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Der Israelit · 1899-08-31 · Heft 69 (31.8.1899) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 69 (31.8.1899)
Date
1899-08-31
Page
– (sequence 17)
Language
German
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3ÜL. Jahrgang. Zweite Leüage M M 69 des „Israelit". Zettungsnachrlchte» und Torresponvenzen. Deutschland. Borkum, 18. Aug. Ein Nichtjude schreibt der „F. Z." Daß „Borkum" ein „judenfreies" Seebad ist, wird in weiteren Kreisen bekannt sein, nicht aber, daß der Antisemitismus auf B. geradezu als Sport betrieben wird und die wunderlichsten Früchte zeitigt, denn sonst würden sich Christen, die antisemitischen Bestrebungen fern stehen, nicht durch die angepriesenen Vortheile des Borkumer Badelebens bestimmen lasten, dieser Insel einen Besuch abzustatten. Die auf B. herrschenden Zustände verdienen eine gründliche Beleuchtung, ich beschränke mich jedoch darauf, zu konstatiren, daß auch der Christ auf B. Widerwärtigkeiten ausgesetzt ist, wenn es einer Schaar antisemitischer Schreier beliebt, in ihm einen verkappten Juden zu wittern. Meine jüngst in dieser Richtung gemachte Erfahrung will ich der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten. Vor einigen Wochen kam ich mit mehreren Familien-Angehörigen nach B. und nahm in Bakkers Strandhotel Wohnung. Die antisemitischen Gespräche mit Tischnachbarn sowie das allabendliche in der Giftbude veranstaltete Absingen antijüdischer Schmählieder nach den Klängen des Kurorchesters ließen mich bald erkennen, welch' begehrenswerthe Gesellschaft sich auf B. ein Stelldichein gibt. Bei solcher Zusammensetzung des Bade-Publikums wunderte es mich auch nicht weiter, daß wir von mehreren Hotelgästen für Juden gehalten wurden. Das konnte mir gleichgültig sein, so lange wir unbehelligt blieben, ebenso, daß wir von Leuten, mit denen wir zu Beginn unseres Aufenthaltes Begrüßung wechselten, mit einem Male gemieden wurden. Jedem Thierchen sein Pläsirchen. Ich hielt es nur für nöthig, den Wirth über den Jrrthum seiner lieben Gäste auszuklären, ohne daß dieser bei der Strömung, die, wie er sagte, nun 'mal in B. vorherschend sei, irgend welche Schritte in unserem Interesse unternahm. Jndeffen sorgten diejenigen, die uns zum Zielpunkt ihrer gehässigen Verfolgung gemacht hatten, für möglichste Verbreitung ihrer erfundenen Behauptung. Meine Angehörigen wurden am Strand von Badegästen belästigt und insultirt. In öffentlich angeschlagener Bekanntmachung verkündete man die „Thatsache", daß sich in Bakkers Strandhotel Juden eingenistet hätten und drohte dem Wirth mit Boykott wegen Begünstigung jüdischen Einbruchs. Unterzeichnet war dies Machwerk: „Die Kommission der Juden-Abwehr." Das war mir denn doch zu bunt und ich zog vor, mit meinen Angehörigen abzureisen. Die Freude über diesen Entschluß gab man uns durch allerliebste anonyme Postkarten zu erkennen. Zur Charakterisirung der Zustände in Borkum lassen wir dieser Einsendung ein Schreiben folgen, das der „Köln. Ztg." zugegangen ist: „Von Borkum nach Hause zurückgekehrt, übersende ich anbei das „Borkumlied" und das „neueste Borkumlied", die nach der Melodie „Hipp hipp Hurrah" in Borkum beinahe allabendlich in den Restaurationsräumen des Strandhotel Köhler oder Kaiserbof gesungen und von den beiden in diesen Lokalen spielenden Kapellen offiziell vertrieben werden. Vorzugsweise ertönt das „ältere Borkumlied" mit seinem hinausgeschmetterten Hauptruf; „Er muß hinaus, er muß hinaus!". Auf meine Pfuirufe wurde ich von allerdeutschesten Deutschen aufgefordert, mit dem nächsten Dampfer Elias Kohn (!) Borkum zu verlassen und nach Norderney überzufahren; Borkum sei nur für die Deutschen, Juden würden nicht geduldet. Ich halte das Absingen derartiger antisemitischer Hetzlieder thatsächlich für einen groben Unfug, rufe aber weder nach Obrigkeit noch Polizei, würde es vielmehr für viel richtiger halten, wenn im nächsten Jahr eine größere Anzahl wirklich anständig gesinnter Badegäste das schöne grüne Borkum besuchten, um aus eigener Initiative des Bürgerthums dieser wüsten antisemitischen Agitation ein Ziel zu setzen." -0.- Aus Unterfrankerr. (Synagogeneinweihung Oberelsbach.) Mit Schmerz denken wir noch zurück an den uns unvergeßlich bleibenden Kol-nidre- Abend des Jahres 1895, an welchem einer furchtbaren Feuersbrunst fast 4/5 des Ortes Oberelsbach zum Opfer fielen, darunter die Wohnungen fast aller Israeliten sammt ihrer Synagoge. Nrchdem die einzelnen Familien wieder ihre Wohnungen aufgebaut hatten, trafen sie auch Vorbereitungen zu einem Synagogenbau. Da die kleine, nur aus 12 Familien bestehende CultuSgemeinde unmöglich aus eigenen Mitteln ein würdiges Gotteshaus aufführen konnte, so wurde ihr durch die Huld der hohen StaatSregierung eine Landeskollekte bewilligt, die leider nicht die erhoffte Summe einbrachte. Da sich später doch noch edle Spender zur Gewährung höherer Beiträge fanden, darunter der Landesverein in Bayern, ferner ein kürzlich in Rew-Pork verstorbener Millionär, namens Rhöner, gebürtig aus Haselbach am Fuße des Kreuzberges, so konnte der Bau diesen Sommer vol» lendet werden. — Trotzdem verbleibt der kleinen Ge-

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