Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 66 (21.8.1899)
- Date
- 1899-08-21
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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1418 lich, Sie werden mich fragen: „In welchem Zusammenhang steht dieses Gottesreich auf Erden mit der zionistischen Bewegung-" Natürlich im innigsten Zusammenhang. Das eine ist das Hoffen und das andere ist die Thai. Wir haben stets vor unserm geistigen Auge das Bild der glorreichen Zukunst und das ist das Geheimnis unserer Ewigkeit und Unverwüstlichkeit. Wenn auch unsere Körper gebrochen wurden, unser Geist ist nie gebrochen worden. Als der Tempel in alter Zeit zerstört wurde, da verlangte der Führer der geistigen Partei von dem römischen Zieger nicht die Befreiung der Sklaven, nicht das jüdische Volk, er verlangte den jüdischen Geist frei zu sehen: er erbittet eine ganz bescheidene Sache, blos eine schule zu eröffnen. Diese Schule hat nie aufgehört. Die Pforten, einmal geöffnet, sind nie geschlossen worden, und durch diese Pforte ist der Geist der Menschheit gezogen (Tosender Beifall) um geläutert wieder herauszukommen. Wir haben von allen Seiten gelernt. Aber ivir haben auch nach allen Seiten hin als Lehrer, Lehrer in geistig höchster Bedeutung gewirkt. Denn wir haben gezeigt, was Muth, was Enthusiasmus, was Begeisterung, was Selbstaufopferung iurstande lind zu leisteu, und haben der ^e^t ein Beispiel gezeigt, wie ein Volk zerstreut, geknechtet, verfolgt, doch imstande ist, einem idealen Ruf, wie er einmal erschollen ist, dem Zionismus nicht irrstiuctiv, sondern mit tiefem Verständnis zu folgen und sich hier zu vereinigen. iBeif.) Es ist nothivendig, daß ich darauf besonderes Gewicht lege hier, wie ich es voriges Fahr gethan habe, schon aus dem Grunde, well wir in unfern Debatten und in dem Programm, das uns vorgelegt worden ist, uns zu sehr mit nicht idealen Fragen beschäftigt haben. Es sind die materiellen Bedürfnisse, eS ist das momentan R rhwendige in den Vordergrund geschoben worden. Aber es soll nicht gesagt werden, daß wir hier Zusammenkommen, blos um uns zu organisieren oder um Eeld zu schaffen. Wir kommen hier zusammen, vor allein um zu erkla eu, das; dies nur Nebendinge sind, Mittel zum Zweck, oer Zweck jedoch hoch uno erhaben über diesen tleineu Fragen steht (Bcis.-, denn wir arbeiten an der Beireiung des (Geistes. Wir arbeiten au Dem ewigen .zonjchritt der Menschheit. Wir arbeiten r.n Allem, was grog uno machlig in in seiner geistigen Erscheinung. Und e-arum soll, die ätuliursrage hier nicht nur gestreift, sondern auch erwogen werden, in ihrem Zusamincuhange mit unserer jetzigen Stellung. Ich sing an uno sagte: „Ich komme eigenltich mit leeren Händen, aber mit vollen Herzen." '.'Alt leeren Händen. Natürlich, ein wirklicher Fortschritt besteht darin, iveirn uni stmemaüjch, oroniingsgemäp Vorgehen, wenn wir nichr aUes au« einurat erreichen wollen, wenn wir lernen, Disziplin unserm Geist iind Tioziplin unserm Bolle a-ckzuerlegen, wenn wir lernen, langsam in der Entwicklung den -sornchriit zu begreifen und zu unternutzen. Warum haben wir nr..--s gereister.' . eine Freunde'. Währenddem die Uhr aufgezogen nur., dann steht sie, und jetzt wird die Uhr aufgezogen, öic utt-. Die Siunde unserer Betretung schlagen soll, und darurn steht üe diesen Augenblick. «Bestall, Heiterkeit.- wir fiiimit dem Aufziehen der Uhr beschäftigt. -Heitertest.'. Wir und n.üt dem meranzievei! der Geister beschäftig;. Wir sind ,epraran unsere-.rr Volk zu sagen, was nur wünschen und rn welcher 'BFeise wir cs zu venvirckichcn irachien. Blomentan lönueu ivir nur den -!