Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-09-12 · Heft 72-73 (12.9.1899) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 72-73 (12.9.1899)
Date
1899-09-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449021--49071-2499490
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Mrthodoxe MuderrthumÄ ARON -2^^ [■OM OSE S v/V tRr. 10. 12. Sept. 1899] K mm mu-j MW* ^aygnTnraro, bim Web Mzchock. Lharakter-L>kizze aus dem jüdischen Familienleben, Von Bernhard Loewenthal. In der K'hille kannte ihn jedes Kind, oen mittelgroßen, schwächlich gebauten Mann mit dem schneeweißen Bart und den qutmüthigen, blauen Augen. Ohne ihn konnte man sich die K'hille nicht denken und ebenso umgekehrt, ihn auch nicht ohne die K'rlle. Sie schienen beide miteinander verwachsen zu sein und er fühlte sich wohl dabei und zufrieden. „Reb Jizchock," hatte ihn einmal der alte Loeser gefragt, „une ist es möglich, daß Ihr aussehr, stets zufrieden und sorglos, trotzdem Ihr doch auch habt eine Stub' voll Kinder, Gott soll sie Euch gesund lassen, und Ihr doch auch nicht seid der größte Kozen? Reb Jizchock hatte sich damals über den Bart gestrichen und lächelnd geantwortet: „Was sogt Ihr Euch, Spaß, seid ihr ein Chochem, geht'S geht'S — es ist gar kein großes Kunststück, zufrieden zu sein — Gott, boruch bu, sorgt und ich arbeite; und hat er mir die neun Mäuler zu gesund gegeben, wird er mir auch helfen, daß sie satt werden. Dieses Gotlvertrauen war unbegrenzt. Stets richtete er seine Gedanken nach oben und noch nie hatte seine Gläubigkeit ihn betrogen. Sein Weib Jitte stand ihm in dieser Beziehung nicht nach. — Wenn die Noch wirklich einmal wieder am größten war und Jizchock nicht mehr ein und nicht mehr aus wußte, wenn er schon im Begr ff stand einen tiefen Seufzer auezustoßen; dann faßte Jitte ihn so recht fest beim Arm und ihn halb zu sich herumdrehend mahnte sie sanft: „Jizchock sündige nicht gegen Gott, er, boruch hu, wird helfen." So wurden auch die Kinder in Ehrfurcht und echter Jüdischkeit erzogen. Awrom, der Jüngste, schien den Vater an Frömmigkeit noch zu übenreffen. Ost noch erzählte ihm die Mutter die Geschichte seiner ersten Krankheit. Awromle war damals 10 Jahre alt. In der Stadt herrschte eine schreckliche Epidemie uno auch der Kleine wurde von der schweren Krankheit befallen. In seinen heftigen Fieberphantasien pst gte er stets Bruchstücke aus der „Schemone-eßreh" zu beten und das „Krischma" zu leinen. In einem unbewachten Augenblick, war er, von der Fieberhitze getrieben, aus dem Bettchen aufgestanden und unbekleidet, wie er war, in den Tempel geeilt. Man brachte ihn nach Hause und von dieser Stunde an war er noch drei volle Wochen ohne Bewußtsein. Eines Tages tratt Jitte wie gewöhnlich an sein Bettchen, um ihm etwas Esten emzuflüßen. Sie erschrack über sein verändertes Aussehen; der Knabe war bleicher denn je, die geschloffenen Augenlider zuckten und die feinen Nasenflügel bebten, „Awromle," sagte Jitte leise und beugte sich über das Kmd, „Awromle, mein' goldene Krön', hörst Du rmch nicht?" Thränen erstickten ihre Stimme und das Mutterherz war schwer und bedrückt. Noch einmal begann

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.