Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 56 (17.7.1899)
- Date
- 1899-07-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Xlt. Jahrgang. M SO. Ein Der Israelit Aenlrat-Hrgan für das orthodore AudentHum Begründet von Dr. in ntnin) Montag, de« 17. Juli 8«8S (18VS). Leitender Artikel. Bekenntnisse schöner Seelen. Zu den „neun Tagen" erscheint der Bericht über die zu jPfingsten abgehaltene erste Hauptversammlung der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands. Achtzehn schöne Seelen hatten sich zu löblichem Thun versammelt, und sind auch die Dinge, die man aus dem Protokoll über die Tagung erfährt, eigentlich viel zu amüsant, um in dieser Woche zeitgemäß zu sein, so kann ich es mir doch nicht versagen, auch den Lesern dieser gesch. Blätter von dem Jntereffanten Kenntniß zu geben, weil es nur zum Lachen — wäre, wenn es nicht traurig wäre. Zunächst erzählt der Bericht von der erfreulichen Thatsache, daß ganze 48 deutsche Rabbiner der Vereinigung sich angeschlossen haben. Das ist auch von unserem Standpunkt erfreulich; denn, wenn „die liberalen Rabbiner Deutschlands" nur 48 sind, dann bleiben noch immer ca. 200 Nichtliberale, also Konservative. Oder gibt es wirklich drei Parteien, wie ein jüdisches Blatt im vorigen Jahre in der allgemein als Scherz aufgefaßten Notiz über die Gründung eines Centrum-Verbandes ausplauderte? Sonderbar ist nur, daß der Liberalismuus sich sonder Scheu und Scham ein solches Armuthszeugniß eoram publico ausstellt. Aber gemach! Es kommen noch mehr Armuthszeugnisse. Herr Vogel stein macht neue Vorschläge über dieBarmiz w ah feie r, deren heutige Form anerkanntermaßen nicht genüge. Daß mit der „heutigen Form" nicht die altjüdische gemeint sein kann, geht aus der Motivirung hervor, die da lautet: „zumal die einschlägigen Einrichtungen der Gemeinden eine bunte Verschiedenheit ausweisen! Also, neues Armuthszeugniß, die reformirten Barmizwah Moden genügen nicht mehr. Die Bemühungen, eine Knabeneinsegnung nach Art der Mädchenkonfirmation zustandezubringen, seien gescheitert. Nicht genug damit, klagt ein anderer Redner, auch die Mädcheukonsirmation fei elngefchlaf.n. Eine „Sammelfeier für Knaben" wollen einige einführen — entweder mit oder ohne Beibehaltung des eigentlichen Barmizwahtages —; allein der Antrag fällt, man hat hie und da schon schlechte Erfahrungen mit solchen SgWmelfeiern gemacht, und anderwärts soll es gänzlich an Material dazu fehlen. Am kuriosesten ist ein Vorschlag, die Knaben (wahrscheinlich, weil das bei anderen Bekenntnissen so üblich ist) im fünfzehnten Lebensj ahr e zu konfirmiren, wenn nicht der andere noch kurioser ist, einen Barmizwahschein mit einem pise auszustellen. Der pice soll wohl, wenn schon von einem solchen und nicht von einem „Spruch" die Rede ist, hebräisch geschrieben sein; aber wer wird ihn dann lesen oder gar verstehen? Herr Maybaum erklärt es ja für unmöglich, eine auf einen Schrifttext sich aufbauende Ansprache zu halten, „weil die Knaben zu wenig Hebräisch verstehen.- Nebenbeibemerkt sagt dies der Verfaffer der „Methodik", der den Religionsunterricht überhaupt nicht länger als bis zum Konficmationsalter ausgedehnt wiffen will. Wenn aber die Knaben an diesem Endpunkt ihrer religiösen Ausbildung so wenig Hebräisch verstehen, wo lernen sie dasjenige, was sie nöthig haben werden, um als Erwachsene eine Textpredigt, das Ideal Maybaumscher Homiletik, genießen zu können? Oder hofft Herr Maybaum, daß bis zum Heranwächsen der jetzigen Konfirmandengeneration das Hebräische überhaupt nicht mehr Gebetssprache sein wird, und er demnach auch die Texte für seine Predigten ausschließlich der Bibelübersetzung wird entnehmen können? — Auch ein Glaubensbekenntniß soll der Barmiz-