Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 64 (14.8.1899)
- Date
- 1899-08-14
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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1851 lichsten aus der Thatsache hervor, daß in der allerjüngsten, auf Initiative des Sligeter 2-1 einberufene Rabbinerkonferenz eben ein hervorragendes Mitglied des rabbinifchen Beirathes unter Zustimmung aller Anwesenden, der Kanzleileitung das vollste Vertrauen der Versammlung aussprach, und derselben für deren ersprießliches Wirken Dank votirte. Daß das offene Schreiben Dr. Sch. bei den Rabbinern keinen Wiederhall finden werde, wußte der Herr ja selbst; wollte er doch nur zum Fenster hinaus zum großen Publikum sprechen. Uno da hat er nicht schlecht calculirt, denn der Wiederhall blieb nicht aus, wenn auch in etwas anderem Sinne, als Dr. Sch. erwartet hatte. Eine Stimme der Entrüstung erhebt sich im ganzen Lande bei den gesetzestreuen Juden, ob dieser Taktlosigkeit, welche der Herr Dr. begangen, sich als Champion einer auf Schädigung der heiligsten Interessen ausgehenden Zeitung aufzuwerfen, um die Kanzleileitung, deren Legalität in solch gehässiger Weise anzugreifen. Dem zur historischen Thalsache ist es bereits geworden, daß die orthodoxe jüdische Kanzlei zu discreditiren, deren Legalität zu leugnen, ihr Ansehen zu untergraben, das seit Jahrzeiten dauernde stetige Streben der hier ländischen Neologie war und ist, denn mit der Vernichtung dieses fixen Punktes, könnte dann die ganzeAutonomieder orth.Juden Ungarns aus den Angeln gehoben werden. Uebrigens hat es seit jeher zu den Schwächen des Herrn Dr. gehört, dem jeweiligen Leiter der Kanzlei gegenüber sich animos zu verhalten; dies war der Fall Ignatz Reich bw gegenüber, gegen den in dem kritischsten Momente ein Flankenangriff von dieser Seite erfolgte, und dies ist der Fall auch dem jetzigen Präses Herrn Lipschütz n gegenüber. - Wir conzediren gerne, daß der Dr. Sch. ein a'Btt» «*1' ist, doch wir gehen weiter und behaupten, daß sein soweit geht, daß wüßte er, wie schädlich sein Auftreten der Orthodoxie werden könnte, er selbst gegen sich das vernichtendste Urtheil auszusprechen, jedenfalls aber seiner journalistischen Thätigkeit entsagend, ganz auf das Gebiet seiner ärztlichen Praxis sich zurückziehen würde. Damit wäre auch seiner eigenen Sache, wie derjenigen der ungarländischen Orthodorie entschieden gedient! bv aibttn. vermischtes Ans dem Grotzherzogthrrm Hessen. Dieser Tage traf ich zufällig einen oberhessischen befreundeten Kreisschul- Inspektor, der mir erklärte, daß es schwer sei, für erkrankte jüdische Lehrer an öffentlichen Schulen Vikare zu bekommen, da die Regierung dieselben nicht zur Staatsprüfung zulasse, weil sie nicht zwei Jahre an einer öffentlichen Schule gewirkt hätten. Es wäre deßhalb eine dankenswerthe Aufgabe der beiden jüdischen Lehreroereine, wenn sie daher Schritte thun tvürden, daß denjenigen Lehrern, welche sich der Prüfung unterziehen wollen, gestattet werde, täglich an einer Volksschule einige Stunden zu unterrichten. Aerrilletp«. iebet eure Weinde." •sxx- #- Tine apologetische Erzählung Von Erturlbf IBttttm. 37) Nachdruck verboten. Wegner zuckte zusammen. „Sie ärgern sich, daß es ihm gut geht?" fragte Melzert. „Mir geht's ja auch schlecht!" war die Antwort. „Sir haben es verdient!" „Und er vielleicht nicht?" „ES ist zum mindesten zweifelhaft, ob er deffen schuldig ist, weffen Sie ihn zeihen!" „Da müßt' er kein Jude sein!" „Schon wieder Jude!" rief Melzert zornig, „Wegner! Das ist ja schon der Helle Wahnsinn bei Ihnen! Nehmen Sie doch Vernunft an! Wer hat Ihnen denn diese judenfeindlichen Ideen eingeimpft?" Wegner gab keine Antwort. „Was denken Sie denn nun anzufangen, wenn Sie herauskommen?" Es war Tettenborn, der mit dieser Frage an Wegner ein anderes Thema anschlug. „Das weiß ich noch nicht!" erwiederte der Gefangene. „Kommen Sie wieder zu uns nach Göllheim!" „Nie, Herr Pfarrer, nie wieder!" Dann setzte er schnell hinzu: „Wo ist Rifka Feist verheirathet?" „In Amerika." Der Pfarrer sagte nicht die Wahrheit. Es schien ihm, als habe Wegner darnach nur gefragt, um seine unsinnigen Rachegelüste an Seligmann Feist s Tochter fortzusetzen. Ein unheimliches Aufleuchten in Wegners Augen schien ihm daraus hinzudeuten. Darum verschwieg er ihm, daß die junge Frau Dr. Kaufmann in H. wohnte. „Also was denken Sie anzufangen?" wiederholte Tettenborn nach einer kleinen Pause. „Ich werde schon was finden!" erwiederte Wegner jetzt. Die gleichen Worte hatte er schon einmal zu dem Pfarrer gesprochen. Ob sie in ihrem Doppelsinne jetzt eine ähnliche Absicht verbargen, wie damals? Die Bemühungen der beiden Geistlichen blieben