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Der Israelit · 1899-08-03 · Heft 61 (3.8.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 61 (3.8.1899)
Date
1899-08-03
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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1287 ihm geglückt sei, sein Vorhaben durchzuführen. Josef habe ihm durch seine ausgedehnten Verbindungen in der Riesenstadt eine ganze Anzahl Privatstunden verschafft, namentlich bei einzelnen immens reichen jüdischen Familien, die gleichfalls aus Deutschland stammten, ertheile er an die Kinder einen ausführlichen Religionsunterricht, der ihm nicht nur selbst sehr viel Freude bereite und ihm das längst verloren geglaubte Ziel seiner heißesten Sehnsucht wieder zur entzückenden Wirklichkeit gestalte, sondern der ihm auch sehr gut bezahlt würde. Nur das viele Umherfochren in der Stadt sei ihm unangenehm und lästig. Doch hoffe er, auch dem bald abhelfen zu können. Und in der That, nach etwa einem halben Jahre bereits konnte Feist den Seinigen mittheilen, daß es ihm unter Beihülfe seines Bruders gelungen sei, eine private Unterrichtsanstalt zu eröffnen, klein zunächst und unansehnlich, aber doch den Keim zu vielversprechender Entwicklung in sich tragend; ein Zimmer habe er gemiethet, mit einigen Bänken und Pulten, nothdürstig, aber sauber ausgestattet, die Kinder kämen jetzt zu ihm, so spare er das lästige Umherfahren, was die Freudigkeit an seinem neuen Berufe ganz bedeutend erhöhe und ihn auch viel schönere Resultate bei seinen Zöglingen erreichen laffe. Auf eine ausdrückliche Anfrage seiner Frau erwiederte Feist, daß er das Unterrichten, Gott sei Dank, körperlich ausgezeichnet ertrage. Es sei wie ein neuer Geist über ihn gekommen, der die Spannkraft seines Körpers erhöhe und mit der inneren Freudigkeit auch die äußere Gesundheit Hand in Hand gehen laffe. Allerdings, anstrengend sei es für ihn, aber welcher Beruf hätte bei seiner jetzigen Lage hier im fremden Lande keine Anstrengungen mit sich geführt? Und dann, lohnten sich die Anstrengungen nicht? Werde er nicht von den beglückten Eltern wie eine Art Rattenfänger von Hameln betrachtet? Folgten ihm die Kinder nicht auf einen Wink und hingen sie nicht an ihm mit einer wahrhaft abgöttischen Liebe? Und lernten sie nicht spielend, selbst jene, die schwer begriffen und weniger begabt seien? Die Eltern sähen ja, welchen Schatz sie an seiner Lehrkraft besäßen, da kargten sie denn bei ihrem meist ungeheuren Reichthum auch mit dem Honorar nicht, sondern bezahlten ihn gut, über Erwarten gut. Dazu sorgten sie durch persönliche Empfehlung für die Vergrößerung seiner Lehrkurse, und es werde nicht mehr lange dauern, so müffe er sich nach einer allerdings nicht sehr kostspieligen Hilfskraft umschauen, zumal er sich mit dem vielleicht allzukühnen, aber doch ernsthaften Gedanken trage, nach und nach auch die profanen Fächer, namentlich moderne Sprachen, Geographie und Raturwiffenschaft in den Kreis des Unterrichts aufzunehmen. Eine gütige Vorsehung schien dem schwergeprüften Mann in dem neuen Lande Glück und Gelingen zu schenken, nachdem er in der Heimath die wehrlose und unschuldige Zielscheibe eines grundlosen Haffes gewesen. Sie schien ihm wie einst dem großen Dulder Hiob all das in vermehrtem Maße wiedererstatten zu wollen, was er durch die feindliche Hetze eingebüßt hatte. Und so kam denn der Tag, an welchem bei Frau Hannchen Feist in Göllheim ein Brief ihres Mannes einlief, der den Wunsch enthielt, sie möchte mit den Kindern, so bald als es irgend anginge, ihm Nachfolgen in die neue Welt und in das neue Leben. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so meinte er, dann werde seine Unterrichtsanstalt in einigen Jahren einen Umfang annehmen, der ihr den Charakter einer regelrechten Schule geben würde. Bis dahin aber bedürfe es ernster, andauernder Arbeit und dazu wiederum eines regelmäßigen, häuslichen Lebens, nach welchem er eine heiße Sehnsucht empfinde. Für David, so bemerkte Feist ausdrücklich, werde sich vielleicht doch noch, wenn auch mit einiger Verspätung, Gelegenheit zur geistigen Fortbildung bieten und Rifka — nun für sie werde sich in dem „Goldlande" wohl bald eine andere Unterkunft finden. Nach Dr. Kaufmann fragte Feist mit keinem Wort. Der „Bräutigam", der einfach die Braut aufgegeben, weil er sie im Unglück sah, schien für Feist nicht mehr zu existieren. Mit einer geradezu fieberhaften Hast trafen die drei ihre Vorbereitungen zur baldigen Uebersiedlung. Namentlich David, der sich inzwischen zu einem stattlichen jungen Manne ausgewachsen hatte, zeigte sich wacker und umsichtig bei der Erledigung jener tausend Kleinigkeiten, die eine so totale Umänderung des Lebens mit sich brachte. Er brannte förmlich vor Ungeduld, seine Studien fortsetzen zu können und suchte deshalb schon aus diesem Grunde die Abreise möglichst zu beschleunigen. Was dieselbe aber trotzdem über Gebühr verzögerte, das war eine ungeahnte Schwierigkeit, die sich ergeben hatte. Man wollte das Haus verkaufen und fand keinen Käufer dafür. Woran das lag, war ein Räthsel. Feift's vermutheten, daß Wegner auch hier wieder seine Hand im Spiele habe und ihnen durch diesen neuen Streich das Leben verbittern wolle. Ihre Vermuthung traf wohl das Richtige, aber es blieb dabei immer noch räthselhaft, welches denn der liefere Grund für Wegner war, um den Kauflustigen abzurathen und ihnen das Grundstück als nicht preiswerth hinzustellen. Gewiß wollte er den Kaufpreis Herabdrücken und bewirken, daß Feift's bei ihrer Lage genöthigt seien, das Haus um ein Spottgeld hinzugeben. Wie dem aber auch sein

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