Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 51 (29.6.1899)
- Date
- 1899-06-29
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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1000 falle» in der castilianisch-portugiesischen Gemeinde zu Avellino von David Messer Leon, mit vielen wichtigen Beiträgen für die Geschichte und Litteratur der spanischen Gemeinden in der Zerstreuung in der ersten Zeit nach der großen Ausweisung 1492. 3. Das Ritualwerk v"n mm# von Rabbi Aron Hakohen aus Lunel, zweiter bisher ungedruckter Theil, wobei wir zugleich bemerken, daß wir beabsichtigen, auch den sehr selten gewordenen ersten Theil, der in Florenz 1750 erschienen ist, wieder abdrucken zu lassen. 4. Die spanische rm» zum Versöhnungstage nebst dazu gehörigen Pijutim, von denen die meisten in nur sehr seltenen RitualauSgaben zu finden sind, mit einem Commentar vom Abudraham. 5. rb>x, worin eine Rettung der Juden in Prag durch den Primas Samuel Tausk im Jahre 1704 behandelt wird. 6. Sammelband mit verschiedenen Abhandlungen. Der Druck der Schriften hat bereits begonnen; wir werden uns bemühen, daß sie rechtzeitig fertiggestellt werden. An die verehrlichen Mitglieder ergeht nun die Bitte: den Jahresbeitrag mit 10 Mark schleunigst einsenden zu wollen. Die Einnahmen waren im Jahre 1898 4280.30 Mark, die Ausgaben 4^28.95 Mark München (Etwas über unlauteren Wettbewerb und dessen Bekämpfung.) Auswüchse, mißgestaltete EntwickelungSarten sind, wo immer und auf welchen Gebieten sich dieselben auch zeigen mögen, unerfreuliche Erscheinungen, gegen die anzukämpfen im allgemeinen Interesse geboten ist. Wenn der gewissenhafte Arzt bestrebt sein muß, gegen solche Parasiten am menschlichen Körper die richtige Therapie in Anwendung zu bringen, wenn die Machthaber im Reiche der Kunst selbstverständlich trachten, Böotierwesen und Banausenthum d'm Musentempel fern zu halten, so hat auch der Sozialpolitiker unbestritten das Recht, gemeingefährlichen Schäden, die sich im Erwerbsleben zeigen, rücksichtslos zu Leibe zu gehen. Die sogenannte Ellbogenfreiheit, welche wie im Gesammtleben auch in Handel und Wandel eine so wichtige Rolle spielt, wird eben nicht selten in einer Weise mißbraucht, welche nicht blos die schärfste Kritik, sondern auch energische Abwehrmaßregeln herausfordert. Darum war es an sich und im Prinzip ein verdienstvolles, anerkennenSwerthes Beginnen, Vereine zum Schutze gegen unlauteren Wettbewerb ins Leben zu rufen. Wo nun solche Vereine ihre Aufgabe darin erblicken, Niemanden zur Gunst imb Keinem zu Leide über der Ehre des Kaufmannsstandes zu wachen, ohne Ansehen der Person vorkommende Ungehörigkeiten abzustellen, der scrupellosen Reclamesucht und dem häßlichen Marktschreierthum in jeder Maske und Gestalt und überall, wo solche anzutreffen, einen Damm entgegenzusetzen, überall da werden solche Vereine ihrem Zwecke dienen und das Gesammtwohl fördern. Wo aber solche Institutionen in ihrem Streben und Handeln sich beeinflussen lassen durch Animosität gegen Personen, durch Antipathien gegen Klassen, oder gar durch Religionshaß, da werden sie zum Zerrbild dessen, was sie zu sein vorgeben, zur Travestie auf dasjenige, was sie eigentlich anstreben sollten. Der hiesige Verein zum Schutze gegen unlauteren Wettbewerb, dessen stark antisemitische Färbung von seriösen, ganz objektiv zur Sache stehenden Blättern schon bei Gründung desselben hervorgchoben wurde, ließ es sich in den ersten Jahren seines Bestehens so ziemlich angelegen sein, nur solche Dinge zu verfolgen, die wirklich zu beanstanden waren und in der Tyat, die gerichtlichen Entscheidungen, die meistens zu Gunsten des Vereines ausfielen, ließen immerhin einen Schluß darauf zu, daß sich derselbe auf dem rechten Wege befinde. Im Verlaufe der Zeit ist dies etwas anders geworden. Man hört jetzt fast nur noch von der Existenz des Vereines, wenn es sich um Klagen desselben gegen eine und dieselbe Firma in allen möglichen und unmöglichen Fällen handelt. Nun mögen bei der gedachten Firma ab und zu, ja tatsächlich Uncorreclheiten Vorkommen und da wären wir die Letzten, die dem Schutzverein das Recht streitig machen wollten, dagegen vorzugehen. In vielen Fällen handelte es sich aber um nichts weiter als um lächerliche Lappalien, um Haarspaltereien, wie der Verlauf der Dinge eclatant zeigte. Ist es nun nicht mehr als auffallend, wenn man nahezu von gar keiner anderen Thätigkeit des Vereines mehr hört? Mag sein, daß er im Stillen trotzdem Ungeheures schafft und Gewaltiges wirkt; aber warum dringt in die Oeffentlichkeit nur immer das oben Angedeutete? Will man denn im Ernste glauben machen, in nichtjüdischen Geschäftskreisen sei alles ausnahmslos aufs Beste und Musterhafteste bestellt und von allen arischen Mercursöhnen ließe sich behaupten; „Dies Kind, kein Engel ist so rein." Da könnte man denn doch dem Gedächtnisse der in diesem Vereine maßgebenden Herren zu Hilfe kommen und sie darauf verweisen, daß Geschäftsleute, die im Ausschüsse des Vereines zum Schutze gegen unlauteren Wettbewerb s. Zt. thätig .waren, Annoncen erließen, durch welche Maaren angeboren wurden zu „unvergleichlich billigen", zu „nie dagewesenen" oder wie es oft in ganz wunderbarem Deutsch heißt, zu „staunend billigen Preisen." Ist eine solche Form der Anpreisung vielleicht lauterer Wettbewerb? Die Erfolge, die der Verein seit einem Jahre erzielte, entsprechen denn auch seinen Leistungen. Im Gegensatz zu früheren Jahren ist derselbe in einer großen Anzahl von Fällen gründlich abgefahren und bekam