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Der Israelit · 1899-09-04 · Heft 70 (4.9.1899) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 70 (4.9.1899)
Date
1899-09-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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L1-. Achrgmig. Ml Der Asraelit Ein Aenlral-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. vegründet von »t in tKt«tn} Montag, den 4. September 5V59 <l«99). Des heil. n"-, Festes wegen erscheint unsere nächste Rümmer s. G. w. Freitag, 8. Sept. Leitender Artikel. Rosch-Haschonoh. S. Der Schofarschall stimmt uns ernst, zur Weihe, zur Andacht, er macht vibriren und erbeben die Saiten unsere» Heizens, vh mm toc iw *prro vrrn, er facht an den glimmenden religiösen Funken in unzur lodernden Flamme und erweckt das schlummernde Gefühl der Gottesfurcht. Der Tag des G e d e n k e n S und der Erinnerung, der snmn ar, er läßt uns gedenken der Mühen und Sorgen, der Kümmernisse und Drangsale, der Enttäuschungen und zerstörten Hoffnungen, die den Einzelnen besonders und unser arme- Volk insgesammt im verflossenen Jahr getroffen haben. Der Tag des Gerichtes, der prt on mahnt uns an die Hinfälligkeit und Nichtigkeit alles Irdischen, aller menschlichen Größe und Herrlichkeit. Nicht wir find die Herren unseres Geschickes, nur Gott allein bestimmt unser Loos, wer leben, wer sterben, wer in Dürftigkeit, wer in Wohlstand, wer geachtet, wer geringeschätzt sein soll. Des Menschen Geschick gleicht (nach dem Midrasch) dem Eimer an der Wafferquelle, bald ist er gefüllt, bald wieder leer; bald bietet er wie die Natur in dieser Jahreszeit ein Bild der Schönheit, der Ueppigkeit, der Fülle und des Reichthums, nach kurzer Zeit wieder wandelt sich dieses Bild wieder in trostlose Düsterkeit, in Trauer und Todesschatten. Man nennt den beständigen Wechsel im menschlichen Geschick — Zufall. Aber nichts ist Zufall. Alle« was ist, geschieht durch Gottes Wille. Allebestimmt vorher die göttliche Vorsehung, da- Kleinste wie das Größte. Einst wurde ein Weiser in Israel gefragt, womit sich eigentlich der li^öe Gott die Zeit vertreibe und was Seine Beschäft' y ig sei. Er antwortete scherzend: der liebe Gott r che Leitern und verfertige Stufengänge, den Einen .äßt Er hinauf-, den Andern hinabsteigen, der Eine erhebt sich zu den Höhen deS Glückes und der Vollkommenheit, der Andere steigt hinab in die Tiefe des Verderbens. Allegöttliche Bestimmung. Der Rosch-Haschonoh erhebt uns aber auch aus der niedern Sphäre unseres Selbst zu den lichtvollen Höhen der allumfassenden Gottheit. Er erinnert un», daß er der erste Tag der SchöpfungSzeit war drv rtmS piwn, daß mit ihm da» große Schöpfungswerk begann oSu? mn ein, daß Gott an diesem Tage sprach: ES werde Licht. Der Rosch - Haschonoh lehrt uns mithin den Glauben an Gott als W e l t e n s ch ö p f e r, den Glauben, der so einfach ist, den die Vernunft lehrt, den die Natur predigt. Der Rosch-Haschonoh lehrt uns, daß Gott allwissend und allgegenwärtig ist. b- H» 'x '-6 nnjiDn Tan ttdSjw „Vor Ihm sind alle Geheimnisse offenbar, ist alles Verborgene enthüllt." Er ist der Inbegriff aller Vollkommenheit. Der Rosch-Haschonoh lehrt die Gerechtigkeit GotteS. Er ist der Weltenrichter, vor Seinem Richterthron erscheinen alle Wesen, alle Weltgeschöpfe am ensVw mr vvew2 Tor. Bei Ihm ist Lohn und Strafe. Er richtet nach Recht und Gerechtigkeit. Frellich sehen wir oft die Macht der Lüge über die Wahrheit, daß die Ungerechtigkeit und das Laster da» große Wort führen, während die Unschuld und die Tugend verstummen müssen; wir sehen oft die Frevler und die Gottlosen rm Besitze der Herrschaft über die Frouunen und Gerechten.

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