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Der Israelit · 1899-09-08 · Heft 71 (8.9.1899) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 71 (8.9.1899)
Date
1899-09-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XX. Jahrgang. M *1 Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das ortyodore IudenLhum Begründet von Dr. in nftiitf. Freitag, de« 8. September SS6V (t»SS). Unsere nächste Nummer, eine Doppelnnmmer, erscheint Dienstag, 12. September. Inseraten«nnahme bis znm Tage der Ausgabe, Vormittags 8 Uhr. Leitender Artikel. Wie Uerehrms des inraens. ‘»-na ran Kip« 'n ne» '2 F. Die hehre, heilige Zeit, welche das Herz eines jeden pietätvollen, wahren Jehudi, im Hinblick auf ihre erhabene Bedeutung und die Schwere unserer Verantwortlichkeit, mit Andacht, und Wehmuth, aber in Anbetracht des für uns zu erstrebenden und zu erwartenden Heiles auch mit Hoffnung und Freude erfüllt, wir stehen wieder mitten in ihr. Schon seit Mondesfrist ertönt in den Synagogen der zitternde, schrille Ton des Schofars, die Gläubigen versammeln sich schon in den frühesten Stunden zu innigem Gebete, und die soeben dahingegangenen folgenschweren Tage des Rosch-Haschonoh, sie lenkten durch ihren Posaunenruf und ihre weihevollen Andachtsübungen vollends Sinn und Gedanken, Geist und Gemüth des gegen die uralte, gottgeoffenbarte Religion nicht ganz Gleichgültigen oder gar Abtrünnigen, von den materiellen Beschäftigungen und Bestrebungen ab und erheben die Herzen zum ewigen Schöpfer, zu unser aller gütigen Vater dort droben. Und wenn der fühlende Mensch sieht seine Brüder dastehen in den weißen Gewändern des Todes und hört die alten ehrwürdigen Gebete verrichten und die tiefinnigen seltsamen Melodien, die schon vor undenklich fernen Zeiten die Väter und die Mütter, welche jetzt schon längst der Rasen deckt erbaut haben; so wird er, des eitelen, nichtigen Tandes vergeffend, seinen Blick gen Himmel richten und eingedenk dessen sein, daß auch einstens eine Zeit kommt, wo er abberufen wird und das Diesseits verfassen muß. Und darum wird er gewiß einen sorgenden, prüfenden Blick auf sein Leben und dessen Zwecke werfen und sich selbst fragen: Was hast du bis jetzt gewirkt auf dieser Erde? Wohin führt dich dein Treiben und was wird dein Ziel sein? Und eines beängstigenden, ahnungsvollen Gefühles wird er sich nimmer erwehren können, da» Gewissen wird in ihm wach, und eine Sehnsucht nach Trost und Befriedigung überkommt ihn. Da aber ist es dem Menschen ein köstlicher Balsam der Freude und der Hoffnung, wenn er die Botschaft vernimmt, daß es eine ewige Barmherzigkeit gibt, daß huldvolle Gnade geübt wird, vermöge deren Heilung zu finden ist für die Gebrechen der Seele, und die uns einer glücklichen Zukunft entgegenführt, wenn wir unser ganzes Vertrauen auf den Ewigen setzen und bei ihm Schutz suchen. Und wie das Kind, welches entfernt ist von dem Hause seiner lieben treuen Eltern, von Heimweh erfaßt wird, wenn es der trauten Heimath und seiner Angehörigen denkt, sich aber namenlos freut, wenn die Stunde schlägt, die es zurückführt in den Schooß der Seinigen; sowie die Brust des Schiffbrüchigen, der Tage und Nächte hindurch, den Tod vor Augen, auf den Ueberbleibseln seines Fahrzeuges den wilden, unheimlichen Wellen preisgegeben war, wonnig durchbebt, wenn er ein Fahrzeug erschaut, das ihn rettend aufnimmt, oder himmelauf jauchzen möchte, wenn er den sicheren Port, wenn er das sichere Land erblickt: so wird der fromme Jehudi, dessen Auge und Ohr für die ewige Wahrheit geöffnet ist, von Hochgefühl erfaßt, wenn die Zeit herankommt, da er mit seinen Brüdern im Gebete zum Höchsten sich vereinigen kann und Versöhnung mit Gott dem Herren alles Seins, erflehen und erwarten darf in fester Zuversicht. Wahrlich, dieses Hochgefühl, wenn eS ch bemerkbar macht im heißerglühten Herzen des guten, edlen 3796

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