Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 55 (13.7.1899)
- Date
- 1899-07-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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XIj. Jahrgang. M »« Dtt Israelit. Ein Aentrat-Hrgan für das orthodore Iudenthum Begründet von Di. Wt&mmnn in IXtnini Donnerstag, de« l.r. Juli 5SSS (18SS>. Leitender Artikel. Wie voirzieyt flch die HerEafi? Zum neunten Ab. Mainz, 11. Juli. Die Hauptargumeute, mit denen der Zionismus die Gefolgschaft der gesetzeskeuen Judenheit für sich beansprucht, werden von ihm in den Ereignissen gesucht, die sich zur Zeit Esra's innerhalb der jüdischen Geschichte abgespielt haben. Auch damals, so halten sie uns vor, gab es keinen Messias, es war der freie Wille des Volkes, zurückzukehren in seine Heimath. Die geschichtlichen Zustände während der Dauer des babylonischen Exils bis zum Anbruch der neuen Wendung unter Cyrus, waren in vielfacher Hinsicht ähnlich den heutigen Zuständen. Kein Vaterland, keine äußeren Heiligthümer. Die israelitischen Volksreste in der alten heiligen Heimath wurden als fremde Ansiedler betrachtet, wie sie sich auch selbst so ansahen. Die israelitischen Verbannten in der Fremde, der Diaspora, befanden sich theils in Knechtschaft, theils in Abhängigkeit, theils waren sie unbeschränkte Ansiedler. Die Leiden waren ähnliche, wie sie unsere russischen und rumänischen Brüder noch heute zu erdulden haben, ja selbst die mannigfachen Parteiungen und der Unterschied in den religiösen Anschauungen erinnert an unsere moderne Zeit, und trotz alledem war das Mvrgenroth der Freiheit nahe und die Entscheidung trat plötzlich in den Vordergrund. Warum, so fragt man uns wiederholt von zionistischer Seite, sollte heute, wo alle Verhältnisse denen des babylonischen Exils so sehr ähneln, etwas Derartiges unmöglich sein? Um diese Frage richtig beantworten zu können, müssen wir zunächst zu erfahren suchen, wie sich Esra und seine Zeitgenossen die Rückkehr in das Land der Väter gedacht haben und wie sie sich demgemäß vollzogen haben muß. Der unter dem Namen der großen Synagoge (r6n:n no») bekannte Verein von Priestern und Gesetzeslehrern, der seit Esra als Hochschule oder Aufeinanderfolge der Sofrim gewirkt hat, hat bekanntlich die dreimaligen täglichen Gebete und namentlich das Achtzehngebei in seinem heute noch unverändert bestehenden Wortlaut eingeführt. Da dürfte es wohl gerechtfertigt erscheinen, wenn wir aus der Reihenfolge der achtzehn Segenssprüche zu erkennen versuchen, wie sich jene Männer die vollkommene Erlösung gedacht. Wir übergehen die drei Einleitungs- und die drei Schlußberachoth, sowie das später von Rabbon Gamliel zu Jabne eingefügte WeUunalschinini. Auch der alle Bitten gewissermaßen abschließende Segensspruch ycc *:^p, in dem wir Gott bitten, alle unsere Gebete zu erhören und mit Erbarmen und Wohlgefallen aufzunehmen, kommt hier nicht in Betracht. Es bleiben uns daher noch elf Brochoth. Die erste Bedingung für die Herbeiführung der Erlösung ist, daß die Notwendigkeit einer solchen von Niemandem mehr bestritten wird, daß alle Welt zur Einsicht gelangt, daß es nunmehr an der Zeit ist, den Wanderstab zu ergreifen und den Aufstieg nach dem Berg des Hauses zu beginnen. Und da beten wir denn 'ai nrr tobcr djh d-w*» pin nnx. „Du, der Du begnadigt hast den Menschen mit Erkenntniß, lehre ihn auch Einsicht", auf daß er wisse, wann die richtige Zeit gekommen, daß er sich nicht irre führen lasse durch falsche Messiasse und durch die Trugschlüsse verblendeter Führer. Haben wir nun Erkenntniß erlangt, so erkennen wir zunächst den Mangel unserer Kenntniß und den Mangel unserer Pflichttreue. Die Folge davon ist, daß wir bitten: