Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 66 (21.8.1899)
- Date
- 1899-08-21
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
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1418 D le!!R ede Nordau's u n d i h r|e .2? i r f ß. Hat Herzl in fein politischer Weife die Colonisationspunlie zu verdecken gejuckt, so gelang eS Rordau diesen Ton weiter zu führen. Hier wollen wir für einen Augenblick Holt mcchen und die gedrückten Klagen in den Couloirs hören. Welchen Eindruck hatte aufSie die.Per Handlung? frvg ich einen sehr angesehenen Zionisten. Nun sehr schön, schlau sprach er sie rerileisierte den inneren Bruch. Ja, wenn Sie so reden, sagte ich, dann sind Sie Herzlioner. Nun so wissen Eie, ich tun ein Führer der östlichen Juden und muß den Erfolg des heutigen Tages hinnehmen. Klang die Dogmatik Herzl's, (politischer Zion) etwas zu strenge, so sprach Rordau sehr geistreich. Tie allgemeine Stimmung, ich will nicht sagen, Verstimmung über die Rede Nordaus ist mehr merkwürdig, da dieselben AuStübrungin in Herzels Darlegung enthalten sind. Nordou sprach höchst pathetisch, er ist der große Dolmisich der ,.oonventionellen Lügen', wie mir ein geistreicher Nutze bemerkte. Lebhaft wurde in verschiedenen Gruppen ein Punkt in Ho. Rede besprochen. Er spricht unter Betonung der Bündigkeit des „öffentlich-rechtlich gesicherten Staates" von einen- Charter. Ein Charter ist aber juristisch also politisch rechtlich genommen nicht das, was das Dogma des Bastei Progran ms enthalt, Rordau sagt in seiner Rede, Charter sei a'so kein staatlich -elbsistöntigcs Gebiet. Bei diesen Worten blickte er auf den Borsitzcndlii. Wenn eine Regierung cin unziritisirtes Land zu erwerben btc Al sicht hat, dann laßt sie zuerst dort Char ter gesellscha tcn errichten, niemals aber Hai man gehört, daß in einem bereits der Kultrn crschlosienen Lande, das n-an der Regicritng pachten oder kauen will, dcrarlige Gesellschaften eriichlet werden. Auf keinen Fall hat sich Herr He-zl hier klar ausgedrückt. Am ztreitcn Tage tuiirde dieser Punkt von einem Herzl Nahestehenden zur Sprache gebrecht. Cs ist dies, wie man in den Couloirs behauptet, ein llugeü Einlenken. Tie Antwort Herzl's rrird mm lauten, daß für das reale Arbeiten der rechtlich nichts weniger als unobhänge Charter als Ziel zu benachten sei, und daß das Dogma, „politisch -esp", ein 'erucs Ideal. Ties haben nun die Zionisten gut verstanden. So ''aFte mir der Rabbiner ans Lida, daß in Rußland von einem volirischcn Zionismus im Sinne des Herzl ichen Dogmas keine Rede sei. Dian denkt dort an Croßkolonisalion. Er sagte mir ferner, und es trifft mit Herzl's Bekenntnissen zusammen, politischer Zionismus ist eine Phantasie, die nötlig sei, um etwas zu erreichen. Cs hat auch in den Gruppen der Zionisten gewisse Genugthuung hervorgernfen, daß man auf solch diplomatischem Wege zur so vielfach angegris'enen Colonisation zurücktehrt. Es befremdet aber umsomehr, daß man staatsrechlliche Cafuistik treibt: Würde man beim ersten Wort bleiben, Ankauf eines Charter, so wäre der Anschluß an die „Ahavas Zion und sonstige Vereine gefunden. Ties darf aber nickt geschehen, denn man muß das Glaubensbekenntnis de- Basler Programms oblegen, und dies wollen die Ahavas Zionisten nicht. Die Stimmung einer großen Gruppe ist gegen die Herzl iche Tictatur. Auch erzählt man sich auf den Couloirs, daß der Congreß sehr schwach beschickt sei. Biel schwächer als im Vorjahre. Schon am ersten Tage klagte man über Abspannung. Die