Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 66 (21.8.1899)
- Date
- 1899-08-21
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449015--48929-2499342- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Xli. Jahrgang. Jmeitt KrUllgr ju Jl® 66 des Israelit". Leitende Artikel. Dritter Iiomften-iLongveß. Stenogr. Original-Berich t für den „Jöraelit." (schlug aus der Ersten Beilage.) Und nun zum Schlüsse, was bleibt mir noch zu sagen? Sie an eine alte Sage zu erinnern, die Sage vom Phönir, mit dem unsere Weisen schon längst unser Volk verglichen haben. Der Phönir lebt ewig: aber nach bestimmter Zeit wird er alt und schwach und verbrennt innerlich und wird zur Asche und ein ganz kleiner Keim bleibt übrig und diesen nimmt der Priester in Heliopolis, d. i. in der Stadt der Sonne, hütet den Keim und pflegt ihn und langsam erwacht der Phönir und dann, wenn er völlig reif, dann schüttelt er die schwingen und erhebt seinen Flug zur sonne» um Gott für seine Wiedergeburt zu danken. Und wir, wir sind auch verbrannt, verstreut worden und mit Füßen getreten wie die Asche der Erde; nur ein Keim ist geblieben und jetzt kommen wir Zionisten, die Priester der neuen Zeit und bringen den Keim zur Stadt der Sonne der Wahrbeit, der Treue, der Ergebung, und >vir pflegen ihn und sollen ihn pflegen, bis das Zudentbum wie der Phönir aus der A'che wiederersteigt und seinen Flug aufwärts zur Sonne der Wahrheit nimmt lind mit sich auch die Völker zieh:. Das ist die Eulturfrage. (Tosender Beifall.) Nunmehr erfolgt das Referat des Herrn Dr. Kahn - Wien über die Organisation, ebenso das des Herrn Dr. Klee—Bonn. Auf Antrag des Aktionskomitees wird hierzu beschlossen, daß von nun an die Wahlen zum Eongresse nach Hundertschaften stattnndeu sollen, uub zwar so, daß je 100 Mitglieder einer Ortsgruppe einen Delegirten wählen sollen. Der Wahlmodus sei den Laudesorgunisatiouen zu überlassen, wenn sie ihn variier zur Genehmigung an das Aktionskomitee ge'andt haben. Die Versammlung wird uw >>' s Uhr geschloffen. Abendsipung des dritten Tages (Eolonialbank). Zunächst wird die nach dem englischen Gesetze nöthkge außerordentliche Generalpersammlung der jüdischen Eolonialbank abgehalten. Direktor W olffsohn eröffnet die Sitzung und läßt die Tagesordnung verlesen. Hieraus giebt er offiziell im Namen aller Direktoren mit Ausnahme eines. der nicht anwesend ist, bekannt, daß sie auf die ihnen verliehenen Gründershares verzichten. — Es entümmt sich mm eine lebhafte Debatte über die Abänderung des § 1 der Generalversammlung. Delegierter Bentwich, der Rechtsanwalt der Bank, beantragt, daß die Versammlung nicht eine, nach englischem Gesetze unzulässige Abänderung beschließen möge, da ja der Wunsch der Versammlung in Form einer Resolution für die Direktoren und den Aufsichtsrath ebenso bindend sei- Die Versammlung beschließt, die vom Eongreß gewünschten Acnderungen in Form eines Beschlusses dem englischen Gerichte zu überreichen, und falls es dorr nicht acceptiert werde, ihn als Resolution dein Direktorium auszutragen. Darauf schließt 2V olffsohn die Sitzung. Hierauf wird die ordentliche Generalversammlung eröffnet, und Direktor 28 olffsohn giebi den Bericht über die Gründung der Bank lind ihre bisherige Thätigkeic. Da6 Geld sei in verschiedenen Banken ersten Nanges untergebracht. (Wolffsohn zählt ihre Namen auf.l BaareS Geld habe die Bank 1,184,706 Mk. Die zweiten 20% Anzahlung werden eben in dieser Zeit in allen Ländern eingehoben. Die Spesen der Bank waren von 160,000 Mk. bis zu einer Maximalhöhe von 200,000 Mk. veranschlagt. Bis jetzt feien ca. 14",<>00 Mk. gebraucht woroen. Nach dem vetailierten Berichte des Vorsitzenden wird dem Direktorium der Dank der Generalversammlung und das 2lbsolutorium allsgesprochen. Hierauf wird die Neuwahl des Direktoriums vorgenommeu und dann die Sitzung geschlossen. Am letzten Lage des Kongresses, Freitag-, wurden die Zlnträge des Organisationsausschusses beraten die verschiedenen Wahlen für da» nächste Verwaltungsiahr vorgenommen und andere rein geschäftliche Dinge behandele Des Morgens erschien der englische Zionist Sir Francis Montesiore, der eine innige 2lnsprache an dm Krongreß richtete. Deligierte und Publikum begrüßten de i Gast, der übrigens ein Mandat Hatte, durch langanhaltendes Beifnllkialschen. Bemerkenswerth ist ferner eine stilistisch wie sachlich einzig dastehende Rede, die Herr Dr. Kahn-Wien im Interesse der hebräischen Sprache hielt. Der g oße Beifall und die Annahme einer bestimmten Resolution lassen erwarten, daß zur Hebung der Kenntnis; unsrer Sprache mehr als bisher gethan werden wird. Zuvörderst — uud das war die Hauptsache der Kahu'schen Ausführtingeu — sollen die jüdischen Schulen in Palästina reorganisiert werden. Währen'' ich diesen Bericht schreibe, und die Verhandlungen des Kongresses noch nich: beendet. In zvei Stunden muß der Kongreß wegen des h.uannahcuden Sabbaths geschloffen werden. Ob bis dahin alle Geschäfte werden erledigt fein, ist fraglich. Stimmungsbilder vom Kongreß. Von Ludovicus. Zweiter Tag. (Fortsetzung.) Und w Hut man denn in der Rede H c rzls vergeblich nach der Lösung dieser beiden Gesichtspunkte gesucht, so sehr die Beralhungen des Eongresses diese zwei Sachen ignoriren, ia als etwas selbstverständliches voraus'ehen, und dennoch diese beiden Grundgedanken iimner wieder maßgebend. Ja für uns umso beachtenSwerther, da man iit den Eouloir'S immer wieder diese zwei Grundpfeiler diseutirt. Mu der Frage nach der geistigen Seite hat sich Herzl nicht beschäftigt. Seiire Rede, io urtheilen die Delegirten, hat der ganzen Entwicklung des l. und 11. Tages die Bahn angewiesen. Es ist dies bei derartigen 'Angelegenheiten immer sv -Pläne und Gedanken in den Köpfen der Delegation sind in chaotischer Buncheit vorbanden! nun kommt es drauf ait, ttttöteferne sie durch die Leitung der Verhandlungen zur Sprache kommen. Herzl's Rede nun leitete gleich die Aufmerksamkeit auf „den 2lusban der Organisation". Er erblickt den Zweck des Eongresses in sein 'Ausbau dieser Organisation und in der Berichterstattung über die Propaganda. Er hat somit den Verlaus der Debatte snggestirt. Und nur ab und zu bricht eine 2Lehklage gegen das Aetions- EomitG gegen die Erfolge und 2lrbei:eu des Zivni.'mus hervor. In einer bitteren 2knklags gegen die Gegn r auSbrechenä schließt er mit den weh uüthigen 28orten. daß ein Volk tim sein Dasein ringe.