Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 72-73 (12.9.1899)
- Date
- 1899-09-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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»L J-Hrga-Ü- M 7»] L tS. it. Ein Hentral-Hrgan für das orthodore Sudenthum Begründet von Dt. Cr^msnn in Qtntni. Der Zsr Dienstag, de« 12. September 5660 (1899). Unsere nächste Nummer, eine Doppelnummer, erscheint Montag, 18. September. Jnseratenannahme bis zum Tage der Ausgabe, Vormittags 8 Uhr._ Leitender Artikel <n2m 7»i Wie sollen wir zurückkehren? (Eine Kol Nidr e-Abend-Bet rachtun g). pVi naS nSa F. Die hehre Nacht des hochheiligen Tages, sie ist hereingebrochen. Ganz Israel versammelt sich in den Wohnungen des Allvaters. In weißen Sterbekleidern, im Gewände der Buße stehen sie vor dem Herrn, Jung und Alt kasteien sich, Sühne und Gnade vom Allgütigen erwartend. Draußen auf den Gefilden lagert ein göttlicher Frieden; des Schöpfers große Werke, der Mond und das Heer der Sterne, sie strahlen ein sanftes Licht aus. die Pfade für die Menschen zu erleuchten und in den Heiligthümern Jacob's glänzen hell die Lichter und erheben sich die Gemüther, Ehre zu geben dem Herrn der Welten. Welch schönes Bild! Ein Bild des wahren Menschen, dessen Hände Friedenswerke verbreiten und dessen Zunge Heil verkündet, dessen Streben dahingeht, die Wege der Mitmenschen zu erleuchten in der Nacht des irdischen Daseins, ihnen Hilfe zu bringen in den Tagen des Leids und der Noth, sie zu geleiten auf den Weg des Rechts und der Tugend. Im Innern aber, in seinem Herzen und Gemüthe, da sprüht ein ewiges, unauslöschliches Feuer, das Feuer des Glaubens und der Erkenntniß, das Feuer des Eifers für den göttlichen Namen und seine Herrlichkeit. Wohlan, in dieser festlichen Stimmung, in welche uns diese erhabene Feier versetzt, da schweift unser Geist in jenen ewigen Sphären, jenen hehren Regionen. In diesen Stunden, da uns alles ans Jenseits gemahnet, heute, da wir angethan sind mit den Kleidern des Todes, da wir die Gebete sprechen, welche uns einstens in den letzten Stunden Hinübergeleilen, da wir der Speise und des Trankes entsagen und die Schwäche des Körpers empfinden werden, heute sehnt sich die Seele nach dem Unendlichen, und sie gedenket ihres ewigen Ursprungs. Und sie sucht Trost und Erbauung in dem Urquell alles Heils und Genesung von allen Gebrechen. Denn ein Tag der Sühne soll ja der Jom Hakipurim sein, ein Tag der Vergebung aller Sünden. Und alles sehnt sich, diese zu erlangen, Gnade zu finden in den Augen Gottes, in dessen Hand unser Leben, aber auch unser Tod liegt. Wie aber finden wir Sühne, eine Vergebung, wie Heil? Wie werden wir uns der Hoffnung hingeben können, den Schutz des Höchsten zu erlangen? Wohlan, die Haphtora des morgigen Tages, sie ruft es uns zu. Sie giebt uns den Grün) unseres Vergehens an, sie lehrt uns erkennen die Wurzel unseres Uebels. Und sowie der Arzt, wenn er des Leidens und der Krankheit Erzeuger erkannt, in den Stand gesetzt ist und sich bemüht, auf das richtige Heilmittel zu sinnen, so können auch wir, wenn wir unsere Fehler erfahren, forschen und streben, solche auszumerzen und in lauteren Wegen zu wandeln. Da heißt es nun (Jeschajah 57,17): ins» ’naxp im pya vb T-ö aaw sprpw -inen „Um die Missethat seiner Gewinnsucht zürnte ich und schlug es, mich abwendend, und zürnte; denn es ging abtrünnig den Weg seines Sinnes". O, wie beschämen uns die Vorwürfe unseres Vaters, unseres irdischen Vaters, wenn er uns unsere Fehler vor Augen führt und