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Der Israelit · 1899-09-18 · Heft 74-75 (18.9.1899) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 74-75 (18.9.1899)
Date
1899-09-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
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WMWWAW^O V.^W,>WWMM - XJL« Jahrgang. Dritte Seil. M^lS745 75 -es Jlsraelit“. Seiitnbe Artikel. <£ s r a. Von % Turoff. -^--rü'-rsr-- Airs bescheidenen Anfängen, langsam und unauffällig wachsend, ist in Deutschland ein Verein emporgekommen, der allen Anzeichen nach zu beurtheilen, berufen und geeignet zu sein scheint, in der Geschichte der Colonisation Palästina dereinst eine wesentliche Rolle zu spielen. Wir meinen damit den „Esra-Verein" zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien, dessen Bericht pro 1896—1898 eben den Druck verlassen hat. Die Geschichte des „Esra" datirt bis zum Jahre 1864 zurück. Wenige Jahre vorher hat der tausendjährige Judenhaß wieder das Haupt erhoben. In Deutschland mußte er zu diesem Zwecke erst eine kleine Metanrorphose mit sich vornehmen, er mußte sein altes, mit der Zeit schäbig gewordenes religiöses Mäntelchen ablegen und einen modernen Mantel von brennender Nationalfarbe anlegen, in dem weniger neuerungssüchtigen Rußland aber, wo die von Stöcker gestreute Drachensaat üppig in den Halm schoß, bedurfte er keiner Maskerade, sondern trat wie in den Zeiten Schiuelnizki, des alten Kosakenhetmann's als der grobe, ungeschlachte, stets handgreiflich werdende alle Judenhaß auf. Wie im Jahre 1648 sahen sich Tausende von Glaubensgenoffen in Südrußland von Haus und Hof verjagt und gezwungen, in fernen Landen eine neue Heimath zu suchen. Ohne Führung, ohne Plan, ja selbst ohtle bestimmtes Ziel vor Augen zu haben, verlieben sie schaarenweis den heiß gewordenen Boden Rußlands um das benachbarte Oesterreich zu überschwemmen, in Brody stauten die Massen ... der Schlag traf uns, wie stets fast, gänzlich unvorbereitet. Run mußte eiligst Hilfe geschafft werden, es mußte» viele Millionen aufgebracht werden, nur um die in den Straßen Brody's Hungers sterbenden Flüchtlinge aus der Stadt zu befördern und wieder in alle Richtungen der Windrose zu zerstreuen. Der unter der falsch angewandten Devise 'i 7.12 =•* in den Tag hineinlebende jüdische Optinismus hat in Brody eine derbe Lection erhalten, nicht gar zu vertrauensvoll in die Zukunft zu blicken, vielmehr stets und immer an den ewig zum Schlag ausholenden Feind Israels zu denken, um nicht jedesmal beim Ausbruch einer Katastrophe gänzlich unvorbereitet dazustehen. Aus diesen Reflectionen heraus ist Ende 1884 der „Esra", der erste deutsche Verein für Colonisation Palästinas entstanden. Aber der junge „Esra" konnte vorerst nur mühsam sich Bahn brechen und machte daher in den ersten Jahren sehr geringe Fortschritte. Jener unserem Volke innewohnende eben erwähnte unselige politische Optinismus, der vor jeden mühsam abgeschlagenen Angriffe wähnt, es sei der letzte gewesen, bildete noch ein kaum zu überwindendes Hindernis. Wohl haben die deutschen Juden während der Panik in Brody vollauf ihre'Schuldigkeit gethan, kaum jedoch war die ärgste Roth beseitigt, die Flüchtlinge aus der Stadt entfernt und außer Seh- und Hörweite gebracht, als man wieder sich der alten Sorglosigkeit hingab und auf den durch Erfüllung edler Menschenpflicht errungenen Lorbeeren sich ausruhen zu dürfen wähnte. Eine zweite Katastrophe mußte womöglich in nächster Nähe ausbrechen, um die deutschen Glaubensgenoffen aufzurütteln und sie zu einer stetig intensiven Arbeit für die Colonisation Palästinas willfährig zu machen. Da blitzte eS zum zweiten Male auf. Diesmal nicht mehr weit hinten in Brody, sondern in der vor den Thoren Berlins gelegene Stadt Charlottenburg. Die Maffenausweisungen aus Centralrußland trieben von Neuem Zehntaufende von rufstschen Juden von Haus und Hof ins nackte Elend. Die von Osten kommenden Züge landeten tagtäglich hunderte von Flüchtlingen in Charlottenburg, und man muß selber Augenzeuge der sich auf dem Auswandererbahnhof daselbst abspielenden herzzerreißenden Scenen gewesen sein, um zu begreifen, welchen unauslöschlichen Eindruck sie auf unsere Berliner Glaubensgenoffen, die täglich Zeugen dieser Scenen waren, machten. Die großartigen Leistungen wohlthätiger Bruderliebe werden für alle Zeiten ein unsterbliches Ruhmesblatt in der Geschichte der deutschen Juden bilden, aber auch die unmittelbaren Folgen jener schweren Tage werden unvergänglich bleiben. Die in einer damals viel gelesenen Brochüre (Paul Dimidow, „Wo hinaus?") den deutschen Juden gepredigte Lehre: „Bleibt gerüstet auch in Friedenszeiten!" scheint damals auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. In seinem Jahresbericht pro 1893 konnte der Verein „Esra" zum ersten Male einen bedeutenden Aufschwung verzeichnen, der in darauffolgendem Berichte pro 1894/96 noch wesentlich gesteigert wurde. Der Verein „Esra" zählte bereits 2000 Mitglieder, In seinem Berichte pro 1896—98 kann das Centrat-Komitee des „Esra" einen weiteren Fort-

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