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Der Israelit · 1899-06-29 · Heft 51 (29.6.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 51 (29.6.1899)
Date
1899-06-29
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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987 einige nicht jüdische Bürger thaten ein gleiches, und so kam es zu einem allgemeinen Krawalle, welcher das Einschreiten der Polizei nothwendig machte. Nach heftigem Kampfe gelang es Wilson Dunlop und seinen Jüngern sich zu befreien, worauf der erregte Haufen nach dessen Missionsstuben zog und diese theilweise zerstörte. Der Bürgermeister von Wyck hat die Baptisten angewiesen, ihren „Kreuzzug" sofort einzustellen, und sie für alles weitere verantwortlich gemacht. Mr. Dunlop aber antwortete, er habe weder die Hilfe der Polizei, noch die des Bürgermeisters angerufen, werde um beide sich nicht kümmern und die Juden ihrem „scheußlichen Glauben" entreißen oder als Märtyrer sterben. Wahrscheinlich wird der „Märtyrerlod" im Jrrenhause eintreten. Feuilleton. „Wiebet eure Weinde." eint apologetische Erzählung -s S s- Von Arrrolv Wlunn 24) Nachdruck verboten. Der fünfzehnte Februar brach an. Es war ein trüber, naßkalter Wintertag, der unter anderen Verhältnissen einen Jeden in seiner warmen Behausung festgehalten hätte, hier in Göllheim jedoch mehr Menschen auf den Straßen sah, als die heiteren Februartage, die ihm vorangegangen waren. Biesfeld hatte eine musterhafte Organisation für den Wahltag entworfen. Aus der Centrale, dem Sitz der Parteiverwaltung, hatte er sich eine ganze Anzahl junger Leute verschrieben, die als Agitatoren, Schleppen, Zettelvertheiler u. s. w. sich in den Dienst der Parteisache stellten. In Lobingen, dem zweiten größeren Städtchen, das im Wahlkreise lag, hatte Görbig die Sache in die Hand genommen, in H. hielt der antisemitische Kandidat selbst die Fäden der Agitation in der Faust und unser Göllheim hatte sich Biesfeld zum Arbeitsfeld auserkoren. Das Städtchen war ihm nun schon seit Jahr und Tag derart ans Herz gewachsen, daß es Sünde gewesen wäre, nicht an diesem großen Tage selbst den Pulsschlag im Innern der Bevölkerung zu überwachen. Wir wissen, was für Biesfeld vom Gelingen des .'so mühsam vorbereiteten Schlages abhing und werden es ihm nachfühlen, wenn er dafür sorgte, möglichst schnell und möglichst frühzeitig in den Besitz des Wahlresultats zu gelangen. Mit geradezu peinlicher Sorgfalt hatte er sich in jedem, selbst dem winzigsten Orte des Wahlkreises eine Vertrauensperson erworben, die ihm so schnell als möglich — jedenfalls aber noch am Abend des Wahltages selbst — das Resultat des betreffenden Orter telegraphisch nach Göllheim in das Gasthaus zum „Löwen" zu übermitteln hatte. Vom frühen Morgen an bis in den Nachmittag hinein war Biesfeld unterwegs auf den einzelnen Dörfern des Kreises Göllheim. Das Fuhrwerk Robert Wegners, das der Besitzer selbst kutschierte, führte ihn von einem Dorfe zum andern. Ueberall inspizierte er gleich einem Feldherrn, er sah nach, ob ein jeder auch an seiner Stelle, ließ er hie und da noch ein aufmunterndes Wort fallen, mahnte, warnte, dirigirte er. Als er um die zweite Nachmittagsftunde nach Göllheim zurückkehrte, war das erste, was er erfuhr, daß die Wahlbetheiligung eine außerordentlich rege sei. Das schien ihm ein gutes Zeichen zu sein und er schrieb es nicht zum Geringsten der famosen Predigt zu, welche Pfarrer Tettenborn am Tage vorher in der protestantischen Stadtkirche gehalten hatte. Der würdige Geistliche war nicht etwa von der Wahrheit abgewichen, als er Feist gegenüber versicherte, die Predigt, die er zu halten gedenke, liege den Ideen der Liebe und der Gerechtigkeit fern. Das traf vielmehr buchstäblich zu. Und wenn Tettenborn in der That am Samstag Nachmittag bereits mit seiner Predigt für den Sonntag im Reinen war, so konnte der Besuch Seligmann Feist's und die Unterhaltung, welche die beiden Männer geführt hatten, den Pfarrer nur noch tiefer in demjenigen befestigen, was er zu sagen im Sinne hatte. Je weniger der Jude sich dem Pfarrer gegenüber darauf zugute gethan hatte, einen geistigen und moralischen Sieg erfochten zu haben, je natürlicher und bescheidener das Auftreten Feist's gewesen war, um so tiefer wurmte es den Pfarrer, unterlegen zu sein, und mit einem gewissen Wohlbehagen ließ er sodann in der Sonntäglichen Predigt seiner bekannten Gesinnung freien Lauf, wobei er nicht versäumte, so deutlich aus die Wahl anzuspielen, daß seine andächtigen Zuhörer unverkennbar einen Appell zu eifriger Betheiligung heraushören konnten. Diesem Apell schienen sie denn auch gewissenhaft Folge zu leisten, konstatierte Biesfeld, dem man von der Predigt erzählt hatte. Die Wahlzeit neigte sich ihrem Ende zu und die Schlepper traten in Thätigkeit. Mit fieberhaften Anstrengungen holten sie die Saumseligen heran, die Handwerker schleppten sie aus ihren Werkstätten herbei und die Bauern suchten sie auf ihren Feldern auf. Auch Biesfeld selbst'griff wacker mit zu und gewann durch manch letztes mahnendes Wort seiner Sache noch Stimmen. Endlich schlug es 6 Uhr, und im RathhauS zu

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