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Der Israelit · 1899-07-20 · Heft 57 (20.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 57 (20.7.1899)
Date
1899-07-20
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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1220 Else Sitzung Des deulscheu Reichstags im Jahre 1999. _ Der frühere Staatssekretär Alphons des Zweiten, Herzog von Ferrara, Herr Antonino Montecatino (früher Awrohom Käsberg aus Lodz) gibt jetzt in den Vereinigten Staaten von Amerika eine neue jüdische Zeitung unter dem Titel „The Arizona Kicar Lechem“ heraus, der wir folgende Schilderung einer deutschen Reichstagssitzung in hundert Jahren entnehmen. Im Voraus fei bemerkt, daß die Namen derjenigen Abgeordneten, die etwa Aehnlichkeit mit den Namen der jetzigen besitzen, die Urenkel derselben sind. DaS Haus ist erleuchtet mit den neu erfundenen Stearinkerzen des Herrn Professor Ahlwardt. Dieselben haben den ungeheuren Vortheil vor den seither üblichen elektrischen Nernst'schen Lampen, daß dieselben keiner Leitung bedürfen, in jedem Hause kann man jede mitgebrachte Kerze anstecken und der Straßenboden, der beute schon von hundert verschiedenen Arten von Leirungen durchwühlt ist, kann hierdurch geschont werden. Nachdem der Präsident die Sitzung eröffnet hat, ergreift Abgeordneter Rickert das Wort: „Ich muß hier meinem Erstaunen darüber Ausdruck geben, daß der Reichstag dem Herrn Profeffor Ahlwardt eine Dotation von mehreren Millionen bewilligt har für eine Erfindung, die eigentlich gar keine ist, schon im vorigen Jahrhundert war der Gebrauch von Stearinkerzen allgemein üblich und derselbe ist im Laufe der Zeit nur wieder in Vergessenheit gerathen." Abg. Jsaac Löwenstein: „Daß Herr Rickert die Verdienste meines Glaubensgenoffen Ahlwardt herabzumindern sucht, finde ich bei seiner antisemitisch angehauchten Anschauungsweise nur begreiflich. Herr Rickert hat in voriger Sitzung behauptet, die Raffe des Herrn Ahlwardt sei gar nicht im Stande, große Erfindungen zu machen. Nun, ich möchte dem Herrn Rickert auf seinen Beweis, daß die Stearinkerzen schon im vorigen Jahrhundert existirt haben, den Gegenbeweis erbringen, daß die Familie des Herrn Ahlwardt im vorigen Jahrhundert noch dem Christenthum angehört hat. Erst der Großvater unseres Herrn Professor ist, da er als gänzlich verarmter Sohn eines antisemititchen Abgeordneten von dem Berliner jüdischen Verein Malbisch Arumim während seines ganzen Lebens hindurch unterstützt worden ist, aus Dankbarkeit zum Judenthum übergetreten." Abg. Rickert: „Hören Sie auf mit Ihrem Blödsinn, am Ende wollen Sie mir noch beweisen, daß mein Großvater ein berühmter Judenschützer gewesen sei." Löwenstein: „Gewiß war er das und es ist traurig, daß der Enkel nicht mehr Sympathie für dieselben bezeugt." Abg. Gras Pückler: „Meine Herren, lassen wir diesen unerquicklichen Streit, im Giunde genommen ist es doch ganz gleichgiltig, ob die Vorfahren der Herren zu den Philo- oder Antisemiten gehörten, das meine Herren kann ich Sie auf das Bestimmteste versichern, meine Vorfahren gehörten ebenso wie ich, stets und immer zu den Antisemiten, schon einer meiner Ahnen hielt in Klein Tschirne, wo wir früher wohnten, am Ende des vorigen Jahrhunderts eine Rede, die ganz Israel damals fast zur Verzweiflung trieb und meine Herren, wenn es damals nicht gelang, Juva aus den deulschen Gauen auszutreiben, so lag die Schuld daran, das dasselbe damals noch eine ungeheure Macht besaß. Sie Alle, meine Herren, wissen, daß die Juden, so wie sie es heute sind, schon seit Jahrtausenden ein ackerbautreibendes, elendes Hirtenvolk waren, während wir Germanen stets die Intelligenz repräsentirten, so wie wir heute die Börse, den Handel und die Industrie beherrschen, während der dumme Jude nichts weiter kann und weiß, als seine Scholle bebauen; so war cs von jeher und nun passen Sie aus, wie schlau diese Juden früher gewesen, so lange sie noch das Heft in Händen halten, da machten sie Gesetze gegen die Börse, gegen den Detailhandel, sie führten das Sonntagsruhegesetz ein, das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und noch viele andere direkt gegen die Christen gerichtete noch heute giltige Gesetze; meine Herren, seit den zwanzig Jahren, daß ich Präsident der Berliner Börse bin, denke ich darüber nach, wie man diese mittelalterlichen jüdischen Gesetz", die eine Schmach unserer fortgeschrittenen Zeit sind, wieder beseitigen kann, aber nun, da ich die Ehre habe, diesem hohen Hause anzugehörcn, werde ich nicht eher ruhen, bis damit vollkommen aufgeräumt ist." Abg. Löwen st ein: „Der Herr Vorredner stellt alle historische Thatsachen auf den Kopf. Die Juden sind nicht, wie dies heute der Fall, vorwiegend Ackerbauer gewesen, sie waren im vorigen Jahrhundert vorwiegend an der Börse und int Handel thätig und gerade gegen sie sind die von dem Vorredner erwähnten Gesetze gemacht worden." Graf Pückler: „Herr Löwenstein wird am

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