Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 61 (3.8.1899)
- Date
- 1899-08-03
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XX. Jahrgang. Zweite KeUagr M M 61 -es „Israelit-. Leitender Artikel. Die Trauer- und Trostwochen. Von W. in W. Es ist doch ein Eigenes um ein Volk, das Jahrtausende hindurch nicht nur an den „Bächen Babylons", sondern über die weite Erde hin seine staatlichen Verluste, seine verlorene Nationalität beweint und betrauert — und es ist wiederum ein Eigenes um dasselbe Volk, daß es sich an den vor Jahrtausenden gesprochenen Heilsverkündigungen erhebt, stärkt und tröstet! So ziehen immer wieder die Trauer- und Trostwochen an uns vorüber mit ihren verschiedenen Gefühlen, die einen niederbeugend, die Schwere unserer Verluste uns vorhaltend, an die schweren Vergehungen und Verschuldigungen unserer Vorfahren erinnernd, die andern in eine herrliche Zukunft in alles das uns versetzend, was ein Volk gliicklich, groß und erhaben machen kann. Worin liegt nun diese Eigenthümlichkeit, worin diese Ausdauer, dieses Festhalten an dem Einen wie Anderen? Eigen, ja recht eigen ist dieses Volk, und die an ihm hervortretenden Erscheinungen lasten sich nicht nach andern, nach gewöhnlichen Verhältnisten berechnen asrnrr üb -nab 27 p. „Siehe, es ist ein Volk, das ganz eigen ruht und nach den Verhältnisten anderer Völker sich nicht berechnen läßt" hat schon sein größter Feind Bileam bekennen müsten. Der Grundzug seines ganzen Wesens von Anfang bis zu Ende ist eben die Religion, seine Lebensaufgabe Idealismus, seine Stellung in der Menschheit eine dem Geistigen dienende D’:na na^os 'v, eine Völkerpriesterliche. Daher waren auch seine staatlichen Einbuse nicht blos politischer Natur, sondern galten hauptsächlich dem Idealen, den geistigen Werthen. Selbst als das jüd. Reich von Königen regiert wurde, hatte es seinen theokratischen Charakter nicht aufgegeben; denn auch diese standen unter dem Gesetze, unter dem Gottesgesetze. Waren ja auch thatsächlich mit der staatlichen Auflösung so viele geistige Güter verlustig gegangen! Mit der Zerstörung des Tempels und Jerusalems war nicht nur ein Kunstbau, nicht nur eine herrliche, volkreiche Stadt mit all ihren Kunstschätzen und Reichthümern vernichtet, sondern auch die Stätte, an der sich das religiöse Leben der Nation concentrierte, an der man sich Gott näher fühlte, waren dahin die Sühn- und Erbauungsmittel, war verwüstet das Fleckchen Erde, worauf Gott seine Majestät ruhen zu lasten versprach. Das waren also Verluste, die ewig fühlbar bleiben, ewig schmerzen mußten, für die es keinen wirklichen Ersatz geben und deren Wunden auch Jahrtausende nicht heilen konnten. Darum darf uns die alljährlich öffentliche Trauer um den Hingang dieser Besitzthümer nicht wundern; sie hängt zu sehr mit dem Wesen des Judenthums, mit seiner Aufgabe, seiner geschichtlichen, nationalen Bedeutung zusammen, als daß es anders sein konnte oder durfte. Und so wie mit seiner Trauer verhält es sich auch mit seinem Tröste, seiner Hoffnung, a'm b*ö nanx nx maa^ iSav ab „Die mächtigsten Zeitströme vermögen nicht zu tilgen die Liebe" zu seinen geistigen Schätzen; die Zukunft, wie sie ihm seine Propheten verheißen, sie bildet seinen Trost, seine Stärkung im Kampfe um sein Heiligstes, sein Wünschen und seine frohe, feste Zuversicht, xa' xa >a rtan nanajv ex* NNX" üb „Mag sie noch so verzögert erscheinen, es harret ihrer; denn sie wird eintreffen, miro nicht ausbleiben." Diese Zukunft mit nationaler Selbstständigkeit denkt man sich aber nicht nach dem Muster, dem Ideale unserer heutigen Zionisten, sondern nach dem Bilde, wie es die göttlichen Männer aus der biblischen Zeit, die heiligen Propheten, uns zeigen, in welchem Israel auf der Höhe des reinen GottesglaubenS, der Sitte, des Friedens und der Tugend steht und allen Völkern hierin voranleuchtet, eine Zukunft, in der die Cultur ihren Höhepunkt erreicht und die Gefammtmenschheit an das Ziel ihrer Aufgabe und Bestimmung gelangt ist. Diesen Glauben an eine solche Zukunft uno die Hoffnung aus dieselbe predigen uns alljährlich die sieben Trostwochen mit ihren Haphtoroth, und mit Recht heißt es nnx irr 2^2X710,-1 ba »rro „Die Israels langjährige