Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 72-73 (12.9.1899)
- Date
- 1899-09-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XL. Jahrgang. Erste Keil. M M 72 & 73 -es „Israelit". Leitender Artikel. ♦raitM 7«i Wie sollen wir zurückkeyren? (Eine Kol Nidre-Abend-Betrachtung.) (Schluß aus dem Hauptblatt.) Der unp 7Q2> heilige Ruhetag, das hehre Bindemittel zwischen Gott und Israel, das Kleinod, welches der Herr uns anempfohlen hat aufs Eindringlichste, durch dessen Behütung er unS auf die Probe stellt, ob wir ihm vertrauen und davon überzeugt und durchdrungen sind, daß er uns trotz unserer Rast von unserem Tagewerk noch speisen kann, wie er ehedem unsere Voreltern in der Wüste mit Manna gespeist hat, der Sabbath, dieses herrliche Kleinod, es wird von einem großen Theile unseres Volkes gar gering geschätzt, wenn nicht gänzlich verachtet. Kalter Materialismus hat oiefes Ideal hinweggedrängt. O, wenn sie noch fühlten die hehre Sabbathweihe; wenn sie noch empfänden, wie wohlthuend es ist, eine heilige Nacht und einen hehren Tag in der Mitte der Familie zu verleben, frei aller irdischen Sorgen, ganz dem Ewigen geweiht und dem erhabenen Geiste, der alles beherrscht. Aber durch den Verlust des Verständniffes der heiligen Lehre haben sie dieses hohe Gut des Sabbaths verloren. Das kostbare Gut, für das unsere Voreltern eine ganze Welt irdischer Güter hingegeben haben, heute hat man es vergeudet. Sclaven bleiben sie, Sclaven ihrer Leidenschaft und Begierde wollen sie bleiben, die Söhne unseres Volkes. Nicht gedenken sie mehr des Auszuges aus Mizraim und alles dessen, was der Herr für sie gethan, und wodurch er sie erlöset hat. Denn der Ruhetag, er ist das Symbol der geistigen Freiheit, das Zeugniß Israels, welches es ablegt für das Dasein Gottes und seiner Allmacht, d^btp uni ivrce» jtdts n'nep sw7! -pro sagt der Midrasch weiter, „Um Jeruschalajim's Willen (durfte der hohe Priester in das Heiligthum eintreten), denn es steht geschrieben n s t dieses ist Jeruscholajim, welches ich in die Mitte der Völker gesetzt habe" (JecheSkel 5, 8) p2ir> vvrs sb es vnb vwb. „Es klebe meine Zunge an meinem Gaumen", so heißt es in den Psalmen, wenn ich Dein nicht denke", (Jeruscholajim). Und so innig liebten auch unsere Voreltern diese Stadt, die vom Ewigen ausersehen war, sein Heiligthum zu bergen: In ihrer geweihten Erde einstens zu schlummern, war die Sehnsucht der Größten und Besten unseres Volkes zu allen Zeilen, und in der Gebete heißem Flehen that sich diese Sehnsucht kund, in Schmerzensseufzer klagten unsere Väter um Zion. Aber eine Generation ist entstanden, die da brechen wollte mit ihrer großen Vergangenheit, w» p*2 der materielle Drang, die Freude am Genüsse galt ihnen mehr, al» der hohe Adel ihrer Geburt und daS hehre Erbtheil der Väter. Für sie gab es kein Jerucholajim mehr, und es fanden sich „Leiter in Israel", die auch hierin den entarteten Söhnen zu willen waren, und ausmerzten die Erinnerung an eine große Zeit und tilgten die Hoffnungen, welche an Zion uns knüpfen. Selbst vor dem Vater im Himmel sollte der von ihm auserwählten Stadt nicht mehr gedacht werden, und aus den Gebeten strich man den Namen Jerucholajim. Und selbst diejenigen, die noch der heiligen Stadt im Gebete gedenken, und die sich sehnen, in ihrem Gebiete zu weilen, sie erfassen doch nicht alle den hehren Gedanken der Rückkehr in dem Sinne, wie er unsere großen Ahnen erfüllte, wenn sie sagten: nm»1? iw nn« nnstn »«2 n nrm >2 „denn du, 0 Ewiger hast sie durch Feuer zerstört und durch Feuer wirst du sie einstens erbauen". Nur durch das volle Vertrauen, daß allein der Herr es ist, der die Zeit bestimmen wird, wenn wir wieder in unser Land zurückkehren sollen, nur durch das in aller Herzen erglühende Feuer für den Herrn und seine un» geoffenbarte Lehre wird jener große Moment der Erlösung vom Ewigen herbeigeführt werden. Und dieses Feuer es flammt nur in wenigen Herzen. v'v2vn DrviK vnb ILM nun „Durch das Verdienst der Stämme (Söhne Jacob'») gelangte der Hohepriester in das Heiligthum", denn e» heißt: rinn und dieses ist es, was ihr Vater zu ihnen redete (1. B. Mof.. Cap. 49, B. 28) so lehrt jener Midrasch. Wo lebt aber heute das Andenken an diese Stämme? Wo ist der Tugendsinn, der einst jene Urväter erfüllt hat, und wie so manche suchen alles unserm Volke Eigenthümliche zu verwischen und gar ihre Herkunft in schmählicher Weise zu verleugnen. Und doch wie standen sie groß da, welch ein Edelsinn erfüllte sie, daß selbst der heidnische Seher, ihr Todfeind Bileam anerkennen mußte, die Reinheit der Sitten unserer Nation und die Lauterkeit ihres Handelns und ausrief : 2pr>'2 px vwy ub „Nichj schaut man Unrecht in Jacob". Da wir uns aber entfernen von unserm Ursprünge, da wir uns verleugnen und in feiger Weise die Fahne Gottes verlassen, da schwindet auch der besondere Schutz, dessen wir uns