Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 72-73 (12.9.1899)
- Date
- 1899-09-12
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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1549 wieder belästigen. Ich habe in meiner Tasche einen Betrag, den ich für die Nachhausereise bestimmt habe. Wenn Sie mir sagen, daß ich, sobald meine Lostrennung von Bayern erfolgt ist, mein Dekret erhalte, dann reise ich sofort ab. Können Sie mir das nicht in Aussicht stellen, dann bitte ich sehr, mir das jetzt sagen zu wollen, dann reise ich nicht nach Hause, sondern schicke das Geld meiner armen Mutter." Die letzten Worte waren kaum gesprochen, als sich mit dem hohen Beamten plötzlich eine Aenderung vollzog. Wie ein elektrischer Funke durchzuckte es ihn; das jüdische Gefühl hatte die Oberhand erlangt, und sich kurz besinnend, sprach er: „Reisen Sie ab und kommen Sie — er besann sich ein wenig — heute in vier Wochen wieder zu mir!" Seine Worte zum Abschiede klangen etwas freundlicher; in dcm Herzen K-'s jauchzte und jubelte es. Stand ihm doch das Glück bevor, leine Mutter und feine Braut wieder zu sehen, und wie würden sich beide freuen, wenn sie hören, daß die Brücke bald sich wölben wird, auf welcher Hoffnung und Erfüllung einander die Hände reichen werden. Die Reise wurde unternommen. An dem von dem Oberstudienrath bestimmten Tage erschien K. in der Rcsioenzstadt, um das so lange ersehnte Dekret oder die Aussicht auf baldigen Empfang desselben zu erhalten. Er wollte gerade in die Straße einbiegen, in welcher B. wohnte, als ein anderer jüdischer Lehrer ihm begegnete. „Wo willst Du hin?", fragte er letzteren. „Zu Oberstudienrath B." „Da brauchst Du nicht hin, ich komme von dort, Br. ist nicht zu Hause." Wie vom Schlage gerührt stand K. da, er vermochte kaum ein Wort hervorzubringen. „Also ist auch der Hinweis auf meine arme Mutter spurlos an seinem kalten Herzen vorübergegangen", dachte er. Doch ließ er sich nicht abhalten, zur festgesetzten Stunde bei Br. zu erscheinen, denn er war ja ausdrücklich für diesen Tag beschieden worden. An der Wohnung angekommcn, fragte ihn der Diener nach seinem Namen. Er hatte ihn kaum genannt, als er in ein Zimmer geführt wurde, das einen durchaus jüdischen Charakter hatte. Ganz mit jüdischen Familiengemälden verziert, fehlte selbst die Sabbatlampe nicht. K. hatte kaum Zeit, sein Erstaunen zu unterdrücken, als Oberstudienrath Br. erschien. Bald nachher kam auch ein Herr, der K. als Legationsrath v. Br. vorgestellt wurde. Es ist mir nicht mehr in Erinnerung, welche hervorragenden Persönlichkeiten sich in diesem „jüdischen" Zimmer noch eingefunden hatten. Br. erzählte nun K., daß sein Vater ein sehr frommer Jude gewesen, daß er und seine Brüder durch die Taufe zu hohen Stellungen sich emporgearbeitet haben, daß aber, wenn der Schritt noch einmal zu geschehen hätte, er und seine Brüder denselben unterlassen würden. „Heute haben wir Jahrzeit," fuhr Br. fort, „da versammeln sich alle meine Brüder mit ihren Familien hier in diesem elterlichen Zimmer. Ich bin heute für Niemanden zu sprechen, bin deßhalb auch nicht auf dem Bureau. Sie habe ich zu mir gebeten, damit Sie diesen Betrag in die Synagogenbüchse werfen und für meinen verstorbenen Vater das Kardisch-Gebet sprechen. Dafür empfangen Sie hier aus meinen Händen das lange ersehnte Dekret als Erinnerung an meine Jahrz-üt." pr E n ) e t g e n, Für feen folgenden Thell ist feie Red actio» nicht feer »orKch. eieR-coGNAc: COGNAC HD,« m ÖTvIC , IN ALLEN PR£!SSLAGEN L an wiroERyppiKcyyrcf*, Koscher Weißwein, eigu. Wacksth. Ltr. 40—60 Pfg. Nachn. ob. Ref. Fässer leihw-, 20 Ltr. an, aber fr. zurück. Station angeb. Timon Löv, [lb Edonkoben, Rheinpfalz Brüssel. Institut international Kahn. Fach Mef. lüe neueren Sprachen a. öie galldelsroissellschasten. 174—176 fasse d'Etterbeck — im Park Le'epold gegenüber. Gegründet 1863. GO 4 goldene Medaillen. Erstes Institut dieser Art in Europa. Die neueren Sprach, werd. theor. u. besoud. praktisch erlernt. Die Anweseuh. ein. groß, Zahl frang. u. engl. Zögt, bietet eine mächtige Nachhilfe. Die Handelswissensch. werd. in allen Theilen theor. u. prakt. gelehrt. Nelig. Erzieh. Pflichttreue Aufsicht u. Verpfleg. Viele Hunderte Zögl. dies. Jnstit. nehm. heute glänz. Stellung, in d. Finanzu. Geschäftswelt ein. Aufnahme bis zum 18. Jahre. [5768 und Krankenpflege, gut vertraute alt. Dame (Wittwe) sucht Beschäftig, als Wärterin bei Wöchnerinnen, ev. auch bei Kranken. Prima Zeugnisse und In Referenzen stehen zu Diensten. Off. unt. 1409 an die Gesch. dsS. Bl. Schadchen vorzügl. eingeführt, vermittelt streng discret und reest. Gefl. Off. unt. n. W. 127 an Rud Moste, Würzburg. [284a]