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Der Israelit · 1899-07-17 · Heft 56 (17.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 56 (17.7.1899)
Date
1899-07-17
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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1191 sich nuf dem Katheder. Mit der größten Aufmerksamkeit hingen seine Hörer an seinen Lippen, aus denen sie stets reiche Belehrung und vielfache Anregung empfingen. In die vielfachen Gebiete, die er mit souveräner Sicherheit beherrschte, führte er seine zahlreichen Jünger ein. Sie werden gleich den zahlreichen Werken der, ach, gar so frühzeitig Heimgegangenen seinen Ruhm verkünden und sein Andenken bis in die spätesten Zeiten bewahren. Neuilletorr. iebet eure Weinde." -SB-"#--#» Eine apologetische Erzählung Von Arnold Mnnn 2?) Nachdruck verboten Benedikt gerieth in einen schweren inneren Zwiespalt, als er die Eröffnungen seiner Mutter entgegengenommen hatte. Er kannte seine Mutter, er wußte, was für eine Natur sie war. Der Stolz, mit dem sie seit je ans ihn hinschaute, rührte ihn; ja auch den Ehrgeiz, der sich in ihr mit diesem Stolze mischte, empfand er nicht unangenehm. Er war Mann genug, und Mensch genug, um sich zu sagen, daß schließlich all jene Wünsche und Pläne dem reinsten aller Herzen, dem Muttcrherzen entsprangen, daß ihnen alle nur die eine, heiße Sehnsucht zu Grunde lag, den einzigen Sohn so glücklich, so zufrieden zu sehen, als nur irgend möglich. Mochte das Mutterhcrhcrz dieses höchste seiner Ziele auch auf verfehlten Wegen erstreben, mochte der heilige Eifer, für das Wohlergehen des Kindes zu sorgen, auch in liebereifer ausarten, den Sinn der Mutter blenden und in ihr das gesunde Urtheil über das, was den Menschen wahrhaft glücklich macht, erstickt haben — immerhin, es war ein aufrichtiger Eifer, von dem sie beseelt war, und die Quelle, aus der dieser Eifer hervorströmte, war der schönste und herrlichste, der je auf dem Grund einer menschlichen Seele entsprungen, der Quell reinster und erhabenster Mutterliebe! Und weil Benedikt von all dem überzeugt war, darum hatte er Nachsicht mit seiner Mutter, ertrug er geduldig ihren Uebereifer und empfand es trotz allem als eine Art Unrecht, daß er ihr nicht zu Willen sein konnte. Aber er konnte es wirklich nicht. Er sah sein Glück in seiner Liebe zu Rifka, mochte sie ihm auch keinen Pfennig mit in die Ehe bringen! Und er hatte doch ein Recht auf das Glück, das er sich ersah; er war doch nicht nur Sohn, er war in erster Linie Mensch, Jndididuum, und mochte die Mutter tausendmal in der Ehe mit Riika Feist ein Unglück sehen: Hier galt nur seine Empfindung, hier war die natürliche Grenze für die Ansprüche des Mptterherzens, und wie bei der Geburt des Kindes Körper sich losringt aus der Mutter Schoß, so entwand sich bei diesem Wendepunkt des Daseins das Kind dem sorgenden Schutze der Mutterliebe, um sich selbst sein Glück zu schmieden nach des eigenen Herzens Empfindung. Wir sehen, daß Benedikt den Widerstand seiner Mutter durchaus nicht leicht nahm Er vcrurtheilte diesen Widerstand nicht; er suchte ihn zu erklären. Ueber das Eine kam er nicht hinweg, daß er jedenfalls, wenn er seiner Neigung folgte, der Mutter Schmerz bereiten würde. Das wurmte ihn, darum suchte er nicht nur äußerlich sein Vorhaben durchzusetzen, er suchte auch innerlich die Mutter zu überzeugen : Ein schweres, ein aussichtsloses Unternehmen. Auf der Seite der Mutter gewahrte er den ganzen, tiefen Eigensinn, den ein durch lange Jahre gehegter Gedanke erweckt, gewahrte er eine Festigkeit, die allen Vernunftgründen unzugänglich war, für die cs nichts, gar nichts gab, als die Erfüllung ihres Wunsches! Was vermochte er dagegen mit seinen inneren Gründen, mit seinem Hinweis auf Liebe, wahres Glück, echte Befriedigung? Was vermochte er mit seiner ausführlichen Darlegung über den Werth des Geldes, mit seiner Behauptung, daß Geld weit öfter Unglück als Glück bedeute, und daß Gesundheit, das höchste Gut, dessen sie gottlob alle sich erfreuten, mit irdischen Gütern doch nicht zu erkaufen sei? Die Mutter stimmte ihm bei, aber — das Mutterherz kennt keine Logik — die Konsequenzen zog sie nicht. Vielmehr faßte sie nach stundenlanger Verhandlung ihr Urtheil in die charakteristische Behauptung zusammen, eine Verbindung, die derart dem Willen der Mutier zuwider sei, wie die seine mit Rifka, könne dem Sohne kein Glück bringen. Nur der Eltern Segen baue den Kindern Häuser! Während dieser Aussprache mit seiner Mutter empfand es Benedikt zuweilen als eine Versündigung gegen Rifka und gegen den Herzensbund, den er mit ihr geschloffen, daß er überhaupt in solche'Verhandlungen sich einließ. Er sagte sich in manchen Augenblicken, seine Liebe müsse so hoch und so erhaben über allen Zweifeln dastehen, um einer Verteidigung überhaupt zu widerstreben. Er sah das Heiligste, das er in sich trug, entweiht und geschändet, weil er ihm mit dem kühlen Element des Verstandes nahetretcn mußte, und er fühlte einen Zorn gegen sich selber in sich aufwallen, daß er sich dazu hatte Hinreißen kaffen, um Rifka zu markten und zu feilschen. Dann brauchte er nur wieder sein Auge auf die

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