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Der Israelit · 1899-11-30 · Heft 95 (30.11.1899) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 95 (30.11.1899)
Date
1899-11-30
Page
– (sequence 21)
Language
German
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fürHs^> Orthodoxe MüderrthumÄ A BOh->(1, 3|OAA OS E Sv' lNr. 14. 30. Nov. 1899] mm wm EW mM •muza MSI ersten 4 (Aus dem Russischen.) •$•• Jugenderinnerungen von Bett-Aßtti. -»0CZD0*- I. Draußen herrschte eine feuchte, durchdringende Kälte. Dichte Schneeflocken gingen nieder und breiteten über die Erde eine Weiße, fleckenlose Decke, die aber sofort in einen grünlichen schmutzigen Brei verwandelt wurde. Der Wind pfiff und heulte und schleuderte Schneehaufen in die Gesichter der Vorübergehenden. Ich lief mit aller Kraft gegen diesen wüthenden Anprall des Windes nach dem Bet hamidrasch. Damals zählte ich sieben Jahre, ich war just nicht besonders kräftig, und der Wind stieß mich unbarmherzig nach rückwärts, ebenso wie der „Kastellan" vom Tempel der „aufgeklärten" Juden meiner Vaterstadt jeden armen Glaubensgenoffen zurückstieß, der ins Heiligthum gelangen wollte. Der Schnee schnitt mir ins Gesicht und drang mir durch die fadenscheinigen Kleider. Von meinem Schuhwerk will ich lieber ganz schweigen, da dies noch von meinem seligen Vaier herrührte. Die Dämmerung senkte sich auf die Erde nieder, und ich ging über einen öden, weiten Platz, an dessen äußerstem Ende hie und da ein Lichtlein schimmerte. Ich besann mich, daß ich nicht in's Cheder*), sondern in's Bet hamidrasch ging, und dieser Gedanke erfüllte mich mit unbeschreiblicher Wonne. Heute *) Schule. war ja Donnerstag, der furchtbare Tag, da der Schiur und die Sidra endgiltig repetirt wurden, und wehe dem, der die Prüfung schlecht bestand. Aber heute sollte ich nicht bis acht Uhr im Eheder eingekerkert bleiben, sondern den Abend mit der Mutter und den Geschwistern zubringen. Heute war Chanuka. Ich öffnete die Thür des Bet hamidrasch und erblickte meinen älteren Bruder, der betend zwischen Thür und Ofen stand. „Süsje, Süsje, die Mutter kocht heute Nudeln," brachte ich mit lauter Stimme und in einem Achem hervor. Wie oft hatte mich die Mutter ermahnt, ihm dies ganz leise mitzutheilen. Schon als ich draußen war, eilte sie mir nach und schärfte mir ein: „Vergiß nicht, mein Kind, und sage ihm daS ins Ohr." Gott ist mein Zeuge, daß ich nicht aus Muthwillen dem Befehl zuwiderhandelte, sondern weil ich es eilig batte, meinem Bruder die frohe Botschaft zu hinterbringen, vergaß ich alles, was man mir eingeschärft hatte. Zum Unglück herrschte im Bet hamidrafch eine tiefe Stille, da alle gerade bei dem leisen Schemone-esre waren. Die Betenden sahen sich bei meinem Ausruf erstaunt um, einige ungezogene Knaben lachten sogar gedämpft. Mein Bruder bedeckte sich vor Scham das Gesicht mit beiden Händen, und als er mit dem

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