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Der Israelit · 1899-08-21 · Heft 66 (21.8.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 66 (21.8.1899)
Date
1899-08-21
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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m XI*. Jahrgang. Erste Beilage M M 66 des ,Israeli. L«ite«»«r Artikel. Dritter Zionisten - Kongreß. (Stenogr. O riginal-Bericht für den „Israelit") R. u. .l. Basel, 18. August. (Fortsetzung der Nordau'ichen Rede.) Um von aller Welt ernst genommen zu werden, braucht das jüdische Volk sich nur selbst ernst zu nehmen. (Großer Beifall). Um bald oder später zu erlangen, wonach es strebt, muß es zunächst seine Forderungen anmelden. Das Wohlwollen der mächtigsten Persönlichkeiten und edelsten Geister der christlichen Welt ist einer unserer werthvollsten Aktivposten. (Beifall.) Wir haben da einen großen Kredit, auf den wir für den gegebenen Augenblick rechnen. Aber um auf diesen Kredit ziehen zu können, müssen wir eine authentische Unterschrift haben, deren Rechtsgiltigkeit der Kassirer nicht anzweifelt. Diese Unterschrift zu schaffen, ihr eine unanfechtbare Repräsentativ-Bedeutung zu sichern, ist seit zwei Jahren der Gegenstand unserer unablässigen, angestrengten Arbeit. Zur Zeit hat das jüdische Volk keine dringlichere, keine wichtigere Aufgabe, als diese Arbeit mit allen Kräften fortzusetzen. (Lebhafter Beifall.) Wie können wir erwarten, daß die Welt uns Volks rechte und ein Volksgebiet zugesteht, ehe sie völlig überzeugt ist, daß wir wirklich ein Volk sind und es auch bleiben wollen? (Großer Beifall.) Wir Zionisten wissen es, aber die Welt braucht es uns nicht zu glauben, solange beides von zahlreichen, wildkreischenden Stimmen in den Reihen der Juden selbst giftia geleugnet wird. (Pfui-Rufe) ES ist deshalb unsere unaufschiebbare Pflicht, uus zunächst mit unseren inneren Feinden auseinander zu setzen — denn andere Gegner als jüdische hat der Zionismus über Haupt nicht — um der Welt keinen Zweifel darüber zu lassen, wer berechtigt ist, im Namen des jüdischen Voltes zu sprechen. Vielfach hat man bisher bloß die Stimme unserer Gegner gehört, und da bekanntlich ein Mann, der schreit, mehr Lärm macht, als taufenb Leute, die schweigen (große Heiterkeit), so haben selbst gutgläubige Beobachter schwer den Jrrthum vermeiden können, die Bedeutung unserer Gegner im jüdischen Volke zu überschätzen. Wir müssen deshalb ununterbrochen daran arbeiten, die Welt immer wieder darüber aufzuklären, daß nicht die Gegner des Zionismus, sondern die Zionisten das jüdische Polk verkörpern. (Großer Beifall.) In der jüdischen Ueberlieftrung tritt beständig in man nigfachen Formen der Gedanke zu Tage, daß eine winzige Minderheit der lebendige, der lvesenrliche, der allein ausschlaggebende Theil des jüdischen Volkes ist. Nicht den 22,000, auch nicht den 10 000, sondern den 800 Kriegern Gideons wurde die Aufgabe zugetheilt, die Amalektter zu schlagen. (Großer Beifall), die 30» Gideons - Streiter zu fein, die allein für das ganze Volk kämpfen und siegen. Aber wir müssen damit rechnen, daß dieser stolze Aristokratismus unserer Ahnen, der nur die Minderheit anerkennt, Vielen zu fein und zu vornehm ist, und daß dem gröberen Sinne nur die Mehrheitsbrutalität imponiert. «Beifall.) Zeigen wir daher, daß wir nicht bloß die wenigen Auserlesenen für uns haben, die gewogen werden und mit denen unsere ltzeifen