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Der Israelit · 1899-09-28 · Heft 76-77 (28.9.1899) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 76-77 (28.9.1899)
Date
1899-09-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1608 lich an Mitleid und Erbarmen. Wie er nun im Leben Segen und Heil verbreitet, so möge jetzt das Andenken an diesen großen Lehrer und Führer belehrend und erhebend wirken. In tiefer Ergriffenheit lauschte die andächtige Gemeinde auf die Worte dcs Redners. In jedem Satze spiegelte sich die Verehrung de- Jüngers gegen den theuern Meister wieder. MlNhkilvüge« aus dr» iüö. Armmmelllen ttnft für dieselben. (Eürnrnttiche jüd. Wanderbettelvereine und Kasten für Durchreisende find gebeten, nnS Mitlheilungen über Erfahrungen, die sie ans dem Gebiete ihrer Thätigkeit machen, znkommen zn tasten ) Windsbach i. B. Am vorvergangenen Mittwoch um Qi1 217 kamen an die hiesige Armenkaffe zwei Arme, kurz vor Eingang von -nw or, erhielten Unterstützung und Abendessen. Von beiden kam keiner zur Synagoge und ließen sich dieselben am um nicht mehr sehen. Es sei noch bemerkt, daß vor Eingang von Jomkipur, von hier aus von den Armen kein Ort erreicht werden konnte, wo Juden wohnen. Die Namen der Betreffenden sind : Daniel Kusel aus Kirchberg bei Simmern, ein bekannter Name an der Armenkaffe, da er öfters kommt, und Karl Oppenheimer aus Nordhausen. Solche Leute, die sich sogar über Jomkipur wegsetzen, sollten daher von den jüdischen Armenkaffen nicht mehr unterstützt werden. Armen-Kasse Windsbach, Bezirks-Amt Ansbach in Bayern. Letzte Nachrichten Liber Polna. Prag, 25. Sept. Die „Narodni listy" wurden wegen Mitlheilungen über das Geständniß Hülsner's von der Staatsanwaltschaft konfiszirt. — Aus Kuttenberg wird dem „N. W. Tagbl." gemeldet: Eine Anzahl hiesiger Bürger, darunter die Geschwo renen im Hilsner-Prozeß, hat beschlossen, für die Zustandebringung der Mitschuldigen des Hstsner einui namhaften Geldbetrag als Prämie auszufolgen. Der Schulknabe, welcher seinerzeit zuerst die Leiche der ermordeten Agnes Hruza im Brezinawalde auffand, erhielt von mehreren Bürgern eine goldene Busennadel mit einem Kreuz zum Geschenke. Aus Trebitsch wird demselben Blatte berichtet: Der durch HilSner'S Geständniß als Thäter bezeichnete Josua Erbmann ist 49 Jahre alt, lahm und gebrechlich und schon seit 10 Jahren gichtkrank. Seit dieser Zeit ist Erbmann von hier abgängig und dürste von Almosen leben. Derzeit soll er sich in Ungarn aushalten. Niemand von Jenen, die den armen, hilflosen Teufel hier kennen, hält denselben für befähigt, eine Gewaltthat oder gar einen Mord zu verüben. — Der „Bohemia" wird aus Warnsdorf berichtet: „Der im Polnaer Mordvrozeß genannte Franz Wehr wurde am 12. d. M. auf dem Bahnhofe verhaftet. Wehr, der dringend verdächtig ist, im Walde bei Hühnerwaffer eine Frau aus Hirschberg ermordet und beraubt, ferner ein Sittlichkeitsverbrechen an einem fünfjährigen Mädchen und zahlreiche Einbrüche verübt zu haben, wollte eben abreisen, als ihn ein Schlosser erkannte. Er theilte seine Wahrnehmung dem Stationsvorstande mit, der Wehr durch Finanzwachleute festnehmen ließ. Wehr, ein übelbeleumundetes Individuum, ist Jahre alt und stammt aus dem Bezirke Kuttenberg. Er ist von kräftiger Statur und fällt durch den stechenden Blick seiner Augen aus. Der Vertheidiger im Polnaer Prozeß beantragte, Wehr, der sich in den Wäldern bei Polna umhergetrieben haben soll, den Zeugen gegenüberzustellen, die zur kritischen Zeit einem fremden Mann begegneten, dessen Blick ihnen auffiel. Allein der Gerichtshof lehnte die Reguirirung des Verdächtigen ab." Wien, 26. Sept. (Der Mädchenmord in Polna.) Was im Interesse der Wahrheit dringend wünschenswerth war, ist erfolgt — die beiden Männer, die von Hilsner in seinem angeblichen Geständniß als Mitschuldige bei der Ermordung der Agnez Hruza bezeichnet wurden, Josua Erbmann und Salomon Wassermann, sind bereits ausgeforscht und dem Gerichte übergeben worden. Die Verhaftung des Josua Erbmann erfolgte, wie bereits gemeldet wurde, gestern Abend in Schlan; zugleich mit ihm ist seine Frau verhaftet worden. Auf die Frage des ihn anhaltenden Wachmannes: „Waren Sie einmal in Polna?" soll Erbmann geantwortet haben: „Ja vor längerer Zeit. Ich werde mich ausweisen können, wo ich überall war." Die „Oesterreichisch-israelitische Union" hat nun heute auf telegraphischem Wege die authentische Mittheilung erhalten, daß Erbmann sich vom 25. bis 28. März d. I. in Neu Raußnitz in Mähren aufgehalteu hat. Der Mord an der Hruza bei Polna ist bekanntlich anl 29. März verübt worden. Die erwähnte Union ersucht alle Behörden und Privaten, den Aufenthaltsort des Josua Erbmann nach dem 28. März dem zuständigen k. k. Kreisgerichte in Kuttenberg entweder direct, oder durch das Abwehrbureau der österreichisch-israelitischen Union in Wien, IX., Berggasse 20, mitzutheilen, damit möglichst rasch volle Klarheit in diese Angelegenheit komme. Zu erwähnen ist noch, daß Hilsner in seinem Geständnisse auch angegeben haben soll, der Mord habe schon zwei Tage vorher, also am 27. März, verübt werden sollen. Ueber die Verhaftung des Salomon Wassermann wird aus Böhmisch - Leipa telegraphisch berichtet : Salomon Wassermann wurde am 24. d. M. in Auscha, wo er bei einem Baue arbeitete, verhaftet.

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