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Der Israelit · 1899-07-13 · Heft 55 (13.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 55 (13.7.1899)
Date
1899-07-13
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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1171 Feuilleton. Kuba HüIkBi'8 K!üKkI!kd von Hermann Löwinger, Frankfurt a. M. Wenn auch Israels Herrlichkeit längst dahingeschwunden und schon mehr als achtzehn Jahrhunderte in das Zeitenmeer getaucht, feit besten Land und die Zionsstadt in den Händen fremder Herrscher sich befindet, so hat doch nichts vermocht, weder freudige Ereignisse, noch große Leiden und Schicksalsschläge es von der Trauer, um den Verlust seiner einstigen Heimathsstätle, um das Land, „worauf die Augen des Ewigen von Anfänge bis zu Ende des Jahres gerichtet" waren, abzulenken und abzuschwächen. Ja, es vergeht kein jüdisches Freudenfest, wo das Andenken an den n*trr* p-nn nicht den WermuthStropfen bildet, der in den Freudenkelch gegosten wird, getreu den Psalmenwortcn pinn nstrn s^un* ^rcrx ex irx*! bv Z'bv"-'' rx nSyx ab dx ~-ir:7K xb dx onb ^'pb •rnotr. „Vergeste ich dein Jerusalem, so vergesse meine Rechte. Es klebe ineine Zunge an meinen Gaumen, wenn ich nicht dein gedenke, wenn ich Dich nicht höher schätze als jede Freude." Alljährlich wenn die Trauerzeit des unglücksschwangern Tages rxwem herannahet, wirft dieser schon „drei" Wochen zuvor seine dunklen Schatten voraus. In den neun Tagen stimmen wir täglich unsere Klagelieder an, um den Verlust des Heiligthums und dessen entschwundener Herrlichkeit, die wir beklagen und beweinen, bis dann der neunte Tag in Ab, der 2x2 nmi selbst herankömmt, wo unsere tiefe Trauer in den zahlreichen Kinoth in Herz und Gemüth ergreifenden Klageliedern ausklingt. Unter diesen Klageliedern, nehmen die letzten mit dem Worte Zion beginnenden Kinoth in Folge ihres hochpoetischen Inhaltes einen ersten Rang ein, und von diesen zeichnet sich der nach östlichem, zuerst zu rezitirende „Zion" durch seine Gefühlsinnigkeit u. schwärmerische Sehnsucht des Dichters, die mit den Worten -dxL'Ti xbp*s beginnende Kinoh unseres groben Dichterfürsten Rabbi Juda Halewi, besonders aus. Obwohl Vielen die Geschichte des Entstehens dieses Zions bekannt, wird es doch so manchen unserer Leser geben, die sie nicht kennen und wollen wir daher dieselbe im Kurzen wiedergeben, und wenn dieselbe bei so manchen dazu beiträgt dessen Liebe zu unserm Heimathslande zu erwecken, so wird dies für unser Unternehmen der schönste Lohn sein. Unser großer Dichterfürst Juda Halewi war von einer grenzenlosen feurigen Liebe für unsere frühere Heimathrstätte, das heilige Land und Jerusalem, beseelt. Sein Geist und Gemüth lechzten darnach es einmal zu sehen und seinen Staub küssen zu können. Das heute so oft mißbrauchte Wort vom „jüdisch-nationalen Geiste", mißbraucht von Leuten, die sich kein Gewissen daraus machen an unseren Nationaltrauertagen in Saus und Braus zu leben mit Fleisch und Wein, mit Sekt und Austern Orgien zu feiern, da8 Wort von „jüdisch-nationalem Geist" hier ist es richtig angewandt, ein echter, wirklich jüdisch-nationaler Geist lebte in ihm und dieser entfachte den in seinem Innern glimmenden Funken zur verzehrenden Flamme und erweckte in seiner herrlichen Seele das Verlangen sich in dem Schatten der heiligen Stadt Jerusalem einen Ruheplatz zu suchen, in dem Orte, wo seine Brüder die Leviten einst dem Gotte Israel Lobeslieder anstimmten, wo die göttlichen Weissager ihre Gesichte hatten, wo die Propheten ihre hocherhabenen Prophezeiungen verkündeten. In seinem fünfzigsten Lebensjahre, ungefähr im Jahre 4900 j. Z. unternahm er die weite Reise von seinem Heimathlande Spanien nach Jerusalem. Er scheute nicht die großen Gefahren, die zu damaliger Zeit mit einer solchen Reise verbunden waren, hörte nicht auf die Ermahnungen seiner Freunde, trennte sich von seiner Familie, Verwandten und Freunden, zu deren größten Schmerze und Bedauern, und nahm seinen Weg über Kordova, Granada, Alexandria, Kairo, Damata, Damaskus, nach Jerusalem. Auf diesem ganzen Weg wurden ihm große Ehren zu Theil, da sein Ruhm und großer Name ihm schon vorausgegangen waren. Ob aber seine mächtige Sehnsucht, die heilige Stadt zu sehen, sich im Schatten der Vorhöfe Gottes und seines heiligen Berges niederzulassen, in Erfüllung gegangen, darüber sind die Meinungen verschieden. Nach Seder Hadoroth soll Juda Halewi nur bis zu den Thoren Jerusalems gelangt sein. Dort soll er sein reines, edles Herz, von den mannigfaltigen Gefühlen der Trauer und des Schmerzes durchzittert, ob ihres Verfalles und Ruines, soll er von hehren, heiligen Gefühlen durchdrungen, mit verbittertem Herzen seine Kleider zerrissen haben und sich auf den Knieen im Staube rutschend, zur Erde gesunken sein, um das Wort des göttlichen Sängers zu erfüllen: „Denn es lieben deine Knechte deine Steine und deinen Staub lieben sie." Es bemächtigte sich seiner Seele eine tiefe, unaussprechliche Wehmuth, und er verfaßte sein berühmtes Klagelied xsin px welches in der Wärme des Gefühles und Erhabenheit der Poesie einzig dasteht; den Schmerz über den Verfall des heiligen Tempels und seine Sehnsucht nach deren Wiederauferstehung drückt er in hochpoetischen Worten aus. — Beth El, diese Erinnerung bricht mir *das Herz, dein Heiligthum, deine unentweihten Hallen! „Wo deine Unschuldigen

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