Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 65 (17.8.1899)
- Date
- 1899-08-17
- Page
- [Seite] (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über die Thätigkeit des Kolonisations-Comite s in Odessa vom 1. Jjar5653 bis zum 1. Jjar 5056 (16. April 1893—13. April 1896). (IX. Fortsetzung.*) ftemeindeangelegeniieiteiit Die inneren Angelegenheiten werden von einem ans sechs Mitgliedern gebildeten Rathe verwaltet, von welchem drei den Vorstehern des Vereins nmJÖ» an gehören, und drei alljährlich dureh Generalversammlung der Kolonisten gewählt werden. Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vereinsvorstehern und den durch Wahl ernannten Mitgliedern des Käthes, die jedoch selten Vorkommen, entscheidet das Exekutivcomitö. Die Vertretung der Kolonie der Regierung und den Beamten des bekannten Protektors gegenüber ist dem Präsidenten des Vereins n/TOD»» beziehungsweise dessen Stellvertreter übertragen. Die Kolonie hat eine Synagoge von Holz, eine rituelle Badeanstalt und ein Schulgebäude. Die Schule wird vou 23 Knaben und 21 Mädchen, letztere im Alter von öVe—Jahren, besucht, und besteht ans fünf Lehrzimmern Es sind an derselben drei Lehrer angestellt, welche Gehalt beziehen, drei andere unterrichten gratis, ausserdem eine Handarbeitslehrerin. Lehrgegenstände sind: Lesen und Schreiben, Pentateuch und Propheten, einige Traktate der Misch«a und etwas Talmud. In der obersten Klasse wird ein kurzer Abriss der jüdischen und Weltgeschichte, Rechnen, Mathematik und Naturkunde unterrichtet. Die Ausgaben für die Schule betragen 2820 Frs. jährlich, wovon die Kolonisten 1000 Frs. aufzubringen haben. Der Rest wird durch eingehende Spenden und die Beiträge des Vereins nnttö» bestritten. An Wohlthätigkeitsanstalten sind in Rechoboth ein Leihhaus vorhanden, welches zinsfreie Darlehen gegen Unterpfand gewährt, und welches durch Herrn Brody aus Warschau mit einer Spende von 1000 Frs. gegründet, gegenwärtig ein Vermögen von 1300 Frs. hat. Ferner hat die Kolonie ein Krankenhaus, einen Leichenbestattungsverein und eine Bibliothek F. Neuere Berichte aus Wadl-Chaniu. Die Kolonie Wadi-Chanin (der arabische Name bedeutet „Thal der Rosen“) liegt am Kreuzungspunkte zweier grosser Karawanen- *) 8. Nr. 706. Strassen, welche von Jaffa nach C h e b r o n, beziehungsweise nach Gaza führen und an der Strasse von Ly da und Rami eh nach dem „Th ale Sorek“. Die Entfernung von Jaffa beträgt 2% Stunden, von Rischon Lezion 1 Stunde, von Rechoboth %, und von der Meeresküste 1 Stunde. Ein Drittel der Kolonie, ein ebenes Thal, hat lelim- und t hon halt! gen Sandboden, in welchem sieh in einer Tiefe von 5 — 10 m Grundwasser findet. Der Boden ist daher zu Anpflanzungen geeignet, welche der künstlichen Bewässerung im Sommer bedürfen. Der Rest des Bodens besteht aus einer sandhaltigen Hügelkette, von welcher 60% zu Weinbergen und 40% zu Baumpflanzungen geeignet sind, welche keiner künstlichen Bewässerung bedürfen, also Oel- und Feigenbäume. An der Grenze der Kolonie haben sich Araber etwa 500 Danam Land angeeignet, welches von ihnen, wie bemerkt zu werden verdient, vielleicht durch richterliche Entscheidung erstritten werden könnte. Die meisten Kolonisten sind sehr arm, müssen ihren Lebensunterhalt anderweitig suchen, und können auf den Anbau der Kolonie nur die Zeit widmen, welche sie von ihrer Beschäftigung auf anderen Kolonien erübrigen. Dadurch ist die Baumzncht hier, wo sie sehr ergiebig sein würde, noch sehr zurück. Zwar sind die mit guten Reben bepflanzten Weinberge der Kolonie verhältnissmässig gut angebaut, aber es ist keine Hoffnung vorhanden, dass die armen Kolonisten bei ihrem Weinbau ihren Unterhalt verdienen werden, da das jedem zu Gebote stehende Areal von 40 Danam hierzu keineswegs ausreichend ist. Zu Getreidebau ist der Boden der Kolonie ungeeignet. Die Kolonisten werden darum noch lange auf Lohnarbeit angewiesen sein. Die 73 Seelen zählenden 18 Familien der Kolonie wohnen im Gemeindehause, in sechs hölzernen Häusern, von welche« zwei aus Mitteln unseres Comites erbaut wurden, und in einem grossen Hause am Felde “n3V2£ Der Mangel an Wohnräumen und Ställen ist sehr nachtheilig für die Entwickelung der Kolonie, allein es ist unmöglich, auf dem Areale derselben weitere Gebäude zu errichten. (Fortsetzung folgt.) Druck der Job. Wirth’schen. Hofbnchdrackerei Aotien-Gesellzehaft, Mainz.