Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 74-75 (18.9.1899)
- Date
- 1899-09-18
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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für düs Äörthodoxe MuderrthumH b oH f? 18. Sept. 1899] 19lt. il muwM H^in moderner Mchnorrer. Line Lrzäblung aus der neuesten Zeit. Dcr freundliche Leser und die freundliche Leserin werden vielleicht, wenn sic die Uebcrschrift meiner kleinen Erzähluitg erblickt haben werden, an Zangwills „König der Schnorrer" denken und in dem Vorliegenden ähnliche Verspottungen jüdischer Gebrauche und Einrichtungen vermut hen. Deshalb will ich Sie im Vorhinein beruhigen, mit Zangwillschen Satyren hat meine kleine Humoreske nichts zu thun. Ich will die Geschichte eines Mannes erzählen, der auf seiner Pilgerfahrt als Wanderbettler merkwürdige Erlebnisie hatte. Die Laubhütte von Rabbi Jtzik Schulenklopper in Plotschazek war in diesem Jahre ganz prächtig ausgestattet, bunte Ketten, vergoldete Nüsse, farbige Lampions und grüne und rothe Glaskugeln hingen von der Decke herab, an den Wänden sämmtliche Oppenheimschen Bilder aus dem jüdischen Leben und auf dem Tische ein großer, ausgehöhtter Kürbis, aus dem in Transparentschrift die Worte: „Bassukkaus teischwu schiwas Jomim" hervorleuchteten. Es war David, der älteste Sohn des Hausherrn, der es verstand, ohne daß ihm sein Vater irgend welche Mittel dazu zur Verfügung gestellt hätte, alle diese Herrlichkeiten herbeiznschaffen. Die Openheimscheu Bilder hatte er nämlich von einer Zeitschrift in Warschau, für die er sie besprochen, erhalten, die Glaskugeln staiumten von dem Spezereiwaarenhänolcr, in deffen Hause er den Kindern Nachhilfestunden ertheilte und die übrigen Gegenstände beschaffte er sich auf ähnliche Weise. Nachdruck vrrboten. In seltsamen: Gegensatz zu der glanzend ausgcstattcten Laubhütte stand die Stimmung des Hausherrn. Rabbi Jtzik Schulenklopper war ein vollständig ruinirter Mann. Die Branntweinhandlung, die er seither führte und die ihn und seine Familie anständig ernährte, mußte, da in Rußland das Branntweinmonopol eingeführt wurde, aufgegeben werden. Er erhielt deshalb von allen seinen Geschäftsfreunden den Credit gekündigt und zehrte schon seit Monaten von den geringen Resten seines geringen Vermögens. Seiner Familie hatte er bis jetzt von der schlechten Lage seiner Verhältnisse noch keine Mittheilung gemacht, er wollte damit warten bis nach dem Feste. Der gottvertrauende Jude versteht es sich zu bemeistern. Heiter und scheinbar zufrieden wie immer, feierte er das Fest der Freude. Als aber am Simchas Thora Abend Hawdoloh gemacht war, da begann ein Weinen und Trauern in der Familie Rabbi Jtziks, daß es schier die Steine erweicht hätte. So schlimm hatten es sich Frau und Kinder, die Manches ahnten, denn doch nicht vorgestellt. Schulenklopper hatte rein gar nichts aus dem Schiffbruch gerettet, er wußte kaum, wo er für den kommenden Morgen Brod für seine Familie hernehmen sollte. Endlich wurde beschlossen, daß Rabbi Jtzik zu seinem Bruder nach Hamburg fahren solle, man hatte zwar seit fünfundzwanzig Jahren keine directen Nachrichten von ihm; von anderer Seite hatte man aber gehört, daß es ihm gut gehen sollte. An ihn sollte