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Der Israelit · 1899-07-27 · Heft 59 (27.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 59 (27.7.1899)
Date
1899-07-27
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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1260 Worte gewechselt wurden. Das Bankett fand anläßlich der Anwesenheit des Kalocsaer Erzbischofs Georg Csaszka in Baes-Kula statt. Bei dieser Gelegenheit saß der Rabbiner neben dem griechischorientalischen Seelsorger. Dieser hielt einen Toast, worin er sagte: „Liebet einander, so wie ich Euch liebe", worauf der Rabbiner den Spruch der Bibel citirte: „Einen Vater haben wir Alle, ein Gott hat uns erschaffen". Hierauf hielt der Erzbischof eine Rede, in der er mit begeisterten Worten dieses Beispiel interconfessioneller Eintracht pries. Wir hätten dem nur noch eines beizufügen: Wie schön wäre es, wenn man nicht bloß in Ungarn, sondern auch diesseits der Leitha von den Vertretern der Religion der Liebe derartige erbauliche Aeußerungen vernähme. England. London (Lord Lister über den Antisemitismus.) Der bekannte Arzt Dr. W. M. Haffkine, der sich große Verdienste um die Bekämpfung der Pest in Indien erworben hat, war jüngst in London Gast des Clubs der Maccabaens. Bei dem ihm zu Ehren gegebenen Festmahl hielt Lord Josef Lister, der berühmte englische Chirurg, folgenden Toast: „Ich gestehe, daß ich nicht vorbereitet hierher komme, um über die Prinzipien und Thätigkeit des Mr. Haffkine einen Bericht abzustatten. Vor 6 Jahren sah ich ihn zum ersten Mal, als er im Begriff war, nach Indien zu gehen, um durch Einimpfungen der Cholera vorzubeugen. Es bestanden große Zweifel, ob das vorgeschlagene Mittel sich gegen die Cholera wirksam erweisen würde, jedoch erzielte Mr. Haffkine wunderbare Resultate damit. Unerschrocken, wie er ist, versuchte er es zuerst an sich selbst. Es giebt Viele, die da behaupten, daß Aerzte unmenschlich wären und die Letzten in der Welt, denen man Vertrauen entgegenbringen dürfe. Ich glaube nicht, daß die Maccabaens ebenso denken. Er versuchte zwei Mittel zugleich und kam zu dem Resultat, daß die strengere Form durch die Anwendung des milderen Mittels abgeschwächt wurde. Mr. Haffkines Bestreben war darauf gerichtet, nicht nur Menschenleben retten, sondern auch Vorurtheile der Eingeborenen zu bekämpfen. Mit der größten Schwierigkeit konnten die Eingeborenen zu einer Impfung bewogen werden, für die ihnen sogar Entgelt geboten werden mußte. Endlich lernten sie einsehen, daß ihnen durch einen Europäer eine so große Hilfe zu Theil wurde, und dies erfüllte sie mit Dank gegen die weiße Raffe, Mr. Haffkiue hat sich um Indien große Verdienste erworben und durch letzteres Brittanien sich verpflichtet. Er hat eine bewunderungswürdige Beharrlichkeit in der Ueberwindung ungeheurer Schwierigkeiten bewiesen. Während wir aber auf der einen Seite seine hervorragenden Geisteskräfte bewundern, müssen wir andererseits auch seinem Charakter gerecht werden. Er ist ebenso bescheiden wie befähigt. Die Selbstverleugnung, mit welcher er jahrelang sein Leben den Gefahren aussetzte, seine Gesundheit mißachtete, nur gegen die Pest mit Selbstaufopferung kämpfte, ist einfach heroisch. Es giebt Einige, die ihm seine Befähigung, seinen Erfolg absprechen wollen, weil er Jude ist. Ich bin glücklich, sagen zu können, daß so unedle Beweggründe in diesem Lande nicht existiren. Es giebt nichts Verächtlicheres als den Haß gegen die jüdische Rasse, welche die edelste auf Erden ist, und der Christ schuldet alles, was er verehrt, alle seine Hoffnungen, alles, was er hochhält, ihnen. Die außerordentliche Liebenswürdigkeit, mit welcher ich heute Abend empfangen worden bin, macht es mir unmöglich, meine Empfindungen, wie ich es so gern möchte, zum Ausdruck zu bringen. Ich war betroffen, beim Lesen einer mir vom Chief Rabbi übermittelten Predigt dieselben Worte wiederzufinden, welche auch wir Christen Hochhalten : „Seid barmherzig, wie Euer himmlicher Vater barmherzig ist." Diese Worte rührten mich sehr, da sie mir zeigten, wie Christen und Juden sich nähern können, und ließen mein Herz höher schlagen. Diese That ist wohl nicht würdiger zum Ausdruck gebracht worden als in dem Wirken des Mannes, dem ich heute einige Worte der Anerkennung zu sagen die Ehre hatte." Afrika.? Pretoria Präsident Krüger empfing abermals eine jüdische Deputation, die ihn bat, den jüd. Einwohnern von Transvaal auch das passive Wahlrecht zu bewilligen, damit auch die Juden in den Volksraad, das Abgeordnetenhaus von Transvaal, eintreten könnten. Krüger antwortete aber ablehnend: er habe den Inden bereits das Stimmrecht gegeben, was ihnen Rußland nicht einmal bewillige; ehe er ihnen andere Rechte gewähren könne, müßten sie sich noch eine Zeitlang gedulden. Jedoch behalte das Gouvernement diese Frage immer im Auge. Mit diesem beinahe ablehnenden Bescheid mußte sich die Deputation einstweilen zufrieden geben. Buluwayo. Die Medaillen für die Soldaten, welche in dem Aufstand der Matabele im Jahre 1896 gefochten haben, sind jetzt zur Vertheilung gelangt. Unter unseren Glaubensgenoffen in der hiesigen Gemeinde sind mit diesen Medaillen ausgezeichnet worden: Lieutenant Hirschberg, Sergeant Harry M. Zeffert, Sergeant A. Tayfild, Korperal M. D. Löwenstark, die Reiter M. I. Löwenstark, R. D. Hansen, H. Rosenberg, Samuels, D. Butt, Berger Lenis und die Kanoniere Salomon Jacobs und N. Plateauer. Interessant ist, daß in dem ersten Matabelekrieg im Jahre 1893 ein Jude, der Reiter Walters, das erste Opfer dieses Krieges war.

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