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Der Israelit · 1899-07-06 · Heft 53 (6.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 53 (6.7.1899)
Date
1899-07-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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XL. Jahrgang. M 58. Der Israelit. Gentral-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von Dr. in fötftin) Donnerstag, den 6. Juli 5659 (1899). Leitender Artikel. Die Göttlichkeit der Thora. Von Sally Geis, Frankfurt a. M. (Schluß.) Noch gar mancher Stein läßt sich für das Bollwerk gegen die Angriffe verirrter und verwirrter Menschen Zusammentragen. So hat — um noch einiges zu erwähnen — schon die nur oberflächliche Erforschung der in Betracht kommenden Länderstrecken geschichtlich festgestellt, daß die Knechtschaft in Egypten, die Befreiung, die Wüstenwanderung und die Eroberung des heiligen Landes auf Wahrheit beruhen. Hierüber, sowie über die Offenbarung auf dem Sinai, als geschichtlich bewiesene Tatsachen konnte freilich niemals ein Zweifel bestehen, denn all' das waren die Erlebnisse eines Volkes von zwei Millionen Menschen und nicht etwa die Ausgeburten irgend eines phantasiereichen Kopfes. Darum gibt es für uns Juden in Bezug auf unser Judenthum auch keinen Glauben, sondern nur eine Überzeugung-in des Wortes wahrster Bedeutung. Die Augen unserer Väter haben es gesehen und ihre Ohren gehört; das genügt. Dieses gilt auch für den gesetzlichen Theil der Thora. Auch hier nähert sich ihr jeder Fortschritt aus kulturellem Gebiete. Es dürfte genügen, darauf hinzuweifenv daß unsere Thora, welche auf das respektable Mer von über 3300 Jahren zurückblickt, z. B. die »lgemeine Militärpflicht, die Haftpflicht, die Sanitätsbehörden, die Baupolizei u. s. w. vorschreibt; alles Dinge zu denen man sich erst in unserem Jahrhundert emporgeschwungen hat. Vieles ließe sich noch erzählen, vieles noch zur Vertheidigung anführen; doch, was soll's der Mühe? Als erster Schritt zum Verständniß der jüdischen Gesetze ist die Praktische Ausführung all' ihrer Ritualien und Ceremonialien und ganz besonders die Heilighaltung des Sabbats erforderlich, erst dann kommt das Eindringen in ihren geistigen Inhalt, eine Methode, die man sonst überall anwendet, es mag sich um die Erlernung eines Kaufmanns-, eines Handwerkers- oder irgend eines Gelehrtenberufs handeln. Nur bei dem Bekanntmachen mit dem jüdischen Pflichtenkreis wird eine Ausnahme von der Regel gemacht. Wem da die richtige Anschauung in die Feder fließen soll, der muß nach Art der Reformrabbiner am Freitag Abend mit der Tabakspfeife im Munde sich an seinen Schreibtisch setzen, um würdig zu sein, ein n praktisch überwundenen Standpunkt noch einmal geistig zu überwinden. Will jemand Ingenieur werden, so muß er vorher die einzelnen Theile der Maschine mit der Hand gegriffen und mit dem Auge gesehen haben. Erst die praktische Handhabung und dann das theoretische Studium. Wer nie eine Maschine gesehen hat und will versuchen, seine Weisheit aus den Büchern zu schöpfen, der wird wohl alle Regeln auswendig lernen, jedoch niemals das geringste Verständniß sich aneignen. Darum wäre es eine vergebliche Arbeit, mit denjenigen zu disputiren, denen die einfachsten Vorbedingungen für das Verständniß des Judenthuins fehlen. Das Feld unserer Thätigkeit ist groß genug, wenn wir unsere die jüdischen Grundgesetze ausübenden Brüder auch zu den geistigen Trägern der jüdischen Ideale hinaufzuheben suchen, damit sie nicht dem Arbeiter gleich keine Ahnung von dem Wesen der Maschine haben, so bei der kleinsten Störung wie vor den Kopf geschlagen, unfähig dem leichtesten Nebel abzuhelfen, dastehen, sondern, damit sie als Fachleute auch die größten Widerwärtigkeiten

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