Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 66 (21.8.1899)
- Date
- 1899-08-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XL. Jahrgang. M «e. Der Israelit. Ei» Aentrat-Hrgan für das orthodore Audenlhum. Begründet von Dr.?e£m«mn in Htflitn|. Montag, de« 21. Auguft 5659 (1899)« » Eine abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat KZ September MK auf den »Israelit''. Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitung öfchalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betteffenden Landbriefttägrr aufgegeben werden. Ausland entsprechend höher. Die Expedition des „Israelit". Leitender Artikel. (Lhafonus. «Ls. Eine zeitgemäße Betrachtung sL von I. Levermann—Darmstadl. (Fortsetzung aus der jüngsten MontagSnummer.) ES wäre eine Jagd nach bloßen Idealen, wollten wir unsere Betrachtung schließen ohne einen Blick aus die Verhältnisse zu werfen, welche einerseits als nothwendige Vorbedingung für eine zweckmäßige Ausbildung der Kantoren gefordert werden müssen, andererseits sich als große Gefahr für die Pflege des Vorbeterdienstes', für würdige Gestaltung des Gottesdienstes, sowie für die Erhaltung der überlieferten synagogalen Melodien darstellen. Diese Verhältnisse liegen sowohl bei der Gemeinde als auch bei den Kantoren und endlich im jüdischen CultuS überhaupt. Soll es in dieser Beziehung besser werden, so müssen die Gemeinden auch im eigenen Interesse sich zusammenschließen, durch finanzielle Subvention die Gründung von Vorbereitungsanstalten für den Vorbeterdienst anstreben, ihren Kantoren ferner Urlaub und Mittel zum Besuche derselben gewähren, und, solange dies noch nicht möglich ist, dem Kantor auf andere, oben geschilderte Weise zur Fortbildung behilflich sein. Dies kann weiter geschehen durch Errichtung und Unterhaltung eines Chors, durch Anschaffung guter Werke im synagogalen Gesang für die Nutznießung des Lehrers, bes. aber durch Ruhe und Ordnung im Gotteshause selbst. ES ist nicht zu leugnen, daß die meisten Hindernisse und entschiedensten Störungen einer gedeilichen Wirksamkeit des Vorbeterin dem Verhalten der Gemeinde liegen. Die an Samstagen und Feiertagen erhöhte Dauer des Gottesdienstes zeitigt nämlich bei gewissen Leuten jene Ungeduld und Stimmung, welche nichts weniger als der Ausfluß des Beharrungvermögens bezeichnet werden kann. Obgleich in Wirklichkeit die Ursachen dieser Erscheinung ganz anderswo als in der Dauer des Gottesdienstes liegen, indem oft gerade die sonst selten und im subjektiven Falle am kürzesten anwesenden Besucher am meisten über die übermäßige Dauer des Gottesdienstes klagen, so gilt dennoch allerorten der Vorbeter als der Dehner, Zieher und den die Andacht raubenden Theil des Gottesdienstes, und auf sein Conto kommen stetdie zahllosen Konsequenzen, welche sich aus dem Verhalten Einzelner ergeben. Anstatt daß man (ohne daß ich dem Dehnen und Schleppen im Vortrage das Wort reden möchte) sich in den Charakter, in den Gehalt der Gebetstücke versenkt, welche je nach ihrem Sinn einen getragenen oder leichtfließenden oder dem sog. parlando Vortrag erfordern, anstatt, dem in seinem Berufe ausgehenden Vorbeter die Stimmung nachzufühlen, welche sie in belebenden und Verständnis weckenden Gebetstücken wachrufen, statt dessen läßt man von oto pin bis jene schönen uitb erhebenden Gebete theilnahmslos passieren, dieselben, statt mit Andacht mit der Uhr in der Hand