Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 70 (4.9.1899)
- Date
- 1899-09-04
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 2× ep/1046078
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144 mm auf ein Feldlager versetzt. Ausgeschirrte Pferde. Rasseln der Schellen, ausgebreitete Fellahs auf der Erde, Wirthe, im Begriff ihre Küche vorzubereiten , Leute damit beschäftigt, ihr Bett aufzuschlagen, all’ das bietet sich einem zuerst dar. Endlich gelangen wir an die Thüre eines von zahlreichen Lichtern erhellten Bauwerks. Einige Tausend Personen sind mit der Einfriedigung beschäftigt. Man ist betäubt von dem Geschrei und den Gesäugen der Anbeter des Rabbi Schimeoo Diese führen zu gleicher Zeit Schwindel erregende Tänze auf. An der Längenseite der ^Bauwerke sind Gichtbrüchige, Gelähmte und Blinde niedergekauert; man könnte von einem Lourdes des Judenthums sprechen. Nach einem Besuche trat ich in ein Erdgeschoss ein, dessen Zutritt nur Privilegirten gestattet ist; das ist das Grab des Rabbi Schimeon. Zwei Gensdarmen, die für diesen Abend von der jüdischen Gemeinde von Safed gemiethet sind, schliessen die Thüre hinter mir. Das Grab, ein gewöhnliches Kaikmauerwerk, ist von kleinen Lichtern beleuchtet. Einige Pilger beten auf dem Grabe. Rings herum auf der Erde sitzen Greise, die in frommer Andacht den S o h a r lesen, das berühmte kabbalistische Werk, das dem Rabbi Schimeon zugeschrieben wird. In diesem Augenblicke sah ich einen Mann am Grabe kratzen. Er setzte mir auseinander, dass dieser - heilige Staub jegliche Art von j Krankheit heilen könnte. Als man darauf auf die Terrasse des Gebäudes kam, zeigte sich ein anderer Anblick. 4000 Menschen — Männer, Frauen und Kinder — befanden sich auf dem umgebenden Gefilde. Eine grosse Begeisterung erfasste die Menge, als alte Leute rings um das Feuer sich schaarten, einen mystisch-religiösen Tanz aufführten und den Ruhm des Rabbi Schimeon besangen. Die frommen Frauen ihrerseits warfen in das Feuer Busen- und seidene Halstücher, kostbare Stoffe und goldene Kleinodien, um die Gunst des Heiligen zu gewinnen. Die ganze Nacht fühlen sich Tausende von Menschen von den vielen Lichtern und den heiligen Gesängen der Tänzer wie bezaubert. Am anderen Morgen wohnt man einer anderen, eigentümlichen Feier bei. Nahe bei dem Grabe des berühmten Rabbi schneiden die Mütter zum ersten Male den Kindern von 3 bis 4 Jahren, die bis dahin Nasirim waren, die Haare ab. Dieser Augenblick wird von den Müttern mit Ungeduld erwartet. Was die Freude krönt, ist, dass die Mütter die Verwandten und Freunde der Familie bitten, eine Locke den Kleinen abzuschneiden. Diese Feierlichkeit endet dann mit allen möglichen Lustbarkeiten. Diese Kinder werden reich kostümirt, schön frisirt, und in Seide und gestickte Borten Wirkerei gekleidet. Dazu erhält jedes Kind noch eine brennende Kerze. Auf ein gegebenes Zeichen hin setzt . sich Alles in Bewegung; der Rest des Tages | wird mit Essen und Trinken hingebracht. Am Abend kehrt man nach Safed zurück, mit dem Versprechen, im nächsten Jahre das Fest noch einmal mitzumachen. p| Nur auf diesem Wegei 1!an:n r-oisD njBfr fk ” T T TT : W Allen theueren Freunden, allen liebwerthen Bekannten p in der Nähe und Ferne wünseht aus Herzensgrund ein recht glückliches neues Jahr Familie Dr. A. Salvendi. Druck der Job. Wirt h’schen Hofbucbdruckerei Actien-Gesellsehaft, Mainz.