Bomben Nordau's gegen die westlichen Rabbiner waren nicht im Stande den Pessimismus der verschiedensten Gruppen zu zerstreuen. Große Ruhe, fast Kirchhosruhe herrscht im Ganzen und Großen. Tie Debatten haben, wie Mitglieder sagen, eüien höchst kindlichen Charakter. ES wird nur über Propaganda gesprochen und Nordau klagt und schimpft das Volk fei mit dem Zionismus, aber nur im Herzen, nicht mit Wort und That. Die verschiedenen Gruppen, so sagt mir z. B. ein Vertreter aus Bialistock, billigen die Hetzen gegen Dr. Herzl nicht. „Sind Sie Herr Dr. Eh. in der Kultursrage im Klaren? „Bitte, lassen Sie mich mit dieser Frage, wir sind noch nicht so weit. Hören Sie denn nicht aus dem Gang der Verhandlungen, daß bloß Geschäftsordnung Debatten und kindliche Geschichten behandelt werden Zu den Grundfragen kann es gar nicht kommen, so lange wir kein Geld haben. Ein 3 ertreter der NumänVdicn Delegation klagt mir über d e Verhandlungen im Kultur-Ausschuß. Dian könne n it diesen Leuten zu keinem Resultat kommen! Eö ist merkwürdig. daß die russischen Orthodoren (es sind ihrer bloß einige Rabbiner, denn die übrigen Russen essen größtentbeilS “Ent:) mit den indifferenten darin einig sind, daß man die Frage der Kultur gar nicht zur Sprache bringe." Und warum sind denn Sie so sehr dafür, daß man über Kultur spreche? Was wollen Sie von der Kultur? Er antwortete, er möchte, daß man im Osten (Rumäniendurch zionistische Initiative die Juden dem Judenthtlm zurückbringe. So sind die ersten zwei Tuge in Plenum gedrückt und hier und da hört man den gedrückten PessimisuiuS sich Luft schaffen wie in den Reden Moczkin, u. A. In den Ccmniissionen wird gekämpft und während man im Saale das Basler Programm zum Dogma sanktionirr, spricht man in den Gärigen: Elart-r fei ein kluges Einlenken! Dritter Tag. Um Zehn! Außer eimgcn Journalisten ist der sSaal leer. Doch nach üö Minuten stürmt Alles in den Saal und auf die Gallerien. Eine große Spannung beherrscht die Theilnehmer. Der gestrige Tag war nicht so ohne Einwirkung , wie man nach dem äußren Bild und den fast automatischen Rufen des Plenums erwartet hätte. Zwei Reden von gestern haben die Gemüther erhitzt. Tie Aufklärungen dez. des Charters die Werner verlangt soll Herzl heute ertheilen. Und der Baunstrahl Port Steiners har die Delegirken Oesterreichs aufgebracht. — Schon 40 Min. nach der festgesetzten Stunde. Im Saal großem Lärm, die tosenden Gruppen wollen die Mahnungen des Glockentones eines SecretärS nicht hören. Die Diener b-ingcn den Journalisten Wasser, wie wenn sie den Ernst der Stunde fühlten. Endlich erscheint Herzl. Er verlieft eine Boryslawer Depesche, in der aus B. vom Eong-eß Hülfe gebeten wird, aber es wird schweigend zur Tagesordnung übergegangen. Drinnen dauert die Debatte zwischen dem demokrati chen und aristokratischen Prinzip. Es kommen einige socialistischen Zwischenrufe. Man spricht über die Bank. Ich gehe in den Gang, begegne einer Gruppe von Zionisten. Nun wie gefällt Ihnen meine Herren der Lauf der Verhandlungen? „Nun wissen Sie Banksrage, Keltersrage, alle diese Worte haben nichls Erfreuliches, nnd dennoch bin ich in wahrer Purimftimmung." Wieso Purim? „Hörten Eie nicht gestern und heute die ganze Verhandlung die ist in einer Beziehung “inDN nt>UD." Warum? „Wie in "irDN jeder „Schein" vermieden ist, so hat er in dem ganzen Heer dieser „jüdisch-nationalen Gibeonsstreiter" auch keine Erwähnung, soll helfen und wird helfen. Daher kommt meine Purimlaune. (Fortsetzung folgt.)