetor Holzinger, der seinerzeit, als die Kunde von dem Morde nach Budweis gelangt war, sich mittelst Rades als einer der Ersten zur Besichtigung der Leiche begab, bestätigte heute neuerdings, daß die Leiche der Philipp weder eine Stichnoch Schnittwunde aufwies, sondern daß die Unglückliche Hiebe auf den Kops und die Blust erhalten und erwürgt worden war. Prag, 4. Dez. (Die Kleider der ermordeten Klima.) Nach einer Meldung der „Narodni Listy" aus Polna sollen daselbst in einem Gebüsche des Waldes, wo die Marie Klima am 16. Juni 1897 ermordet wurde, am 2. d. die Kleider der Ermordeten aufgefunden worden sein. Das genannte Blatt findet es auffallend, daß die obere Einfassung des Rockes ebenso zerriffen gewesen sei wie bei dem Rocke der Agnes Hruza. Die Kleider befanden sich etwa 42 Schritte von der Stelle entfernt, wo Ende Cclo6er vorigen Jahres die Leiche der Marie Klima, bis aufs Hemd entkleidet, gefunden worden ist. Die Kleidungsstücke wurden der Gendarmerie in Polna übergeben. Werfonakien Mai«»» 7. Dez. Aus Hannover bringt uns der Telegraph die tieferschütternde Kunde daß Herr I s a a c Hirsch gestern Abend in der Blüthe seines Lebens vom Tode dahin gerafft wurde. Herr Jfaae Hirsch, der drittälteste Sohn von Samson Raphael Hirsch war von Beruf Kaufmann. Trotzdem wirkte er während seines ganzen Lebens durch Wort und That mit Feuereifer für die ihnr von seinem Vater itberlicfe; teil heiligen Wahrheilen. Namentlich die Feder handhabte der Dahingeschiedene mit einer Geschicklichkeit, die der Sache des traditionellen Judenthums dauernd zu Gute kam. Zu Beginn der 86er Jahre setzte er die Herausgabe der von seinem Vater begonnenen Zeitschrift „Jeschnrun" fort, an der auch S. R. Hirsch noch rüstig '.nitarbeitete. 'Nach dem Tode S. R. Hirschs verband sich der Verblichene mit dem Begründer dieser Blätter, lim in dessen Gemeinschaft die vereinigte Zeit schritt „Israelit n. Jeschurun" hcranszngeben. Nach dem Hinscheiden von Dr. Lehmann, bestand die Verbindung des „Jeschurun" mit dem „Israelit' noch einige Jahre unter dem gegenwärtigen Redacteur dieser Zeitschrift, unsere Leser erinnern sich gewiß mit Wcbmuth an die ebenso ge diegenen, wie formvollendeten Arbeiten des leider so früh Heimgegangenen. In seinem Wohnorte Hannover erfreute sich HerrJsaakH ir sch eineshohen Ansehens und großen Einflusses und es ist zum großen Theile ihm zu verdanken, wenn in dieser Gemeinde reformlnsterne Bestrebungen stets hintangehalten wurden. Wir sind noch zu sehr ergriffen, um dem theuren Manne heute schon einen seinen Verdiensten würdigen Nach ruf widmen können. Die Beerdigung findet morgen, Freitag Mittag um 1 llhr statt. Möge der Allgütige ganz Jsrael in Zukunft vor solchen Verlusten schuhen. n"33^n Amsterdam Dez. Am zweiten Tebeth waren fünfundzwanzig Jahre verflossen, daß Herr Rabbiner Dr. Joseph Hftsch Dünner das hiestge Rabbtnat übernahm. Entsprechend den großen Verdiensten, die sich der Jubilar uin die Amsterdamer Geuieinde erwarb, wurde derselbe gefeiert. Herr Dr. Dünner hat sich stets als kräftiger Vertreter des traditionellen Judenthnms gezeigt und auch unsere Glückwünsche begleiten ihn ans seinem ferneren Lebensgange. __ Vermischtes fttantfuvt a. M Es dürste wohl für weitere Kreise von Interesse sein, daß es am zehnten Tebeth hundert Jahre sein werden, daß Professor Moritz O p p c n heiM zu Hanau das Licht der Welt erblickt hat. Seine Eltern waren streng fromme Juden und ihnen verdankte er die heißinnige Liebe zu unseren! heiligen Glauben und das tiefe religiöse Gefühl, das sich in allen seinen Ku»stschöpfu>igeii ansspricht. Oppenheim hat sich durch seine Bilder aus dem altjüdrschen Familienleben unsterblichen Ruhm erworben. Durch die Ausgabe auf Vostkarten dürfte heute wohl kaum mehr eine jüdi'che Hütte oder ein jüdischer Palast sein, in dem nicht wenigstens ein Oppenheimsches Bild zu finden wäre. Ijnstrrbur«. Die hiesige Ehebra-Kaddischa veranstaltete am 19. Rov. zur Feier ihres 26. Stiftungsfestes erneu Gottesdienst, wobei Herr Rabbiner Beer mann '"3 die tiefergreifende Festpredigt hielt. Am Abend fanden sich die Festtbeilnehmer zu einem Brudermahle zusammen. Goldap, O.-Pr. Am 26. Nov. fand hier unter großer Betheiligung von Nah und Fern daS erste - tiftnngsfeft des neubegründeten Krankenpflege- und Leichenbestattungs- Vereins statt. In der Svnagoge legte Herr Kreisrabbiner Dr. Beer mann Insterburg in hinreißender Beredsamkeit die Bedeutung einer solchen Vereinigung dar. Am Abend vereinigte man sich zu einem Festessen. Briefkasten ver Expedition E. M. in R: Betrag von M. 9.-, A S. 747 A: Betrag von M. 16.—, H. F. in T.: Betrag von M. 5.-—, dankend empfangen.