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Der Israelit · 1899-08-24 · Heft 67 (24.8.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 67 (24.8.1899)
Date
1899-08-24
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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1430 dort recht bald Betrachtungen über den geplanten und fest vereinbarten Synagogenbau — der durch nichtige Proteste einiger Föderalisten bei dem Gemeindevorstande, nicht über das Papier hinauskommt, einzusenden. Meine Absicht dabei wäre nur, zur Förderung der wichtigen Sache beizutragen. H. B. ZeiturrgSnachrichte« und Correfporrdenzerr Deutschland. -1- Kovlenz, 23. Aug. Ich hätte gewiß unterlaffen, Ihnen über die für jeden Antisemiten herzerfreuenden Zustände in unserer Gemeinde zu berichten, wenn nicht von anderer Seite eine Veröffentlichung ftattgefunden hätte, die gerade demjenigen, dem sie nützen sollte den größten Schaden zugefügt hat. Die Vorgänge am hiesigen Platze interessiren auch im Allgemeinen die Leser des „Israelit" nur wenig. Sie bieten das gleiche, traurige Bild aller derjenigen Gemeinden, aus denen das wahre Judenthum schon seit Dezennien entflohen ist: eine Anzahl reickgewordener vom Lande hereingezogener Kaufleute donumren in Vorstand und Schule und bewegen sich in der ungebundensten und ausgelassensten Weise. Da ist nichts von den „Errungenschaften" des sinkenden Jahrhunderts, das hier nicht im vollen Umfange zur Geltung gebracht worden wäre. Orgelklang und Weibersang, Beten ohne Tallis, Leinen ohne Neginoth sind noch das Wenigste. Der seitherige Rabbiner Herr Dr. Singer, ist einer der verbissensten und gefährlichsten Gegner des gcsitzesireuen JudenthumS, einer von jenen Ungarn, die früher fromm, später aus der Kutte gesprungen sind, und wer sich seiner schamlosen Artikel in der „Israelitisch n Wochenschrift" zu Berlin erinnert, wird gewiß darin mit mir übereinstimmen, daß diese Zeichnung des Herren nicht zu scharf ist. Der Grund zu seiner Verjagung, denn nur so kann man die Form, in der er entlasten wurde, nennen, ist demgemäß auch auf einem ganz anderen Gebiete, als auf dem, eines etwaigen Streites zwischen Orthodoxie und Neologie zu suchen. Solche Streitereien haben hier längst aufgehört, und sie dienen höchstens zum Vorwand der Kämpfenden, um sich gegenseitig eins herunterzuhauen. Nein, wenn man dem Herrn Dr. einen Vorwurf machen kann, so war es höchstens der, daß er nicht Diplomat, nicht Politiker genug gewesen, um es allen seinen Herren Vorgesetzten recht zu machen. Oder hat er sich vielleicht zu viel um Politik gekümmert? Wir misten es nicht. Klüger hätte der Herr jedenfalls gethan, wenn er bei der vor einiger Zeit erledigten Stelle des Vorstandes sich um die Neuwahl nicht bemüht hätte, denn damit hatte er sich auf die Seite einer Partei gestellt, die schließlich unterlegen ist. Die Gemeinde hatte sich nämlich bei der Neuwahl in zwei Parteien gespalten, an deren einen Spitze der Rabbiner, an deren anderen der Herr Cantor stritt und die sich gegenseitig auf das Wüthendste bekämpften. Nachdem nun die Partei des Herrn Cantors den fchließlichen Sieg davongetragen, mußte der Herr Rabbiner das Felo räumen. Ein Anlaß zur Kündigung war bald gefunden. Eine Richtjüoin, Braut eines Juden, die sich für Geld und gute Worte von dem Herrn Rabbiner in den Bund Saras (so sagte sie nämlich) aufnehmen lasten wollte, lebte zu diesem Zwecke seit einiger Zeit in dem Hause des Letzteren, damit dieser mit der nöthigen Muße und mit dem nöthigen Klimbim, wie wir ihn aus der jüngsten Versammlung liberaler Rabbiner kennen, das „Geschäft" besorgen könne. Da erhielt der Herr Rabbiner eines Tages von seinem Vorstande einen Einschreibebrief des Inhalts, daß wenn die „Christin" nicht innerhalb 24 Stunden aus seinem Hause entfernt würde, er dieses Schreiben als Kündigung betrachten möge. So schnell konnte aber die „Christin" ihre Sachen nicht packen, und das Schifflein des Herrn Rabbiner, das, um mit Wippchen zu reden, schon längst auf einer schiefen Ebene schwamm, saß plötzlich auf dem Trockenen. Dieselbe Gemeinde, die sich vor noch nicht langer Zeit darüber aufregte, daß der Herr Dr. einem Schochet auf dem Lande verbot, am Sabbat zu schächten, diese selbe Gemeinde wurde plötzlich in religiöser Beziehung so gewiffenhast, daß sie die Thatsache, daß der Herr Dr. eine Nichtjüdin, die nicht aus Ueberzeugung überzutreten beabsichtigte, in das Judenthum ausnehmen wollte, als Kündigungsgrund benutzte. Was halfen nun dem Herrn Dr. seine großen, gesellschaftlichen Talente, was nützte es ihm, daß seine Frau Gemahlin am Sabbatmorgen in der Synagoge so wundervoll sang, um nach Schluß des Gottesdienstes mit dem Korbe unter dem Arm, ihre Einkäufe zu besorgen, er war und blieb — entlasten. Die Herren Neologen, die ihre Rabbiner doch nur als eine Art höherer Commis betrachteten, „verhärteten ihr Herz und ließen ihn ziehen." Trotzdem wäre vielleicht doch noch eine Einigung zwischen Rabbiner und Gemeinde zu Stande gekommen, wenn jetzt nicht der hochwohllöbliche allgemeine deutsche Rabbinerverband auf der Szene erschienen wäre und dem Faß den Boden ausgeschlagen hätte. Der Oberpräsident der Bereinigung schrieb nämlich an den Vorstand der Gemeinde zu Koblenz einen Brief, der geeignet ist, den ganzen Rabbinerstand auf das Tiefste zu entwürdigen und auf den der hiesige Vorstand mit Recht nicht reagiert hat. Das famose Schreiben hat sehr viel Aehnlichkeit mit einem Schnorrbrief, erinnert auch nach Styl und Inhalt an die Briefe, die von hinter Wien zu kommen pflegen,

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