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Der Israelit · 1899-09-18 · Heft 74-75 (18.9.1899) · page 59

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 74-75 (18.9.1899)
Date
1899-09-18
Page
– (sequence 59)
Language
German
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15 die eindrucksvolle Veranstaltung. — Auch bei der Trauerfeier, welche seitens der sephardischen und aschkenasischen Gemeinden am darauffolgenden Sonntag im Saale der Alliance-Schule veranstaltet wurde, betheiligte sich die Anstalt dadurch, dass u. A. Herr Lehrer Jellin eine hebräische Ansprache hielt und die Zöglinge unserer Schule gemeinsam mit den Alliance-Schülern unter Leitung des Lehrers Press verschiedene Psalmen sangen. Jährlich am Sterbetage wird das Andenken der geschiedenen Stifterin durch Gebet und Kaddischsagen von den Waisenkindern gefeiert werden. Von den Zöglingen sind David Keke, Abraham Melamed, Josef Benhamu und Hirsch Zuckermann bei Handwerksmeistern untergebracht worden; zwei andere in die Handwerkerschule der Alliance eingetreten. Rüben Rabbinowitsch hat sich als Tischler niedergelassen und erhielt die Werkzeuge von unserem Verein. Im Ganzen waren in unserem Waisenhause am 1. April d. J. 10 Handwerkslehrlinge und 15 Schüler. Im neuen Vereinsjahre hoffen wir, mit der Vergrößerung der Zahl unserer Zöglinge beginnen zu können. Wohl erlaubt das Haus 25 Neuaufnahmen, aber dazu reichen unsere Mittel nicht. Wir müssen uns bescheiden, langsam vorwärts zu gehen, wenn nicht wohlthätige Glaubensbrüder uns durch grössere Spenden, insbesondere durch Stiftung von Stellen, zu rascherem Schritte befähigen. Eine weitere schwere Aufgabe liegt vor uns. Von einer der Verwaltung nahestehenden Seite ist uns im Herbste v. J. die Summe von Mk. 30,000 B1 /o/0/o Bayr. Oblig. zum Zwecke der Errichtung eines Mädchen Waisenhauses zum Geschenke gemacht worden. Fürwahr, eine Spende, die dem Herzen des Spenders alle Ehre macht, aber sie reicht nicht hin, um uns in den Stand zu setzen, die gewünschte Anstalt in’s Leben zu rufen und zu erhalten. Wir haben uns daher bemüht, andere Vereine und Institute, die gleich uns sich für das Wohl des heiligen Landes interessiren, zur Mitwirkung zu veranlassen. Hoffen wir, dass unsere Schritte von Erfolg gekrönt sein werden, und dass wir bald in die Lage kommen, den verlassenen Waisenmädchen Jerusalems, um die sich Niemand kümmert, und die der Aufsicht und Pflege noch mehr bedürfen als die Knaben, ein angemessenes Heim zu bieten. Indem wir zu der Schule übergehen, geben wir zunächst Herrn Schuldirector Cohn das Wort. Er berichtete uns Ende März wie folgt: „Das denkwürdigste Ereigniss in der Geschichte Jerusalems der Gegenwart bleibt zweifellos der Besuch des deutschen Kaiserpaares, welches am 29. 0 c t o b e r vorigen Jahres seinen feierlichen Einzug in die heilige Stadt hielt, und es gereicht uns zur Genugtuung, berichten zu können, dass bei den Empfangsfeierlichkeiten Waisenhaus und Schule in hervorragender Weise betheiligt waren. Der erste harmonische Gruss in deutscher Weise kam von den Zöglingen unserer Anstalten, welche an dem jüdischen Triumphbogen, dem ersten, welchen Ihre Majestäten bei ihrem Einzuge in die Stadt passirten, Aufstellung nahmen. Die Zöglinge in ihren netten neuen Uniform-Anzügen mit Banner und Schärpen verfehlten nicht, durch ihre gute Haltung und ihren geschulten gesanglichen Vortrag einen angenehmen Eindruck auf Ihre Majestäten zu machen, die ein paar Minuten vor den Reihen der Kinder anhielten und huldvollst dankten. Auf Wunsch des Freiherrn von Mirbach, Oberhofmeister Ihrer Majestät der Kaiserin, wurde derselben der hebräische Text und die deutsche Uebersetzung des von unseren Schülern vorgetragenen Festliedes in der Form einer schön ausgestatteten kleiöen Olivenholzrolle überreicht, für welche Herr von Mirbach in einer Zuschrift an den Director der Schule den Dank der Kaiserin übermittelte. Dem Ansuchen der vereinigten jüdischen Gemeinden am Mitwirkung des Leiters der Schule in der Empfangsabordnung und des gesammten Lehrkörpers, sowohl bei den Empfangsvorbereitungen, als auch bei der Begrüssnng selbst, wurde bereitwilligst und in th&tkräftiger Weise entsprochen. Am 2. Dezember fand zur Feier des 50jährigen Regierangsjubiläums Seiner Majestät des Kaisers und Königs Franz Joseph in der Schule eine Festandacht statt, bei welcher ansser dem Schuldirector auch der Director des Waisenhauses, Herr Dr. Grünhut, eine Ansprache an die Kinder hielt. Eine Huldigungsadresse in deutscher und hebräischer Sprache in der Form eines Albums mit Olivenholzdeckeln ausgestattet, wurde namens der Schule durch Vermittelung des hiesigen oesterreichisch-nngarischen Consulates nach Wien gesandt, wofür der Dank des Kaisers eintraf. In den letzten Monaten erfreute sich die Schule des Besuches von Herrn und Frau Gumpertz aus Hamburg, welche längere Zeit in den Klassen verweilten. Mit gleichem lebhaften Interesse prüfte Herr Dr. Heinrich Meyer- Cohn aas Berlin während zwei Stunden die Schüler und schenkte 100 Mark für hygienische Zwecke. Die Jahresprüfnng, welche am 9. März stattfand, leitete, wie im vorigen Jahre, so auch diesmal der oesterr. ungar. Consul Herr von Jehlitschka. Die verständniss volle Theilnahme, welche dieser feinsinnige Gelehrte an dem Werke unserer Schule bethätigt, verfehlt nicht, den besten Einfluss auf den Gang derselben auszuüben. (Fortsetzung folgt.)

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