>. VNNNeu Wunsch äußern Unsere Mittel sind beschränkt, - gegenseitiges Verständnis evifiicrt noch nillu; die Geister? sind noch nicht erllärt: einen .mttechismus für das Juden- : thulu können wir nicht schreiben; in religiöse Fragen können . wir uno nicht mengen. Wir lehren blos den Nespert vor . der Heiligen Lehre, aber bringen diese Frage mein in die Bcbartc uno iHuscheidnng; denn die lHiffchetdrino ist schon langst getroffen. rBeif.) Aber wir behaupten, wenn wir auch jetzt alle unauf einem Schiffe befinden, welches von den Wellen des Haffes getrieben wird, daß es doch einen Leuchtthurm gibt, der uns zeigt,^ wo der Hafen der Ruhe, der Befriedigung, der geistigen Seligkeit ist: das ist die Kultur, das Bewußtsein, daß es irgendwo ein Eentrum des Lichtes gibt, welches unS den geraden Pfad im Leben weist. Natürlich gibt es auch eine Afterkultur. ES gibt auch, wie es alle diejenigen wissen, welche an den Küsten der Meere wohnen, falsche Lichter, die aufgesteckt werden von Feindeshand, um die Schisse von der richtigen Fahrt abzulenken und vielleicht zerschellen zu lasteu au den Felsen der Unwissenheit, des Fanatismus und der Intoleranz. Das ist keine Kultur. Dagegen sträuben wir uns. Was wir anstreben, ist den Pfad zum richtigen Hafen, um jenen Leuchtthurm zu erreichen. (Beifall). Aber hüten müssen wir uns, daß auf der Flagge, die da im Winde flattert, auf der Flagge der jüdischen Begeisterung, auf der Flagge der Zionisten, das goldene Kalb nicht gezeichnet werde. (Rufe. Sehr gut. Beifall). Hüten ivir uns, daß die Luftlöcher nicht mit goldenen Thüren zugestopft werden Es ergeht uns sonst ivie dem Eapitän in alter Zeit, der auf sturmbewegter See war und das Getöse nrcht ertragen konnte: er ruft dem Matrosen: „Decken Sie doch diese Oeffnung zu, damit ich dieses Geräusch nicht höre!" Und allmählich ist das Geräusch stiller und stiller geworden, und er ist in den Hafen eingelausen: aber im Schiff waren die Passagiere erstickt. *0 darf es uns nicht gehen. Wir müssen in geistiger Frische und mit neuem Leben in unser, ins heilige Land kommen. 'Wir müssen lernen, uns von den Schlacken zu befteien, die die Jahrhunderte unserem Geist angeklebt habe». Und wie herrlich klingt doch diese poetische Conception unseres Volkes, diese wunderbar mystische Auffassung, daß mit oer Verbannung auch die Herrlichkeit Gottes in die Verbannung ging und sein Volk begleitete. ES ist von seiner Höhe herab gestürzt worden und ist jetzt verdunkelt. Wir wollen den Bann brechen, und wir wollen diese Herrlichkeit in ihrem alten Glanz erscheinen lassen. (Beifall) Wir wollen der Welt zeigen, daß es doch noch eine ganz andere Weltanschauung gibt als die, an welcher die Mensch heit jetzt tu Quvopa krankt. (Lebh. Beifall). Die inner Läute: ung, das Aufrechterhalten des alten Ideals der Wunsch, der Drang, daß jeder Zionist in seiner Weise, nach seinem Gesichtspunkt, in seinem Land diesem Ziele zustrebe, das ist alles, was wir hier von dieser Tribüne unfern Zionisten, unserm Volk zurufen können. (Beifall). Wir sagen unserm Volk: „Der Traum beginnt sich zu verwirklichen: es hängt von Euch ab, in welcher Gestalt « Ihr daran theilnebmen wollt". (Meine Herren! Nicht weit von hier, in Italien, eristiren Friedhöfe, wo die Erde von Palästina in Schiffen hingebracht worden ist, nachdem die Völker den Besitz Palästinas endgültig aufgeben mußten, und dort begraben sie ihre Tobten. Wir wollen auch einen Eamposanto haben,! nicht aber die Tobten in der Erde Palästinas, die nach j Gurova auf Schiffen gebracht worden ist, sondern «inen ' Eamvosanto, ein heiliges Lager auf freiem Boden Palästinas als lebendige Nation. (Brausender, immer neu an hebender Beifall). (Fortsetzung folgt in der Zweiten Beilage.)