Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 54 (10.7.1899)
- Date
- 1899-07-10
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1055 am Main und bemerkt dazu: „Da die Juden bekanntlich keinen fruchttragenden Baum aus ihrem Garten entfernen dürfen und der Besitzer hier streng darauf sieht, daß es auch nicht ohne seine Erlaubniß geschieht, so sind die alten Bäume, um sie nicht störend für die Parklandschaft werden zu lassen, mit Rosen und vornehmlich mit Mme. Saucy de Paraböre bepflanzt. Sie eignet sich dazu kostbar, und so ein wenig hübscher, bemooster Baum, dem sein Alter schwere Tage bereitet, wird durch diese Bepflanzung ordentlich verjüngt. Es sieht geradezu entzückend aus, wenn die zarten Knospen, die leuchtenden Blumen sich an das fast blattleere Geäst schmiegen, oder wenn die langen, blüthenbesäeten Triebe sich graziös überneigen, um ihre Farben, ihre Jugendkraft als Mantel über das gebrechliche Alter zu hängen." Darmstadt, 2. Juli. Auch in der hiesigen Religionsgesellschaft hielt Herr Rabbiner Dr. Marx n bereits in der Woche npm •£ einemecn auf Dr. Hildesheimer, der das thatenreiche Leben des unermüdlichen und siegreichen Kämpfers für die orthodoxe Judenbeit in bewegten und beredten Worten schilderte. Die Rede klang in der Mahnung aus, das Panier des orthodoxen Judenthums, das sich seines Namens wahrlich nicht zu schämen brauche, auch jetzt im Frieden stets hochzuhalten. Lübeck Am te.-c r’ hielt Herr Rabbiner Dr. Carlebach v; ein -icen auf Dr. Hildesheimer Vst. Der Redner hatte zum Texte die Worte gewählt: Vs-ur sn 2.x :.x. Diese erklärend, schilderte er daran anknüpsend die Bedeutung und Größe des Heimgegangenen Meisters und forderte zum Schluß mit eindringlichen Worten die zahlreich anwesenden Gemeindemitglieder auf, ihre Kinder zu derselben Quelle hinzuführen, aus der Dr. Hildesheimer Vst geschöpft, zur mrnpn yn-w. Oesterr.- Unga r. Monarchie. Aus Karlsbad meldet man den plötzlichen Tod des berühmten Orientalisten und Geschichtsforschers Professors Dr. David Kaufmann. Ein hervorragender Fachgcnosse Kauffmann's macht folgende Miltheilungen über den Verstorbenen. Er wurde in Kojetein in Mähren 1854 geboren und studirte in Breslau und Leipzig, wo er zum Doktor oer Philosophie promovirt worden ist. In jungen Jahren schrieb er das umfassende religions-philosophische Werk „Geschichte der Atributenlehre" (Gotha 1877), was ihm den Ruf an die neubegründete Landes-Rabbinerschule in Budapest eintrug. Er lehrte an dieser Anstalt jüdische Geschichte und Religions-Philosophie, sowie Deutsch und Griechisch an den mit dieser Anstalt verbundenen Gymnasien. Trotz seiner anstrengenden Lehrthätigkeit entwickelte er eine geradezu staunenerregende wissenschaftliche und literarische Thätigkeit auf den verschiedensten Gebieten, als deren Resultat z. B. „Die Sinne" (1884), „Ltuäes d’archeologie juive et chrötienne“ (1887) heroorgchoben werden mögen. In jüngster Zeit beschäftigte er sich vielfach mit Familiengeschichten, die er aber stets in Zusammenhang mit der Zeitgeschichte zu behandeln wußte. Es mögen hier seine Monographien von S. Wertheimer (1888), „Urkundliches aus dem Leben Wertheimer's" (1894), „Die letzte Vertreibung der Juden aus Wien" (188J) „Aus Herne'S Ahnensaal" (1895) rc. verzeichnet werden. Seine enorme Gelehrsamkeit kann man aber erst schätzen, wenn man die zahllosen gelehrten Artikel in den verschiedensten Zeitschriften übersieht. Seit 1891 gab er mit Brann in Breslau zusammen die Monatsschrift, für die Wissenschaft des Judenthums heraus. Kaufmann galt auch neben Steinschneider als der größte Gelehrte auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Literatur. Er war einer der universellsten und umfaffendsten Gelehrten, ein Mann von großer Bildung und feinem Formenfinn, ein großer Stylist um Sprachkünstler. Im Umgang war er einer der liebenswürdigsten und geistreichsten Menschen und den Freunden ein aufopfernder Freund. Die Leiche soll nach Budapest überführt werden. Prag. (Ein humaner Kirchenfürst.) Der vor wenigen Tagen verstorbene Primas von Böhmen, Kardinal Graf Schönborn, mißbilligte entschieden das Treiben der antisemitischen Partei, welche auch in Prag Fuß zu fassen strebte, es jedoch zu keinem wesentlichen Erfolg brachte. Graf Schönborn war der erste österreichische Kirchknfürst, welcher in einer Eurrende an seine Diöcesangsistlichkeit die Betheiligung derselben an antisemitischen Vereinen und Versammlungen verbot und später im Vereine mit dem Wiener Erzbischof Ganglbaur in den Bischofsversammlungen in Wien die Gefährlichkeit dieser Partei für die Interessen der katholisch.m Kirche betonte. So kam eS, daß Graf Schönborn, der unmittelbar nach seiner Erhebung zum Metropoliten von Böhmen von den Extremen mit hoffnungsfreudigem Jubel begrüßt worden war, später von ihnen sehr kühl behandelt und sogar als willfähriger Helfershelfer und „Prusiophile" denuncirt wurde. Frankreich. Paris, 4. Juli. Vor der 1. Kammer des Pariser Civilgerichts fanden heute die Verhandlungen in einem Prozesie statt, den fünf jüdische Kaufleute aus Rouen gegen Guerin und den „Antijuif" angestrengt hatten, weil ihre Namen in den BoycottUsten üefes Hetzblattes veröffentlicht worden waren. Das Gericht erkannte gegen die Zeitung und ihren Direktor auf 500 Franken Buße für jeden einzelnen Fall und Veröffentlichung des Urtheilstenors im „Antijuif."