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Der Israelit · 1899-07-27 · Heft 59 (27.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 59 (27.7.1899)
Date
1899-07-27
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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1247 einfach muthig Halt machen? Weshalb halten Sie's mit den Antisemiten? Doch wohl, weil Sie die Schädlichkeit und Gemeingefährlichkeit des Judenthums erkannt haben! Nun, und hier, wo sich diese Gemeingefährlichkeit in einem einzelnen Falle erwiesen, predigen Sie jetzt auf einmal Liebe und Güte statt kräftige Abwehr und entsprechende Vergeltung? Und mir, der ich meine vermaledeite Judenfreundschast so bitter büßen mußte und die Frechheit und Gemeinheit der Juden am eigenen Leibe zu erfahren hatte, mir geben Sie Unrecht, wenn ich mich wehre, wie ich kann? Ach, gehen Sie, Herr Pfarrer, Sie sind gar kein echter Antisemit! Da war unser Biesfeld ein anderer Kerl! Der hatte den Juden gleich durchschaut, und wie er mir's vorausgesagt, so traf's auch ein!" Der Pfarrer fragte, was Wegner damit meine und ließ sich dann die ganze Geschichte des Holzkaufes haarklein erzählen. Als Wegner geendet hatte, fügte er seiner Erzählung mit fester Stimme die Worte hinzu: „Nun sollen Sie mir sagen, Herr Pfarrer, ob ich nicht Recht habe!" „Wie dem auch sei", erwiederte dieser, „Böses mit Bösem vergelten dursten Sie nicht, Wegner! Sie sind Christ und der Christ soll auch seinen Feinden nichts Uebles thun. So will es unsere Religion. Aber —" er fuhr mit etuein Seufzer fort, „was geschehen ist, das ist geschehen. Sie haben gesündigt gegen das Gebot Christi. Hätten Sie fleißiger die Kirche besucht, so wären Sie wohl nicht auf so schlechte Gedanken und nicht zu einer so schlechten Handlungsweise gekommen!" „Aber ich wiederhole Ihnen doch", entgegnete Wegner lächelnd, „daß Sie selbst gerade in der Kirche die antisemitische Sache verfochten haben! Da wäre ich in meinen Gedanken wohl erst recht bestärkt worden!" „Sie irren, lieber Wegner! Ich zweifle sehr, ob der Kandidat, deflen Wahl ich indirekt empfohlen habe, einer Handlungsweise zustimmen würde, wie Sie sie an Feist geübt haben. Man kann ein Gegner der Juden sein und braucht deshalb noch nicht selbst zum — zum —" er suchte nach einem Wort — „zum — Thiere zu werden. Denken Sie nur an die Räuberszenen, die sich nach der Wahl hier in unsrem Göllheim abgespielt haben! Das war nicht mehr menschlich! Man muß immer seine Besinnung behalten, Wegner. Rur nicht unvernünftig! Nur nicht dem Triebe des Augenblickes blindlings folgen! Stets hübsch überlegen! Blinder Eifer schadet nur! Ihr konntet damals von Glück sagen, daß unsere Polizisten so nachsichtig waren. Sie stacken gewiß mit Euch unter einer Decke!" Wegner hatte den Pfarrer ruhig ausreden lassen. Seine Antwort bezog sich nur auf die ersten Sätze des Pfarrers: „Nun werd' ich Ihnen mal was erzählen, Herr Pfarrer", sagte er, immer noch lächelnd, „am Morgen nach der Wahl erhielt ich aus H. einen Brief von Herrn Biesfeld, von dem ich übrigens seitdem nichts mehr gehört und gesehen habe. Da schrieb er mir, wie niederschmetternd die unerwartete Niederlage für ihn und für alle Parteigenossen gewesen sei. Unser Kandidat selbst habe sich mit besonderem Interesse von den Vorgängen in Göllheim erzählen lassen. Wollen Sie wissen, Herr Pfarrer, was derselbe gesagt hat, als man ihm berichtete, daß den Gollheimer Juden die Fenster eingeworfen worden seien? Wollen Sie's wissen? Nun — er hat gesagt: „So ist's recht! D^s ist noch lange nicht genug! Es muß noch viel schöner kommen!" Da wissen Sie, wie unser Kandidat darüber denkt!" „So?" erwiderte Tettenborn, „das bedaure ich sehr! Da werde ich doch das nächste Mal für Aufstellung eines anderen antisemitischen Kandidaten thätig sein, der solche Gewaltthaten nicht gutheißtl" „Wenn Sie einen finden, Herr Pfarrer! Die Gemüther sind zu erbittert gegen die Juden! Da kann der Herr Kandidat selber nichts machen. Man hat uns nun einmal die Augen geöffnet über die Bande! Da muß man es schon hinnehmen, wenn uns mal die Galle überläuft-" „Uns —?" fragte der Pfarrer, „wen meinen Sie denn mit „uns"? Die Gollheimer vielleicht? Ich Hab' mir sagen lassen, daß die den Skandal in jener 'Nacht gar nicht angezettelt haben. Die fremden Agitatoren, die bezahlten Schlepper und Zettelvertheiler, die man hierher stationirt hatte, die allein sind's gewesen. Die haben gehetzt und gebohrt und geschürt, bis die paar Gollheimer mitgelobt haben und unter diesen waren Sie der erste. Na, also, wie gesagt, lieber Wegner, die Sache ist geschehen, lassen Sie's jetzt genug sein. Sie haben dem Feist nun heimgezahlt, geben Sie jetzt Ruhe — —!" „Jetzt lachte Wegner voll Hohn, „gerade jetzt -" „Wieso?" „Na, weil der Jude wieder auf dem besten Wege ist, aufs Neue nach oben zu kommen! Wissen Sie denn nicht, Herr Pfarrer?" „Ich weiß nichts!" „Na, also er ist vorige Woche ausgekniffen, nach Amerika. Da hat er 'nen reichen Bruder. Der wird ihn schon wieder raufrappeln! Dann läßt er Frau und Kinder Nachkommen und hat's drüben noch besser als hier. Und ich-" er wurde immer wüthender, „ich, Herr Pfarrer, ich gehe immer weiter zurück. Mir hilft keiner. Ich muß die Suppe ausessen, die der verflixte Jude mir

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