Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 62 (7.8.1899)
- Date
- 1899-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M m. Der Israelit. Ein Hentral-Hrgan für das orLHodore Iudenlyum. Begründet von Dr. fte&mitnn ta Dttainf SRotttafl, *tn 7. August 5659 (1899)« Leitender Artikel. Cfyafcmus. -LL Eine 5 e i 1 g c m ä jj e Betrachtung von I. Levermanu -Darmstadt. Zwei Mächte sind es, welche im Stande sind, das Gemütb des Menschell $u erheben und ihm jene hohe Befriedigung zu gewähren, welche, weil sie frei von allen materiellen Sorgen ist, um so freudiger und seliger stimmt. Religion und Kunst sind es, lvelche cm innigsten auf das Gefühlsleben des Menschen wirken, und die Verbindung beider, die Bethätigung des religiösen Gefühls getragen durch reine, edle Aeußerungen der Kunst, war von jeher geeignet, bei allen Völkern die gottesdienstlichen Verricht ungen zn beleben. Namentlich beim israelitischen Volke war die Theilnahme der musikalischen Kunst, vertreten durch den Gesang, beim Gottesdienste in den ältestelt Zeiten ausgebildet und auch in den biblischen Schriften finden sich oft Hinweise, wie der Allgütige mit Gesang und Sailenspiel gepriesen wird. So singen Moscheh und Israel dem Ewigen jenes herrliche Siegeslied am rothen Meere und Mirjam mit allen Frauell vereinigen sich mit Gesang und Spiel zu diesem erhabenen Ergüsse der Dankesstimmung. Ein weiteres Erzeugniß der religiösen Poesie sind das Brunnenlied, sowie der Schlußgesang man, worin Moses seine hingebende belehrende Thätigkeit für sein Volk ausklingen läßt. — Dann bietet uns der Heldengesang vonDeborah und Barak jenes begeisternde Bild dankerfüllter und siegesbewußter Stimmung des Volkes und seiner heldenmüthigen Führer, wie es an poetischem Schwung den höchsten dichterischen Erzeugnissen aller Zeiten an die Seite gestellt werden kann. Im Cultus jedoch erhielt der Gesang eine geregelte Anwendung durch David, den großen Dichter und Sänger, welcher zur Ausführung des von ihm eingerichteten Psalmengesanges levitische Sängerchöre bestellte. Doch ist es allen Forschungen unmöglich gewesen, über die Art und Weise, über die innere Beschaffenheit des Tempelgesanges Näheres festzustellen, sodaß wir mit Sicherheit behaupten können, daß die alt hebräische Tempelmusik verschollen ist. Der Tempel selbst wurde zerstört, Israel unter die Völker zerstreut, aber an Stelle des Tempeldienstes trat in allen Gemeinden der Gottesdienst in den Synagogen und auch in diesem erhielt der Gesang, jenes Element des Tempeldienstes, wiederum eine Stätte. Im talmudischen Zeitalter, wo Trauer über den Untergang des Reiches und des Nationalheiligthums in Israel eingezogen waren, wurde der Gesang von vielen Lehrern der Mischnah und Gemarah als unzulässig verurtheilt. Dennoch hatte derselbe im jüdischen Volksgeist so tiefe Wurzeln geschlagen, daß in die Synagogen jene Vortragsart Eingang fand, durch welche der Stimme eine dem Sinn eines jeden Wortes angemessene Hebung oder Senkung gegeben wurde, und welche Art man mit dem Namen „Sprachgesang" bezeichnete. So wurden schon von Alters her das niv'v TUBE», das P’“ip und die Psalmen vorgetragen. Derselbe Sprachgesang wurde auch beim Lesen der ruts>ö und srnn angewendet und sollte jedenfalls zur Unterstützung des Verständnisses beitragen. Ueber die Zweckmäßigkeit desselben belehrt uns schon ein Ausspruch des pnr 'i in der v: sott vbv mot «Sn rwn nc'v: xbz x-npn bz .s'Äv »6 cpn an1? Tin: m ns „Wer die heilige Schrift liest ohne Melodie und