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Der Israelit · 1899-09-18 · Heft 74-75 (18.9.1899) · page 52

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 74-75 (18.9.1899)
Date
1899-09-18
Page
– (sequence 52)
Language
German
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Konnte ja nichts Seltsameres den Pelasgern L&- koniens auffallen, als dass jene in göttlichen Künsten erfahrenen Phaeaken so unendlich viele Mühe darauf verwendeten, armselige Schnecken am Strande von Gythion zu sammeln. Von den alten phönikisehen Staaten sind uns Sidon und Tyros, Byblos, Berytos und Arvad die bekanntesten. Aber auch vor, Jaffa und besonders die Bandesdreistadt Erekh (Tripolis, heute Tarabulus) waren hervorragende Mittelpunkte phönizischen Lebens. Ein Land Phönizien hat es nie gegeben. Aber diese Stadtrepubliken und lokalen Königreiche sind in ältester Zeit schon Mittelpunkte der Industrie und des Handels gewesen, und die zahlreichen Erfindungen, ohne welche weder Gewerbe noch Welthandel existiren können, und welche noch heute unser Staunen wachrufen, sind ihres Geistes Thaten. Sie waren ebenso die waghalsigsten Entdecker, wie die kühnsten Erfinder. Zu einer Zeit, wo in Bom die letzten Könige regierten, umsegelte der karthagische Kananäer Hanno Afrika mit 50 Peuteren. Aber schon wenigstens anderthalb Jahrtausende früher hatten die Phönizier das Glas und den Purpur erfanden, und trieben in allen Ländern des Mittelmeeres, sogar in Portugal und Britannien einen rationellen Bergbau. Alle Mittelmeerländer, vor allen Hellas verdanken diesen kanaanäischen Stämmen ihre ersten Bildungskeime Ihr Handel beruhte durchaus auf heimischem Gewerbefleisse. Aber es wäre ein Irrthum, sie nur für praktische Arbeiter und Handelsleute zu halten. Sie waren grosse Meister in Wissenschaft und Litteratur. Schon frühzeitig war der Polarstern ihr Leiter auf dem Weltmeere, während die Griechen sich noch ein Jahrtausend später nach dem Sternbilde des grossen Bären richteten. Nicht Geringeres als auf astronomischem Gebiete leisteten sie in der Sprachwissenschaft, Denn welche ausserordentliche philologische Abstraktion gehörte allein dazu, als die ersten Konsonanten und Vokale zu unterscheiden und zu erkennen, dass den semitischen Sprachen 22 Mitlaute zu Grunde liegen. Die Buchstabenschrift, die alle Nationen ihnen verdanken, konnten sie nur auf dem systematischen Wege streng wissenschaftlicher Forschung erfinden. Freilich zeugt diese grosse Geistesthat zugleich auch von der grossen Divination, mit der sie gleich allen semitischen Stämmen begabt waren. Von ihrer umfangreichen Litteratur ist nur Weniges auf uns gekommen, so die griechische Uebersetzuug der „Umseglung“ (IlepfaXovs) des Hanno und ein Bruchstück eines agronomischen Werkes des karthagischen Buffeten Majo. Uns interessirt nicht zum Geringsten das ethnische Verhältnis der Phönizier za den Juden. Infolge der verschiedenen Namen, und weil die Israeliten beinahe anderthalb Jahrtausende später den Söhnen der Europa bekannt wurden, als die seefahrenden Sidonier, haben wir uns gewöhnt, sie als zwei Nationen zu betrachten, während man die viel verschiedeneren Dorer und Jonier als Theile des hellenischen Stammes ansieht. Ausserdem waren diese Stämme im Jordanlande gewöhnt, mit ihren Stammgöttern ihren Stamm zu unterscheiden. „Mein Gott ist Dein Gott“ gebraucht die Moabitin ganz parallel zu „meine Nation ist Deine Nation“ (Ruth 1,16). Wer sich im Nachbarstamme gleicher Zunge naturalisiren wollte, der erkannte dessen Gott als den «einigen an. Denn eines Stammes und einer Sprache waren alle diese Phönizier, Israeliten, Juden, Edomiter, Ammoniter und Söhne Moabs. Die mundartlichen Differenzen waren geringer zwischen Sidoniern und Israeliten, als zwischen ihnen und den Phöniziern in den Kolonien. An der Spitze des karthagischen Staates standen Schüfeten (griechisch aov^ijx^e)- Der Richter Israels hiess Schotet. Das Wort kommt sonst in keiner andern semitischen Sprache vor. Von punischen Eigennamen sind uns die bekanntesten : Hanno, Hamilkar Barkas, Hasdrubal und Hannibal. Ganz entsprechend dem Namen Hanno heissen mehrere Personen des biblischen Alterthums aus ganz verschiedenen Perioden; Chanani (Gnadenreich), ein Prophet, Vater des Königs Jehu, Chanan, einer der Kriegsobersten des Königs David, und viele Andere in späterer Zeit. Channah, die Mutter Samuels, hat ihre Namensschwester in der leiblichen Schwester der sagenhaften Dido. (Fortsetzung folgt.) Für das in der bayerischen Pfalz zu gründende jüdische Asyl für alte, arbeitsunfähige und alleinstehende Glaubensgenossen bittet um reichliche Spenden X>r. A. Salvendi. Druck der Job. Wirth’schen Hofbnchdrncberei Actien-Gesellschaft, Mains.

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