Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-09-28 · Heft 76-77 (28.9.1899) · page 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 76-77 (28.9.1899)
Date
1899-09-28
Page
– (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449023--49161-2499640
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1617 erlangt. Ihnen allen ist die Sache, für die sie mit anscheinend so viel Wärme eintreten, aber auch das, was man sonst Gewissen zu nennen pflegt, vollkommen gleichgiltig, die Beherrschung des politischen Pöbels dagegen, der jetzt bei uns in Oesterreich das große Wort führt, die Hauptsache. Wie weit diese Demagogen die Volksseele bereits vergiftet haben, beweist folgender Vorgang. Als die vor dem Gerichtsgebäude in Kuttenberg auf das Urtheil harrende Menge hörte, daß der Angeklagte eben zum Tode verurtheilt worden sei, daß ein Mensch — und sei er auch zehnmal schuldig — aus der Reihe der Lebenden gestrichen wurde, da brach sie in laute Slava- (Heil-)Rufe aus!!! Das spricht beredter als eine lange, culturgeschichtliche Abhandlung. Herr Dr. Baxa, der eigentlich nur die Entschädigungsansprüche der Mutter der Ermordeten zu vertreten gehabt hatte, erhielt zu seinem „Erfolge" eine Menge Glückwünsche. Wir zweifeln nicht, daß er es, nachdem er die ersten Sprossen auf der Ruhmesleiter erklommen hat, noch recht hoch bringen wird. Das Trifolium Rohling, Vergani und der „demokratische" Deutschenfresser Baxa gewährt einen schönen Anblick. Habeaat sibi! Sie sind einander werth Das Judenthum indessen hat seit Pharao's und Haman's Zeiten schon gar manche Feinde überlebt, cs wird wohl auch Herrn Baxa überdauern! Er hat in seiner Glanzrede auch von „Gottes Vorsehung" gesprochen: wäre er wohl so frivol gewesen, wenn er wirklich an eine solche glauben würde? Wir aber zweifeln nicht daran, daß sie, gegerecht wie immer, auch über ihn walten wird. —k. Frankreich. Paris, 2ü. Sept. Am Samstag Abend fand in der Maison du Peuple ein von der neugebildeten Gruppe der jüdischen Proletarier veranstaltetes Meeting unter starker Betheiligung von Sozialisten und Libertären statt. Auf Vorschlag eines Sozialisten wurde der Ruf: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! Friede allen Menschen und allen Rassen!" als Parole angenommen. Natürlich wurden überaus heftige Reden gegen die antisemitischen Hetzer und die militärischen Mißbräuche und Rechtsverhöhnungen gehalten und ausgeführt, man müsse gegen alle Lügen der Religion unermüdlich und unerbittlich ankämpfen. Henri Dhon von der „Aurore" beglückwünschte die Organisatoren, sich unter dem Titel „Jüdische Proletarier" zusammengethan zu haben, während die Pollonnais und Arthur Meyer ihre Rasse beschimpften und verleumdeten, nachdem sie sie verleugnet hatten. „Man predigt den Juden das Aufgehen in die anderen Rassen, in die allgemeine Verbrüderung," schloß er. „Wir wünschen nichts dringlicher. Aber erst müssen die Herren Mörder den Anfang machen!" Darauf wurde unter rauschendem Beifalle eine Tagesordnung angenommen, in der der Antisemitismus als eine Falle gebrandmarkt wird, die den Proletariern gestellt ist, um sie von ihren sozialen Befreiungsideen abzubringen und ihren schlimmsten Feinden auf Gnade und Ungnade auszuliefern. ■r Anzeigen. Für den folgenden sumffl nicht verantwortlich ■ffio 1L'2 «DerMdjtt ftttQänft aus meiner Mästerei: — Schächter: Kantor Markowitz, Berlin, gepr. v. Nabb.Wüldler, Schönlanke u. v. Rabb. Dr. Schuck, Fempelburg - versendet bis Ende Januar Pfd. <50 Pf., unter Nachn. G Scheerer, Gänsemästerei, Neutrebbin, Oderbruch, Telephon 5. [482a GrichMrillt. Gebild., 26jähr., jüd. Fabrik vesttzer in Frankfurt a. M., wünscht standesgemäß Seiratl», nicht unter 40 Mille. — Nur direkte Anerb. unter Nr 6311 an die Geschäftsst. d. Bl. erb. Aeirath. Für hübsch., gebild. Mädchen, 21 Jahre, aus feiner streng-religiös. Familie, wird paffende Partnie gesucht. Verläufiige Mitgift: 60 Mille. Off. erbeten unt. 6401 an die Geschäftsstelle dss. Blatt. in junges Mädchen, das mehrere Jahre in größeren Damen Confektions-Geschäften Frankfurts thätig war und akadeaiisch gebildet ist, sucht in einem Samstags und Feiertage geschlossenen Geschäfte Stelle als Zuschneiderin. Offerten unter L. 6312 an die Geschäftsst. dss. Bll iTin braver Junge kann das Schuhmacherhandwerk gründl. erlernen. Schabbos und Feiertage geschloffen. _ ®. Kirchner, ^chuhmachermeister. Frankfurt am Main, Rechneistraße 1. [228c Hstiidchen jeder Branche ***+ können sofort gute Stellen erhalten durch Frau G. Tranb, Frankfurt a. M., Wollgraben 11, II. Stock. [11361] ine alleinstehende, eüentueü älteres Person, zu einer älteren Dame zur Besorgung der häuslichen Arbeit, per Anfang November, gesucht. Offerten unter Nr. 6314 an die Grschäftsst. d. Bl. Hleltere Dame sucht jüdisch. Mädchen, gesetzt. Alters, als Gesellschafterin. Fa milienanschluh. [6390 E>. Wohlgemuth, Hotel Falk, Elberfeld. Einheirath. Einem tüchtigen, braven j. Mann (Israelit), ist durch die Heirath mit der Tochter des Hauses, in welchem seit 50 Jahren ein gemischtes Waarengeschäst mit Erfolg betrieben wird, Gelegenheit geboten, sich selbstständig zu machen. Ernstgemeinte Anfragen beförd. unt. A. 6317 die Geschäftsstelle dss. Bl. Strengste Discretron selbstverständlich. GOOGGOOOGGGO

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.