Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 74-75 (18.9.1899)
- Date
- 1899-09-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1664 abermals einen Entwurf eines Gesetzes zur Regelung der konfessionellen Gleichberechtigung vorlegen soll. Präsident Krüger hat seine Anschauung in dieser Frage allen Mitgliedern des Volksraads in Form von Informationen zugehen lassen und dabei wieder als Hauptgrund für die Zulassung der Israeliten zum vollen Bürgerrecht geltend gemacht, daß dadurch die Bekehrung derselben zum Christenthum erleichtert werden würde. (!?!) Indien. Bombay. Die Schächtsrage fängt jetzt auch hier zu spucken an. Eine Kommission der Stadtverwaltung, der die Schlachthäuser unterstehen, hat die Methoden der Viehtödtung studiert, ist aber von derEinführung europäischer Methoden abgekommen, um nicht die religiösen Gefühle der Juden und Muhammedaner zu verletzen. — Die Pest dauert noch immer fort und fordert auch unter den Juden viele Opfer. Besonders in Alibay, Rewdanda und Poena ist die Zahl der jüdischen Todesfälle an dieser Seuche sehr zahlreich. Zudem droht den ärmeeren Klassen jetzt auch wieder da- Gespenst einer Hungersnoth, mindestens einer großen Preissteigerung wegen der zur Zeit hier herrschenden Trockenheit. Arabien. Sana, in Nemen. Seit der Ankunft unseres neuen General-Gouverneurs Hilmi Ben in unserer Stadt, hat sich die Lage der Juden hier und auf dem flachen Lande ein wenig günstiger gestaltet. Besonders der Umstand, daß er zu allen feierlichen Handlungen nebst dem Mufti (mohamedanifchen Bischof) auch unseren Mani (Großrabbiner) ladet, ließ die Araber zur Einsicht gelangen, daß man im Konak (Statthalterei) die jüdische Konfession ebenso hochachtet, wie die mohamedanische und sie beginnen nun die Juden ein bischen besser zu beachten. Hat doch sogar ein Chodsche (Professor) vor einigen Tagen in der Medreffeh (höhere Schule) seine Schüler darauf aufmerksam gemacht, daß es nicht mehr zeitgemäß sei, den Juden die Spottnamen „Kilb" (Hund), „Chensir" (Schwein) :c. zuzurufen, da Ibrahim (Abraham) auch deren Stammvater war. Hilmi Bey hat auch schon zugesagt, sich in Konstantinopel dahin verwenden zu wollen, damit im Judenviertel hier verschiedene Sanitätsmaßregeln, besonders was die Kehrung der Straßen und die Fortschaffung der Viehcadaver anbelangt, raschestens in Angriff genommen und auch durchgeftthrt werden sollen. Persien.? Teheran. Noch immer ist hier die Erregung gegen die Juden groß und die erhoffte Beruhigung der Gemüther M bj-sher nicht eingetreten. Freilich ist die Regierung in erster Linie bemüht, den Ruhezustand wieder Herzustellellen allein da sie sich scheut, den fanatischen muhammedanischen Priestern gegenüber Gewalt auzuwenden, so ist sie darauf angewiesen, gut zuzureden und dies reicht bei der trotzigen Hartnäckigkeit unserer Feinde nicht aus. Dankbar müssen wir anerkennen, daß diesmal die Negierung ganz aus eigenem Antriebe i:UerveniU hat, während sie sonst sich immer dazu nöthigen ließ, bald von dem französischen, bald von dem englischen Gesandten Die Juden ihrerseits haben sich mit Petitionen an den Schah, an den Minister des Aeußeren und an den Polizeichef gewendet, aber überall hat man ihnen jur Geduld gerathen und sie auf die Zukunft vertröstet. Daraufhin hat sich eine jüdische Deputation mit dem Oberrabbiner an der Spitze zu den Mochetahidin, den muhammedanischen Geistlichenkollegium begeben, um deren Intervention zu erbitten. Dieselbe ist auch versprochen worden, doch steht der Erfolg noch aus. Das schlimmste ist, daß wir befürchten müssen, die judenfeindliche Bewegung sich auf die Provinz sich ausbreiten zu sehen, wo die Juden ganz schutzlos und viel schlimmer daran sind, als hier in der Hauptstadt. vermischtes GwinemÜude Diese Tage hat ein Berliner Primaner, Julius Schlesinger, einen Lieutenant, der sich zn weit ins Meer hinausgewagt, aus der Lebensgefahr gerettet. Ter junge Mann hielt den sinkenden DsiHer so lange über das Wasser, bis noch ein zweiter Herr zn Hilfe kam und mit einem Nettnirgsbom fdilieülid) den Gefährdeten aufnahm. Wir kennen keinen der Beteiligten und erwähnen das Vorkommnis; blos. nm die Bemerkung daran zn knüpfen, das; keine der antisemitischen Leitungen die wackere That des Gedenken werth gehalten hat. Dieselben antisemitischen Zeitungen tvürden sicher weniger schweigsam gewesen sein, memt von einem Julius Schlesinger Ungünstiges wahr oder unwahr — berichtet worden wäre. Briefkasten -er Redaktion. I. M., Assenheim: Geburtstag, 16. Schewat, Sidra ist nm. Briefkasten der Expedition. I. B. I.: M. 20.— für angegebene Zwecke dankend empfangen. Streng rituelles Etablissement I. Ranges. Mit Genehmigung Sr. Ehrwürden Herrn Landrabbiner Dr. Rülf, unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Auerbach— Halberstadt. In schönster Lage, ruhiges vornehmes Haus am Walde und der Promenade, 46 eleg. Salons mit 36 Balcons, große Veranda, extra gute Verpflegung. Volle Pension incl. Zimmer von 6.50 M. an. Samstags Gottesdienst. Eröffnung 1 Mai. Max Hecht. 2751]