Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 74-75 (18.9.1899)
- Date
- 1899-09-18
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
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16 Bericht über dieThätigkeit des Kolonisations-Comites in Odessa vom 1. Jjar 5653 bis zum 1. Jjar 5656 (16. April 1893—13. April 1896). (X. Fortsetzung.*) Unser Comitö hat desshalb das Exekutiv- Comitö beauftragt, mit einem der arabischen Nachbarn wegen Ankaufes von 100 Dunam Land zum Häuserbau in Verbindung zu treten. Doch haben wir die Bedingung gestellt, dass der Verkäufer Kaufbrief und Bauerlaubniss von den Behörden zu beschaffen habe. Vadi Chanin hat gegenwärtig 270,200 Weinstöcke (Zuwachs in den jüngsten drei Jahren 80,000); 108,400 davon tragen bereits Früchte; ferner sind vorhanden 500 Olivenbäume, 1500 Mandel-, 1580 Citronen-, 100 Maulbeer- und 480 andere Fruchtbäume. Die Kolonie besitzt auch 310 Bienenstöcke im Werthe von 8000 Frcs. Die Einkünfte der Kolonie betrugen im verflossenen Jahre 11,725 Frcs. incl. der 4000 Frcs. betragenden Einkünfte des Kolonisten Lehrer; letzterer hat auch einen Baumgarten mit 6000 Orangenbäumen. Die inneren Angelegenheiten verwaltet ein ans drei Mitgliedern bestehender, selbstgewählter Vorstand unter Oberaufsicht des Exekutiv-Comitös. €1. Weitere Nachrichten ans pTH Diese Kolonie liegt westlich von der „Töchter Jakobs-Brücke“ an einer grossen steinernen Brücke, welche dort über den Jordan führt, am Ufer dieses Flusses und an der Karawanenstrasse, welche nach Haurän und Damaskus führt. Die Luft in der Kolonie ist warm und feucht, und durch die niedrige Lage der letzteren und die Nähe von Sümpfen ungesund und von Fieberdünsten erfüllt. Der Boden der Kolonie besteht aus 400 Dunam unfruchtbaren Steinboden und 2000 Dunam guten Lehmboden, dessen Gehalt an Kalk und Sand seine Ertragsfähigkeit noch erhöht. Während der steinige Boden gar keinen Nutzen gewährt, denn auch die kostspielige Entfernung der Steine verspricht keinen lohnenden Erfolg, ist der Lehmboden sehr fruchtbar. Dieser ist sowohl zum Anbau von Gerste, Waizen, Sargo, Mohn, Klee und Kartoffeln, als auch zur Anpflanzung von Wein, Oliven, Maulbeeren u. dgl. wohl geeignet. Um 400 Dunam vorzüglichen Boden führt die Kolonie einen Prozess mit *) 8. Nr. 708. Arabern, welche sich dieses Areal angeeignet haben, worüber die gerichtliche Entscheidung noch aussteht. Nach Beschaffenheit der Ackerkrume und des Untergrundes kann nur ein Theil der Kolonie zum Feldbau genommen werden. Dafür verspricht die Baumzucht dort um so lohnender zu werden. Besonders empfiehlt sich die Anpflanzung von Maulbeerbäumen, weil 1) der Boden hierzu geeignet ist, und 2) weil die Früchte dieses Baumes in der benachbarten Kolonie Bosch Pinah jederzeit Absatz finden, da dort grossartige Einrichtungen für Seidenspinnerei bestehen. Die Kolonisten in Mischmar Hajarden sind in ihrem Aeusseren, in Körperkraft, moralischen Eigenschaften und Brauchbarkeit zum Landbau sehr verschieden von einander. Merkwürdig ist, dass dort Frauen und Kinder mehr Arbeit leisten, als in anderen Kolonien. Der Besitz ist sehr ungleich vertheilt, und schwankt zwischen weniger als zehn und über achtzig Dunam. Einige Kolonisten wohnen in eigenen Häusern, andere in Mietwohnungen, und noch andere müssen fern von ihren kleinen Besitzungen anderweitig Wohnung suchen. Die meisten Kolonisten arbeiten als Taglöhner auf Bosch Pinah und Jessod Hamaalali, und müssen von ihrem täglichen Verdienste, 7—9 Piaster, sich und ihre Familien ernähren. Die Meisten sind fleissig und arbeitsam, und werden von den Agronomen der Kolonien, auf welchen sie arbeiten, sehr gelobt. Auch das Exekutiv-Comitö, welches Mischmar Hajarden schon häufig inspicirte, äusserte sich günstig und anerkennend über die Kolonisten und ihre Familien, sowohl hinsichtlich ihrer geordneten Lebensweise, als auch in Bezug auf ihre Ausdauer bei der Arbeit. Freilich sind auch einige Greise und Schwächlinge vorhanden, welche einer so jungen Kolonie nur zur Last fallen. Die Anzahl der Kolonisten beträgt 26 Familien, von welchen aber nur 18 auf der Kolonie wohnen. Die letzteren bestehen aus 59 männlichen und 39 weiblichen, zusammen 98 Seelen. (Schluss folgt.) Dreek der Job. Wirth’sehea Hefbaehdruekerei Aotien-Öesellachaft, Maine.