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Der Israelit · 1899-08-28 · Heft 68 (28.8.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 68 (28.8.1899)
Date
1899-08-28
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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1465 speziellem Interesse, ein Verderbniß unserer Zeit, aber sie wird nicht mehr schaden; denn sie hört auf und verschwindet." Dann frug der Großherzog nach der Zahl der jüdischen Gotteshäuser in Berlin und erzählte: „In Amsterdam habe ich mit der Grobherzogin die große Synagoge bcsucht, wobei wir mit vielem Interesse die alljüdischen Gesänge gehört haben." Hier erbat ich mir die Erlaubniß, bemerken zu dürfen, daß diese Synagoge wie die zu Livorno, zu den größten jüdischen Gotteshäusern gehören, wie letztere, besonders an den Haup'.festen, betende Juden aus drei Ectheilen zeige, den afrikanischen Juden mit feinen, Burnus, den asiatischen mit seinem Fez und der europäischen Juden im Frack. Der Großherzog sagte hierauf: „Auch in der Synagoge zu Amsterdam habe ich ei» Art Burnus bemerkt, den der Borbeier mit golddurchsticktem Streifen trug (r>^v) und vier Personen hoben die Ges.tzrolle in die Höhe. Auch die Diamantschleifer m Amsterdam haben unsir Interesse erregt; sie sind brave und fleißige Arbeiter, intelligente Menschen." Dann sprach der Großherzog von den beiden Synagogen in Karlsruhe, von der neuen Synagoge in der Stadt Baden, welche wegen den fremden Glaubensgenossen erbaut worden ist, die dorthin kommen und für die das bisherige Gotteshaus nicht ausreichend war. Zugleich ging er auf die guten und geordneten Verhältnisse der Judenschaft seines Landes über, wobei ich bemerken durfte, daß ich seit drei Jahren, wo ich St. Moritz besuche, Gelegenheit habe, von den mitanwesenden Rabbinern Dr. Appel in Karlsruhe und Dr. Löwenstein in Mosbach eingehende und erfreuliche Mittheilungen hierüber zu erhalten. Hierauf erkundigt sich der Großherzog theilnahmsvoll, wie d<-, Aufenthalt in St. Moritz auf mich heilsam wirke, und indem er sich erhob, bemerkte er huldvoll: „Entschuldigen Sie, Herr Doktor, ich fürchte, ich habe Sie bereits zu lange hingehalten." Ich durfte r»och das Gebet hinzufügen, „daß Gott oie Lebenstage Ew. Königlichen Hoheit verlängere" und versichern zu dürfen, daß diese Stunde zu den schönsten Erinnerungen meines Lebens gehören werde. Der Großherzog reichte mir dann die Hand, entließ mich mir dem Wunsche für ein gesundes Wiedersehen und wiederholte diesen Wunsch, als er mich einige Minuten später unten nochmals zufällig erblickte. Die Audienz hatte fast 9/4 Stunden gedauert. — Ihr Dr. A. Berliner. Berlin. lieber den Militärdienst der jüdischen Volksschullehrer hat der preußische Kultusminister eine bezügliche Eingabe erwidert: „Auf die Eingabe vom 8. Juli d. I. erwidere ich dem Vorstand, daß es bei der bisherigen Einrichtung, nach welcher ausschließlich die staatlichen Lehrerseminare berechtigt sind, ihren Zöglingen nach bestandener Abgangsprüfung die wiffenschastlicke Befähigung zur Erlangung der Berechtigung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst zuzuerkennen, sein Bewenden haben muß. ge-. Bosse/ Da cs jüdische Seminare, die vom Staat unterhalten werden, nicht gibt, sondern sie sämmtlich private Anstalten sind, so weiß die jüdische Lehrerschaft jetzt, woran sie ist. Der Verbandsvorstand der jüdischen Lehrerseminare wird nun zunächst sich an den Reichskanzler wenden. Der „N.-Z." wird hierzu geschrieben: Mit diesem Bescheide ist der Kultusminister formal durchaus im Recht. Die jüdischen Lehrerbildungsanstalten haben privaten Charakter; sie werden von den jüdischen Gemeinden unterhalten. Die Vergünstigung ist eben nach dem entsprechenden Erlasse den staatlichen Lehrer-Seminaren Vorbehalten. Sachlich giebt aber die Entscheidung des Kultusministers zur Kritik Anlaß. Die Berechtigung, Zeugnisse über die Befähigung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst auszustellen, wird nämlich nicht ausschließlich öffentlichen Lehranstalten ertheilt. Es haben diese Berechtigung auch eine Reihe von Privatlehranstalten Das letzte Verzeichniß der berechtigten privaten Anstalten enthält 19 Schulen, die sich auf acht preuß. Provinzen verlheilen. Diese privaten Anstalten dürfen Befähigungszeugniffe auf Grund des Bestehens einer unter Leitung eines Regierungskommissars abgehaltenen Entlassung-Prüfung ansstellen, insofern für diese Prüfung die Prüfungsordnung von der Aufsichtsbehörde genehmigt ist. Man muß billig fragen, warum die UnterrichtSverwaltung sich nicht dazu versteht, die jüdischen Lehrerbildungsanstalten unter die berechtigten Privatansialten einzureihen. Dann wäre die sicher nicht begründete Benachtheiligung der jüdischen Lehrerbildungsanstalten ausgeglichen. Oe sie rr. -Ungar. Monarchie. Wien, *7. August. Die Krakauer Reforma berichtet: Der Pariser Antisemitenführer JuleS Gubrin ist hier als ein Jndustrieritter erkannt, der vor mehr als zehn Jahren in Galizien Schwindeleien getrieben hat. Er kam 1887 nach Galizien und kaufte Namens einer neu gegründeten „Soc Jules Gubrin in Paris" vom Reichsraths-Abgeordneten Grafen Adam Skrzynski Naphtha-Terrains bei Libusza, Bezirk Reufandec, für 300/ 00 Francs. Guörin richtete sich im Gutshof Libusza sehr luxuriös ein, bezog theuere Möbel, Teppiche, Silbergeräthe durch Krakauer Kaufleute auf Credit. Die Bohrungen auf den Naphtha- Terrains betrieb er aber nicht ernstlich, sondern nur zum Schein. Als die Gläubiger dringend die Zahlung verlangten, verschwand Guecin mit den unbezahlten Maaren. Die Gläubiger wendeten sich erfolglos an die Soc.ets Jules Guecin in Paris; diese erklärte, ihre Geschäftsbücher feien durch »irm

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