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Der Israelit · 1899-08-28 · Heft 68 (28.8.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 68 (28.8.1899)
Date
1899-08-28
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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1464 Aettrmg-mschrichte« ««d Esrrespottvenre«. Deutschland. Berlin, 25. August. Verehrter Freund! Sie wünschen von mir einen authentischen Bericht über die Audenz, zu welcher der Großherzog Friedrich von Baden am 25. vorigen Monats in St. Moritz mich befohlen hatte. Sie ersuchen mich hierbei um alle Details, welche, wie Sie glauben, in diesem so seltenen Falle, ein besonderes Interesse gewähren. Wenn ich nun Ihrem Wunsche entsprechen will, so werde ich nicht vermeiden können, in gewissem Sinne persönlich zu werden, d. h. auch von mir und der huldvollen Ehrung zu sprechen, welche ich selbst in dieser Audienz erfahren Habel: Am 19. v. M. traf ich auf einem Spaziergange am einsamen Waldrande den Großherzog in Begleitung des Geheimen Legationsrathes Babo. Der ehrfurchtsvolle Gruß, den ich dem Fürsten, als ich in dessen unmittelbare Nähe gekommen war, entbot, wurde von demselben aufs huldvollste erwidert. Hierdurch fühlte ich mich ermuthigt, einige Stunden nachher „dem Fürsten, dem die Herzen so Vieler im deutschen Vaterlande voller Liebe entgegenschlagen", mein Buch: „Geschichte der Juden in Rom", zu übersenden und um die Aufnahme desselben in Dero Bibliothek zu bitten. Einige Tage nachher, am 24. Abends ließ mir der erwähnte Geheimrath melden, Se. Hohheit der Großherzog wünsche, am folgenden Tage, um 12*/» Uhr, in besonderer Audienz mich zu empfangen. Ich fand mich rechtzeitig ein, hatte aber den Eingang, den ich eigentlich von der Hinterseite des Hauseaus zu nehmen hatte, verfehlt, und so kam ich direkt in das Zimmer des Großherzogs, der sich sofort vom Schreibtische erhob und sich entschuldigte, daß er bedeckten Hauptes bleibe und den Diener rief, daß er mich nach dem oberen Gemache führe. Hier wartete ich etwa lU Stunde — da trat der Großherzog ein, und ohne meine Verbeugung abzuwarten, mich sofort mit den freundlichen Worten begrüßte: „Sie haben mir mit Ihrem schönen Buche eine große Freude bereitet, ich danke Ihnen herzlich dafür", wobei er mir die Hand reichte. Ich begann mit Worten: „Ew. königlische Hoheit wollen geruhen, mir zu gestatten, daß ich für einen Augenblick mein Haupt bedecken darf, um den religiösen Segen sprechen zu können. Ich sprach hierauf den Segen zuerst hebräisch und dann in deutscher Uebersetzung, worauf der Großherzog, mit Aufmerksamkeit den vorgetragenen Worten .folgend, sagte: „Ich danke Ihnen, Herr Dr." und, indem er sich auf's Sopha setzte lud er mich ein, auf dem Sessel ihm dicht gegenüber, Platz zu nehmen. „Sie haben 2050 Jahre der Geschichte behandelt, woher haben Sie Ihre Materialien genommen?" Der hierauf gegebenen Darstellung von meinen italienischen Forschungen, die im Anfänge von der deutschen Staatsregierung materiell und vom Reichskanzler Fürsten Bismark durch eine Empfehlung an die italienische Regierung unterstützt wurden, schenkte er besondere Aufmerksamkeit, und luchte durch eingestreute Fragen eine nähere Kenntnis zu gewinnen. Hierauf sprach er zu mir über Georg Ebers Forschungen, wobei er mir seine persönliche Bekanntschaft mit Ebers schilderte und hierbei an mich die Frage richtete, ob ich vielleicht ebenfalls bereits am Sinai gewesen sei. Dann erkundigte er sich nach meinen Personalien, und war erstaunt zu hören, daß ich mit unseren! Rabbiner-Seminar zugleich bereits das 25jährige Jubiläum jüngst gefeiert, ließ sich mittheilen, daß die Anstalt gegenwärtig 55 Hörer aus den verschiedenen Theilen Deutschlands zähle, daß einige derselben auch im Badischen als Rabbiner fungieren, und daß unter den fünf Doeenten, die am Seminar lehren, auch ein Badenser sei, nämlich Professor Jacob Barth aus Flehingen. Er frug mich hieraus nach dem Breslauer Seminar, das ihm durch Jakob Bernays in Erinnerung war; ich nannte ihm auch die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin, und mußte ihm am Schluffe die conservative Tendenz, welche unsere Anstalt vertritt, näher darstellen. Ganz außer dem Zusammenhang ,mg der Großherzog hierauf an, von der zionistischen Bewegung in unseren Tagen zu sprechen, „die Sie sicher kennen, wie auch den Führer derselben, Dr. Herzl ein edler Mann, der ohne alle Selbstsucht, aus ixn reinsten Motiven, an die Spitze dieser Bewegung sich gestellt hat. Sie wird ja allerdings noch viel verbessert werden müssen; sie bedarf daher einer kräftigen Unterstützung — und sie ist auch derselben werth —, damit sie in die richtige Wege gelenkt werde. Leider hat man in Konstantinopel noch nicht das rechte Verständniß hiefür; hoffen wir aber, daß dorthin bald mehr Licht dringen werde. Sie mißverstehen mich nicht, Herr Doktor; für unsere deutschen Juden braucht man solche Zufluchtsstätten nicht zu schaffen. Aber dort im Osten und Norden, wo nicht Ihre Glaubensgenossen allein, sondern auch evangelische Christen in gedrängter Lage sich besinden —." Hier nahm der Großherzog Veranlassung, von den Juden Deutschlands in den ehrenvollsten Ausdrücken zu sprechen und hierbei zu sagen: „Sie wissen Herr Doktor, wie sich auch in unserem Vaterlande eine gewisse Partei zusammengethan hat, um sich politisch aufzuspielen, aber nur aus Eigennutz und

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