Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 74-75 (18.9.1899)
- Date
- 1899-09-18
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449022--49123-2499573- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1596 Vertreter des D.-J. G.-B. und Herr Martm Simon als Vertreter der jüdischen Gemeinde von Berlin, von auswärts waren erschienen die Herren: Vorsteher G- Davidsohn—Danzig für den Westpreußischen Gemeindeverband. Vorsteher Frank—Leipzig für seine Gemeinde, Hirschler—Frankfurt a. M. als Vertreter des Herrn Charles Hallgarten für den dortigen Israelitischen Hilfsverein, Amtsgerichtsrath Levy—Beuthen für den Gemeindeverband im Regierungsbezirk Oppeln. Rechtsanwalt Dr. Lewin—Stettin für den Pommerschen Gemeindeverband. Rabbiner Dr. Walter — Bromberg in Vertretung des Landgerichtsraths Peltafohn für den Gemeindeverband im Regierungsbezirk Bromberg. Am Montag erfolgte eine gemeinschaftliche Besichtigung des „Arbeitsnachweisbureaus", der „Jüd. Volksküche", sowie der „Berliner Arbeiterkolonie" in der Reinickendorferstraße. Die meisten der wichtigen Verhandlungsgegenstände sind z. Z. noch nicht bis zur Publikationsfähigkeit gefördert, dagegen kann schon jetzt das Nachfolgende veröffentlicht werden. Auf Antrag des Israelitischen Hilfs Vereins in Frankfurt a. M., Ref. Herr Hirschler von dort, wurde beschloffen, auf die in einzelnen Großgemeinden ansässigen jüdischen Translateure von Gemeindewegen in dem Sinne einzuwirken, daß sie überhaupt keine Uebersetzung von sogenannten Jnlands-Päffen, die nur für Rußland bestimmt sind, für die Wanderbettler mehr anzufertigen. Ferner wurde dem Wunsche des Uebersetzers Elk in Frankfurt a. M. stattgegeben, die nachstehende Erklärung den jüdischen Zeitungen mit der Bitte um Veröffentlichung zu übersenden. Erklärung. ES ist mir zur Kenntniß gelangt, daß mancher herum' wandernde Schnorrer, kleine russispe oder polnische, gewöhnlich im blauen Umschlag gehaltene JnstruktionSbüchelchen angeblich von mir übersetzt, den israelitischen Hilfsvereinen vorgezeigt Da ich mich seit Jahren mit, Uebersetzung besagter Dokumente nicht befasse, so erkläre ich hierdurch öffentlich, daß alle derartige mit meinem Namen und Stempel versehenen Übersetzungen entweder gefälscht oder durch unehrliche Manipulationen in Händen der Vorzeiger gelangt sind. Die verehrt. Vereine, Hilfskaffen rc. mögen solche angeblich von mir übersetzten oben angeführten LegitimationSbüchelchen zweis Verhinderung weiteren Unfugs anhalten und den Borzeger nach Gebühr behandeln. Ueberhaupl möge Allen uns Jedem kund und zu wiffen gethan fein, daß diese LegitimationSbüchelchen gar keinen legalen Werth im eigentlichen Rußland haben, ihre Gültigkeit beschränkt sich nur aus diejenige Stadt im ehemaligen Polen, für welche sie als Anmeldezettel in Wohnungsänderungen, Geburten und Sterbefällen herausgegeben worden sind. gez.: Julius Elk, (L. S.j vom Kaiser!. Ruff. Gen.-Cons. dahier laut Attestat vom Jahre 1*86 sub No. 993 approbirter russischer Uebersetzer. Frankfurt a. M., d. 13. 8. 99. XL. Sämmtliche jüdischen Blätter werden um Veröffentlichung dieser Erklärung gebeten. Frankreich. Paris, 15. Sept. Perfid, wie immer, hatte der „Soir", deffen Director Gaston Pollonnais selbst Jude ist, in der unverschämtesten Weise die Ansprache entstellt, die der Groß-Rabblner von Frankreich, Herr Zadock-Kabn, aus Anlaß des Versöhnungstages gehalten hat und auf die die Nationalisten und Antisemiten sich stützen, um eine Maßregelung des Groß- Rabbiners zu verlangen. Der „Temps" veröffentlicht nun den richtigen Wortlaut der auf Dceyfus bezüglichen Stelle aus der Predigt; er lautet: Beten wir zu Gott, auf daß er sich unseres unglücklichen Bruders erbarme, des traurigen Opfers eines furchtbaren Verhängnisses. Beten wir zu Gott, aut daß er sich seiner bewunderungswürdigen Familie erbarme, die von allen Punkten der Welt Beweise so werthvoll r Sympathie erhalten hat. Beten wir zu Gott endlich, vaß er sich unseres treueren Frankreichs erbarme, auf daß dieses seinen Ueberlieferungen deS Rechts und der Wahrheit treu bleibe, in der Welt sein Werk der Gerechtigkeit und Toleranz weiter verbreite, um so unausgesetzt die Achtung aller Völker zu verdienen." Vermischtes Berlin, 12. Sept. Herr Ferdinand Man hei me r, der Tbeilhaber der hiesigen KonfectionSsirma B. Manheiiner, ist zum Kommerzienrath ernannt worden. Budapest. Eine der edelsten und wohlthätigsten Damen Ungarns, Gräfin Wittwe Johanna Eziraky, ist am 7. d. M. hier verschieden. Die Verblichene war eine Philosemitin im strengsten Sinne des Wortes: als im Jahre 1866 die Cholera wüthete, ließ sie in Lovasberenp ein Spital errichten, in welchem sie die Kranken ohne Unterschied der Confefsionen persönlich pflegte. Auch zur Jeit der großen Ueberschwemmung in Pest legte Gräfin Cziraky große Opferwilligkeit an den Tag. Die Verewigte war die erste Palastdame Ihrer Majestät der Königin. Marocco Aus Marocco kommen wieder schlechte Nachrichten. In lllad Fash ist ein jüdischer Pautoffelhändler mit seinem Sohn und Schwiegersohn beraubt und ermordet worden. Einige Paar Pantoffeln waren die ganze Beute, um derentwillen drei Personen ihr Leben lassen mußten. Die Behörden haben den Mörder ermittelt, das geraubt» Eigenthum bei ihm gefunden und consi-cirt, aber von einer Bestrafung verlautet nichts. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition de- .Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschaft in Mainz.