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Der Israelit · 1899-08-17 · Heft 65 (17.8.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 65 (17.8.1899)
Date
1899-08-17
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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1888 befreit hatte. Auch unsere Glaubensgenossen feierten daS Fest in würdiger Weife. Auf Veranlassung des Vorstands unserer Gemeinde, des Herrn I. G ug genheim, wurde beim Gottesdienste am Sabbath Paraschath Ekeb ein besonderes Gebet für den hohen Bundesrath Amman und die gesammte schweizerische Behörde aus hebräisch und auf deutsch in erhebend andachtsvoller Weise verrichtet. Hierauf hielt unser Rabbiner Herr Dr. E. Struck, eine anziehende Festprevigt. Er begann mit einem Verse aus dem hohen Liede: own» Win ,H wn nrrt> \jk „Ich gehöre meinem Freunde, und mein Freuno gehört mir" und schilderte hieran anknüpfend, wie sich die Israeliten der Eidgenossenschaft voll und ganz als schweizerische Bürger fühlten und auch heule zur Zeit des rosenbekränzten Festes dubw2 soll daran erinnert sein, daß die Juden stets Leid und Freud, solange ste in diesem Lande wohnen, mit dessen Einwohnern getheilt haben. Es ist deßhalb auch gleichgültig, und die Geschichte sagt uns darüber nichts, ob unsere Glaubensgenossen sich an dem damaligen Kampfe betheiligt haben. Es war ein heißer Kampf damals und trotzdem die Schweizer in der Minderzahl waren, ist ihnen ein glänzender Sieg verliehen worden. Woran lag das? Das lag daran, daß sie sich nicht auf ihre Schwerter und Schilder, sondern auf die Gnade des Herrn allein verließen. Es ist bekannt, wie damals die Frauen der wackeren Streiter während der ganzen Dauer der Schlacht in heißem Flehen vor ihrem Gotte lagen. Gewiß kannte auch das schweizerische Volk schon damals den Talisman, den der Psalmist uns zeigt und der da lautet : "sr: vpbii n dbo uwni d'wm nSw 2212 nS«. „Diese mit Reitwagen und jene mit Rossen, wir aber mit dem Namen unseres Gottes" uruw wo nvn tiwiji wop „Jene sinken und fallen, wir aber stehen und bleiben aufrecht." Und um was kämpften die damaligen Schweizer? Um die Freiheit! Sie wollten nicht unterjocht sein und das Fehdegesetz anerkennen. Ja, die Freiheit, sie ist ein kostbares Gut! Wenn man liest, wie in anderen Ländern unsere Brüder verfolgt und mißhandelt werden, ihr Vermögen, ja oft ihr Leben in Gefahr steht, so können wir uns glücklich schätzen, daß wir hier in einem Lande leben, in dem man keinen Unterschied der Konfessionen kennt. Hier kann ein Jude die höchsten Ehrenstellen erreichen und ungestört und ungehindert seine Religionsgebräuche üben. „In der Schweiz?", höre ich den erstaunten Leser fragen, „in der Schweiz, in der die Schechita durch Volksabstimmung verboten worden ist? Und doch muß ich bei dem bleiben, was ich gesagt habe. Wohl haben wir mit dem Schechitaverbot einen harten Kampf durchzusühren gehabt, aber man bedenke, daß das Verbot nicht aus der Stimmung des Volkes heraus, sondern nur durch agitatorisches Hetzen entstanden ist und wir glauben bestimmt, daß die Zeit nicht mehr fern ist, in der dies Verbot wieder aufgehoben werden wird. Auch bedenke man, daß in einer ganzen Reihe von Kantonen nicht die geringste Spur von Rischus zu finden ist, wie dies ja auch die Abstimmung über die Schechita seiner Zeit bewiesen hat. Auch wir hier in Solothurn kennen keinen Antisemitismus, wofür wir dem Allgütigen zu besonderem Danke verpflichtet sind. Mit einer geistreichen Erklärung einer Bemerkung Raschi's zum Wochenabschnitte schloß die Festrede, die noch lange bei den Zuhörern im Gedächtniß bleiben wird. Es waren auch viele Touristen und Touristinnen in der Synagoge erschienen, die dem Festgottesdienste beizuwohnen sich veranlaßt sahen. Auch mit der sonstigen Thätigkeit^unsereS Herrn Rabbiners können wir in jeder Beziehung zufrieden sein. Adolph Finkelftein. Uersonaker». Rhoden, 10. Aug. Am vergangenen Dienstag feierte das Ehepaar I. R. Levie das seltene Fest der goldenen Hochzeit; dieses Fest gab so recht Kunde von dem herzlichen Einvernehmen der waldeckschen Bevölkerung. — Mittags 1 Uhr erschienen der Herr Bürgermeister, Deputationen der Behörden, der Kirche u. s. w. Gegeu 2 Uhr ging es dann zur Synagoge in feierlichem Zuge. Voran die Behörden, anschließend die Familie. In der Synagoge wurde feierlicher Gottesdienst abgehalten, der Lehrer und Cantor der Gemeinde, Herr Heymann feierte in schwungvollen Worten das Jubelpaar, sie als eine b'n nm, ihn als wahrhaften p'W. Kein Auge blieb während der sehr ergreifenden Predigt trocken. Rach beendetem Gottesdienste hielt der Herr Bürgermeister im Hause eine Ansprache an das Jubelpaar, in welcher er dasselbe als mustergiltige Juden und Bürger hinstellte. Ein Sohn brachte ein Hoch aus den Fürsten, Lehrer Heymann gedachte der ganzen Familie, von der einzelne Mitglieder aus Holland, sogar ans Amerika gekommen waren. Mittlerweile ging ein sehr gnädiges Schreiben Sr. Durchlaucht des Fürsten Friedrich zu Waldeck ein. Derselbe sandle die herzlichsten Segenswünsche. Es gingen ein über 70 Depeschen, einige hundert Briefe und Karten, darunter ein sehr hübsches Schreiben des isr. Waisenhauses zu Paderborn. Selten hat die hiesige Gemeinde ein solch schönes Fest erlebt, und wünschen ^wir dem Jubelpaare noch viele Jahre ungetrübter Kraft und Gesundheit.

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