Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 56 (17.7.1899)
- Date
- 1899-07-17
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449005--48679-2499082- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XI4. Jahrgang. Beilage;u M 56 des „larnetif*. Dr. Israel Hildesheimer JTJ«. Die Trauerfeier in den Gemeinden. ZL e d e des Herrn Anbbjnkli D^. Khrentreu gehalten in bcv ©i)nnßogc derGemeinde DpV' “tin München am (3Nn 'D) 0. 3 u li 1 Hl)9. Wir müssen uns selbstverständlich daraus beschränken, die fast einstündige, inhaltsvolle, eine Fülle scharfsinniger Gedanken und geistvoller Auslegungen bergenden Rede nur im Auszug wiederzugeben und lediglich die wichtigsten Stellen hervorzuhebeu. Nach dem Minchagcbete bestieg Herr Dr. Ehrentreu die Kanzel und leitete seine Ausführungen ein: Der Anfang des Monats Ab, mit welchem alljährlich für Israels Gemeinschaft die Tage erhöhter nationaler Trauer beginnen, ist für uns heute doppelter Trauer unb schmerzlicher Erinnerung geweiht. Eine zweite nationale Trauer wirft ihre düsteren Schatten auf diese Tage und zu der überlieferten, Jahrtausende alten Klage, ist eine neue hinzugekommen. Ganz Israel, besonders alle gesetzestreuen Kreise Israels auf dem weilen Erdenrund haben einen p-m einen zweifachen Verlust in diesen Tagen zu beklagen und neben dem von Generation zu Generation seit grauer Vorzeit sich fortpflanzenden Schmerze um den Sturz des National-Heiligthumes, ertönt in diesen Wochen aus Hunderten von Gotteshäusern die Klage: „Fürwahr, Ihr sollet wissen, daß ein Fürst im Reiche des Geistes, ein Gewaltiger au Thatkraft und Frömmigkeit in Israel gefallen ift." Denn ein -itr war der Mann, der vor einigen Wochen sein thatenreiches, Gott geweihtes und von Gott gesegnetes Leben beschloß. Wenn ein solcher Mann aus dieser Zeitigkeit scheidet, ist er seinem ganzen Ze-talter abgestorben, denn derart große Männer gehören nicht bloö ihrer Gemeinde, nicht blos dem Lande ihrer Geburt, sie sind Gemeingut von Gesammt-Jsrael, sie gehörcit zu unserem nationalen Besitzstand, sie sind unser theuerstes Besitzthum, umsomehr, je mehr sich die Reihen solcher Größen lichten. So tvollen auch wir diese schmerzliche Stunde weihen der Betrachtung über die Größe des Verlustes, den Gesammt-Jsrael erlitt, durch den Heimgang des einzigartigen, unvergeßlichen Mannes -j^’TiDinyn bxnTj: Tvre inum px:n "n. Was Israel Hildesheimer neben seiner ausgebreiteten Thorakenntniß und seiner hervorragenden Lehrthätigkeit noch besonders auszeichnete, was seinen Tod zu einem Doppelverlust für uns macht, das werden wir wohl erst einsehen, wenn wir uns vergegenwärtigen, welche Eigenschaften der Führer Israels in sich vereinigen soll, um seiner Stellung ganz und voll gerecht zu werden. An einem der jüngsten Wochenabschnitte lasen wir die tiefempfundene, von treuer Fürsorge für sein Volk eingegebene Bitte des großen Führers Moscheh: „Möge doch der Ewige, der Gott der Geister, alles Fleisches, einen Mann über die Gemeinde bestellen, der vor ihnen aus- und vor ihnen einzieht, der sie aus- und einführt, auf daß die Gemeinde des Ewigen nicht sei gleich einer Heerde, die keinen Hirten hat." Ein Führer Israels muß zwei scheinbare Gegensätze in sich vereinigen, ein Mann des Friedens und der Milde, aber auch des Kampfes, des rücksichtslosen Streites für seinen Gott zu sein. Wenn der Prophet Elischa beim Abschied von feinem Lehrer ünd Meister Elijahu um -me o':k’ ’b bittet, können wir uns da denken, daß Elischa wirklich so unbescheiden, so vermessen gewesen, seinen Meister um das Doppelte überragen zu wollen. Wenn auch die Antwort Elijahus n'rpn fwS, „Schweres hast Du verlangt", diese Annahme nicht so ganz grundlos erscheinen läßt, so dünkt es uns doch berechtigter zu glauben, Elischa habe damit die Bitte ausdrücken wollen: Möge das Zweifache, das Doppelte i n Deinem Geiste auch auf mich übergehen. Denn in der Thal, in dem Charakter, im Geiste, in der Person Elijahu's finden wir ein Doppelwesen verkörpert. „Geeifert, geeifert, habe ich für den Gott der Heerscyaaren, sagt er von sich." Wir sehen ihn einem zürnenden Racheenzel gleich im Weingarten des Nabot erscheinen, wie er dem Achab zudonnert: „Du hast gemordet und willst nun Erbe sein". Es ist uns bekannt, mit welcher Schärfe, mit welch unbeugsamer Energie er dem Achab und dessen verbrecherischem Weibe Jfibel entgegentrat, wir wissen ferner von ihm, wie er am Berge Karmel auftrat und die Baalspriester und Götzendiener erbarmungslos niedermachcn ließ. Dies alles läßt uns diesen Propheten erscheinen als einen unerschrockenen Kämpfer, der erfüllt ist vom heiligen Zorne und der beseelt ist vom glühendsten Glaubenseifcr. Wir kennen diesen wunderbaren Gottesmann aus Israels Vorzeit aber noch von einer ganz anderen, scheinbar entgegengesetzten Seite. Er gilt uns. als der msie nwa *irao, als. der Freudenkündiger, der Bringer guter Botschaften, er ist der unsichtbare Thcilnehmer an allen unseren Familienfesten. Wenn ein K nd in den Bund Abrahams ausgenommen wird, wenn wir die Feier unserer