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Der Israelit · 1899-08-17 · Heft 65 (17.8.1899) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 65 (17.8.1899)
Date
1899-08-17
Page
[Seite] (sequence 39)
Language
German
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Reisebilder von Dr. Heinrich Loewe. (Nachdruck verboten.) -- (II. Fortsetzung.*) Ich hatte den Eindruck, dass mein Schiffskamerad lediglich die zionistische Bewegung vom Standpunkte des Vortheils der deutschen Nation betrachtet. Aber auch dann muss er ja mit der Zeit zur Anerkennung des Zionismus gelangen. Am späten Nachmittage sind die letzten Berge der langgestreckten Wüste von Cypern endlich entschwunden. Auf der Levante ist nichts mehr von dem sanften Wellenschlag zu verspüren, mit dem das Aegaeische Meer sanft die. Planken unseres Schiffes umkost hat. Müde und regungslos liegt die unendliche Wasserfläche um uns. Nur kleine Wasserringe kringeln und kräuseln bisweilen die Obei fläche, in der freundliche Delphine ihr munteres Spiel treiben. Der glühende Sonnenball am wolkenlosen Blau senkt sich tiefer und tiefer, und malt hinter dem Schiffe ein gliizerndes Gold, das sich in weiten Wellenlinien abhebt bis zum lichtblauen Horizonte von der purpurblaueu See. Während wir links Cypern wissen, und rechts Egypten, die beide dem türkischen Reiche aber unter englischer .Kontrolle“ gehören, sinkt der Sonnenball zum Meere. Unten in den Kajüten speist mau zu Abend. Wir aber geniessen inzwischen das herrliche Schauspiel eines Sonnenuntergangs auf der orientalischen See. Eben erreicht die nicht erröthende Sonnenscheibe den Rand des Himmels, und kaum wenige Sekunden später ist sie hinter dem Meere verschwunden. Aber in dem Augenblicke, wo der letzte Rand untertaucht, färbt sich der weite Himmel leicht blassgrün, um in schnellen Wandlungen saftgrün und endlich dunkelblau zu werden. Und immer neue Farben im Meere. Carmoisinstreifen neben grünem Licht, und pnrpurrothe Streifen neben schwarzblauen Wellen im Wasser, ein ewiger, unendlicher Wechsel, während das Schiff im Mondlicht einen endlosen breiten Silberstreifen zurücklässt, wo der Venus weisses Licht in schmaler Linie zitteit „Preise meine Seele den Herrn, und Alles, was in mir ist seinen heiligen Namen. Ewiger, mein Gott, wie gewaltig ist deine Grösse, Pracht und Herrlichkeit hast du dir umgethan!“ — Dies war das Meer, das unsere Dichter begeistert hat, zu singen : „Denn der Ewige ist ein gewaltiger Gott, „Vor ihm sind die Götter der Völker ein Spott, „Er ist König über die Götter? . . . *yiT Nr. 700. „Die Gründe der Erde — in seiner Hand, — „Sein werden die Gipfel der Berge genannt, — „Sein Werk lässt verstummen den Spötter. „Dem das Meer gehöret, — er hat es gemacht, „Und den Weltenplan, — er hat ihn erdacht, „Hat das Meer und das Festland geschaffen.“ Das Meer ist purpurschwarz geworden, durchfurcht von den Silberstreifen des zunehmenden Mondes und des Abendsternes. Am Himmel flammen tausende und abertausende hellleuchtender Sterne auf, wie nur der Himmel des Orients sie kennt, unendlich, unübersehbar blendend. Rechts Egypten, links Cypern! Oben am Zenith der strahlende Halbmond, in dessen offener Seite die Venns blinkt. Ein bedeutsames Zeichen! Und tausende glühender Funken leuchten aus der See empor, und tanzen und zittern, wo das Schiff die feuchte Strasse zog. — Langsam gleitet das Schiff dahin. Ich sitze in der Kajüte noch spät in tiefer Nacht und schreibe. Die Maschine arbeitet nicht mehr. Ich schaue nach der Uhr. Es ist zwei Stunden nach Mitternacht. Ich höre die Anker herniederrasseln und eile aufs Verdeck. Tiefe Stille! Drüben flimmern Lichter von Schiffen und Häusern. Wir liegen im Hafen von Beirut. II. In Phonikien. Der kleine neue Hafen von Beirut, der uns aufgenommen hat, nimmt nur einen geringen Th eil der breiten Georgsbai ein. Vor uns liegt die grosse Handelsstadt, auf deren Rheede sich viele Barken und Schiffe schaukeln. Doch ehe wir landen können, vergeht einige Zeit. Denn andere Schiffe, welche Gäste und Begleitung des deutschen Kaisers tragen, haben die meisten Landungsboote in Anspruch genommen. Anfangs betrachten wir die von allen Seiten an der Küste emporsteigenden Höhen mit ihren grünen Pinien. Dann aber wird ans die Langeweile in anmnthiger Weise verkürzt. Auf dem kleinen Boote zwischen unserem Schiffe und einem naheliegenden Segler sitzen zwei schöne braune Knaben. Als sie bemerken, dass wir nach ihnen schauen, schlagen sie uns ein Geschäft vor, das mit panischem Witz und Geschäftsgeist ersonnen ist. (Fortsetzung folgt.)

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