sich begnügten, sondern auch die Vielen, die gezählt werden unb an die allein das Zeitalter des allgemeinen Stiinmrechtes glaubt. Befriedigen wir zugleich die aristokratische und die demokratische Anschauung. Wir können es, wenn wir nur wollen. (Lebhafter Beifall.) Ich habe gesagt: Unser großes Machtntitlel ist heute der Volkswille. Halten wir mm einen Mai tag mir unserem Volke ab, prüfen wir in einer allgemeinen Heerschau seine Gliederung, seine Bewaffnung, seinen Geist, damit wir genau wissen, mit welchen Streftkräften wir zu Felde ziehen. Es muß auf den ersten Blick befremden, daß die Millionen des jüdischen Voltes nch noch nickt ausdrücklich für den Zionismus erklärt haben. Unsere Gegner deuten diese Enthaltung als Absage. Wir könnten sie wohl mit besserem Reckte als Zustimmung deuten. Es ist aber tief betrübend, daß wir überhaupt auf Deutungen angewiesen sind. Warum erheben viele Millionen nickt ihre Stimme? Warum sagen sie nicht laut: „Wir sind Zionisten", da sie es dock im Herzen zweifellos sind? (Beifall). Warum? Ich kenne den Grund und will ilm angeben, obschon mich dies schwere Uebcrwindung kostet: denn 'der Grund ist tief beschämend. Es scheint unglaublich, ist aber dennoch wahr: Es gicbt nock Millionen Juden, die von der ganzen zionistischen Bewegung nichts wissen. Sie sehnen sich nach den: Zionismus und haben nicht erfahren, daß ihre Sehnsucht die Form eines positiven politischen Programms angenommen ha: (Beifall). Sie bereu jeden Tag für die Rückkehr nach Jerusalem und ahnen nicht, daß wir mit dem Einsatz unserer ganzen Persönlichleit daran arbeiten, dieseRückkehr vorzubereiten. Und das Tragische ist, daß sie an ihrer Unwissenheit nicht schuld sind. Unser Wort erreicht sie nicht. Sie leien keine Zeitung. Sie geben in keine Versammlung. Der furchtbarste.stampf ums Dasein nimmt jeben ihrer Augenblicke so pollständig in Anspruch, vaß ihnen für nichts Zeit und Sinn übrig bleibt, was nch niclit auf die unmittelbare Erbeutung eines Bistens Brot bezieht. (Dosender Beifall). Aber diese Millionen gehen in die Synagoge; die meinen von ihnen täglich, alle am Sabbath und an den Festtagen. Sie blicken m ihren Rabbinern als jit ihren bestellten Vefirerit auf. Die Rabbiner haben ihr Dbr. L-ie halten die Pllich-, ihnen die frohe Botschaft des neuen Zionismus zu verkünden. Warum haben <Re diese Pflicht nicht erfüllt? Wohlverstanden: ick denke hier nicht an die sogenannten Protestrabbiner des Westens. Mit diesen sinv wir fertig und holten, daß auch das jüdische Volk bald mit ilmen fertig sein wird. (Lebhafter Beifall). Ich habe die glaubenstreucn Rabbiner des Dstens im Auge, au deren gur jüdischer Gesinnung billig Aiemand ztveifeln wird. (Zustimmung). Diese Rabbiner fragen wir: „Weshalb steh: chr abseits r Weshalb schweigt Ihr? Weshalb führt Ihr eure Gemeinde, die Euch folgt, nicht mit entfalteter Daviossahue iuö zionistische Heerlager?" Man sagt uns, daß sie uns mißtrauen, daß ße von uns, ich weiß nicht welchen Anschlag aus den nllauben befürchten. Wie ist das möglich? Wir haben ja wiederholt ötsentlich erklärt, daß wir den (Mlauben nichl antasten (lebhafter Bei fall), daß innerhalb des Zionismus Jedem die volle Freiheit gewährleistet wird, seiner religiösen Ueberzeuguug uackzu leben! Und wenn Ihnen diese Erklärung nicht genügen sollte, so bedenken Sie doch dieses Sie haben ja Ihr Schick

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