Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 76-77 (28.9.1899)
- Date
- 1899-09-28
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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die Gendarmerie ein und zerstreute die Demonstranten. Innerhalb kürzester Zeit herrschte überall Ruhe. Zeitungsnachrichten und Eorrefporr-enzerr Deutschland. Frankfurt a. M. Dcn Mittheilungen der „Freien Vereinigung sür die Interessen des orthodoxen Judenthums", Nr. 12, September 1899 entnehmen wir: Auch in dem nun zu Ende gehenden Jahre 5659 (1898/99) hat unsere Vereinigung in wirksamer Förderung gesetzestreuen Pflichtlebens auf mannigfachen Gebieten sich bethätigt. Es gelangten in diesem Jahre 52 Gesuche mit insgesammt Mk. 3295 zur Bewilligung. Hierbei betrafen: Zwölf Subventionen: Unterstützung unbemittelter Gemeinden zur Erhaltung des Religionsunterrichts, theils als Zulage zu dem Gehalte deS Lehrers, theils als Zuschuß zu dem von den betreffenden Gemeinden aufzubringenden Gehalte, mit Mk. 580.; zehn Subventionen: Beihilfe an unbemittelten Gemeinden zu den Reparaturkosten von Ritualbädern und Synagogen, mit Mk. 740, elf Subventionen: Stipendien zur Ausbildung zum Lehrerberufe, mit Mk. 475, sechs Subventionen: Beihilfe zur Beschaffung ritueller Verköstigung während der Militärdienstzeit', mit Mk. 320, zwei Subventionen : Beihilfe zur Errichtung bezw. Unterhaltung ritueller Speisewirthschaften, mit Mk. 600, elf Subventionen: Diverse Zwecke (Ausbildung zum Mohel, Cantor u. A.), mit Mk. 580. Unser vorjähriges Preisausschreiben bezüglich einer in gesetzestreuem Sinne gehaltenen und solchen fördernden anregenden Erzählung für die reifere Jugend hat zu einer Verleihung des Preises nicht geführt, da die eingegangene Arbeit nach dem Urtheile der zur Prü.ung bestellten Commission nicht allen an sie zu stellenden Anforderungen entsprach. — Es wird die Wiederholung des Preisausschreibens beabsichtigt und bleibt diesbezüglich weitere Mittheilung Vorbehalten. Seitens der verstorbenen Frau Selma Fiebermann, geb. Franck in Hannover, Wittwe unseres langjährigen Mitgliedes Herrn Hermann Fiebermann b'D, ist der Betrag von Mk. 18 000 zum Besten unserer Vereinigung für deren Zwecke vermacht und Seitens des Testamentsvollstreckers, Herrn Jsaac Hirsch in Hannover, derselben abzüglich der Erbschaftssteuer überwiesen worden. Diese Verfügnug ist zufolge des Testaments der Erblafferin erfolgt, um damit nach dem Willen und in dem Sinne ihres verstorbenen Ehegatten über das Grab hinaus im Geiste des von demselben hochverehrten Rabbiners Samson Raphael Hirsch bv zu wirken. Ferner hat der am 8. Juli d. I. verstorbene Herr Jesaias Seligmann Alexandre in Frankfurt a. M., welcher unserer Vereinigung von Anbeginn derselben angehört und ihren Bestrebungen unausgesetzt ein verständnisvolles eifriges Interesse entgegengebracht hat, derselben für ihre Zwecke, insbesondere aber behufs Unterstützung bedürftiger israelitischer Gemeinden zur Herstellung oder Erhaltung von Gemeindeanstalten und des Jugendunterrichts den Betrag von Mk. 3000 vermacht. Wir verzeichnen die vorstehenden hochherzigen Zuwendungen mit tiefgefühltem Danke. Diese Zuwendungen sind ein dauerndes Zeugnis für den edlen Geist der Stifter, welche durch dieselben auch nach dem Abschlüsse ihres irdischen Lebens fortwirken sür die hohen Ziele und Aufgaben gewissenhaften gesetzestreuen jüdischen Pflichtlebens, für welche unsere Vereinigung als Pflanzstätte sich darbietet. Unsere Vereinigung wird den edlen Stiftern für alle Zeiten ein dankbares Ehrengedächtnis gewahren. Ihr Andenken sei zum Segen! An Spenden gingen 861 Mark ein. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 16. Sept. Ein Mitarbeiter der „R. Fr. Pr." hatte mit Pobedonoszew auf einer Durchreise durch Wien eine Unterredung, der wir Folgendes entnehmen: „Wie die finländische Frage, so werden," sagte Pobedonoszew, „auch die anderen Probleme, die Rußland beschäftigen, im Auslande nicht selten unrichtig beurtheilt, wobei man die Beweggründe der Handlungen Einzelner leicht verdächtigt. Man stellt mich als einen Judenverfolger dar. Und Alles, was insbesondere in der Zeit des Czars Alexander III. gegen die Juden geschehen, das Ausland hat es auf meine Rechnung gefetzt. Nun, ich bemerke, daß die meisten dieser Maßnahmen gegen die Juden gar nicht in mein Reffort fielen. Ich führe weiters an, daß ich unter manchen hochgebildeten Juden Freunde zähle. Ich erwähne, daß die vor Kurzem verstorbene Baronin Hirsch in Paris mir eine Million Francs für russische Schulen zur Verfügung gestellt hatte. Und wie hätte sie, die Wohlthäterin der Juden, dies gethan, wäre sie der Meinung gewesen, daß ich. ein solcher Judenverfolger sei? So wenig wie die katholische Frage, ist die jüdische Frage für mich eine religiöse. Wir sind in Rußland nicht so unduldsam, wie man im Ausland annimmt. Die jüdische Frage war uns stets nur ein wirtschaftliches Problem. Der Jude in Rußland ist nüchtern, mäßig, heirathet gewöhnlich früh, führt ein geordnetes Familienleben, und alle diese