Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 49 (22.6.1899)
- Date
- 1899-06-22
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
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XL. Jahrgang. Erste Mage M M 49 ftea „Israelit". Literarischer Bericht. Ein halbes Jahrhundert Szepter und Krone, so lautet ver Titel eines bei I. B. B r a n d ei s in Prag erschienenen Büchleins, das des Schönen gar viel enthält. Es umfaßt eine Sammlung von Festreden der bedeutendsten Rabbiner Oesterreichs, gehalten am 2. Dezember 1898 anläßlich des 50jährigen Regierungsjubiläums des österreichischen Kaisers, und glauben wir uns den Dank gar mancher Leser dieses hochgeschätzten Blattes zu verdienen, indem wir auf die Fülle von herrlichen Gedanken und wunderbar schönen Bildern Hinweisen, die das genannte Büchlein enthält, „Greif nur hinein, in's volle Leben, und wo du's packst, da ist es interessant", lehrt Deutschlands größter Dichter. Und auch wir folgen dem Dichterwort und schlagen das vor uns liegende Büchlein auf und wo wirs aufschlagen, da ist es interessant. So heißt es in der Rede des Dr. N. Ehrenfeld in Prag: „Hat das Vaterland den großen Schmerz, der er betroffen, fo schnell verwunden? Mit Nichten! Wohl trauern wir noch ungetröstet über den Heimgang der unvergeßlichen Landesmutter. Aber so Kinder ihre Mutter zu Grabe getragen haben, hängen sie dann nicht mit umso größerer, mit doppelter Liebe und Zärtlichkeit an dem überlebenden Vater und bringen sich das Glück seiner Besitzes mit erhöhtem Frohgefühl zum Bewußtsein." Und in der Rede von Dr. Güdemann Wien lesen wir: „Anderen Fürsten hat die Vorsehung vielleicht mehr Waffensiege beschieden. Aber den größten, schwersten und ruhmreichsten Sieg hat sie unserem Kaiser Vorbehalten: den Sieg über das Schicksal. Und den verdankt er sich selbst, seinem Gottvertrauen, seinem Pflichtgefühl!" In der Rede von Dr. R. Gugenheimer in Kolin heißt es : „Als unser erhabener Kaiser den Thron seiner Ahnen bestieg, da waren wir Juden dem Paria gleich geachtet, der heiligsten Menschenrechte waren wir beraubt, wir, die der Menschheit die heiligen Rechtsordnungen überbracht; mannigfache Gewerbe waren uns verschlossen, wir durften keine Scholle Erde unser eigen nennen, durften nicht ackern, nicht pflügen, nicht säen — geschweige denn ernten. Der heiligsten Rechte waren wir beraubt, der Bruder mußte warten auf des Bruders Tod, bevor er die Geliebte seines Herzens als Gattin heimführen konnte. Da strahlte die Sonne unseres gerechten Monarchen in die engen finsteren Judengaffen und trocknete die Thränen der Bräute und stillte die Seufzer sorgender Ettern; denn seine erste Herrscherthat war die Proklamirung der Gleichberechtigung aller Konfesfionen. Denn er sagte sich in seinem Herzen, wie einst der biblische Josef: „Bei wem der Becher gefunden wird, der wird mir Diener sein." Er wußte es, bei wem der Becher gefunden wird, aus dem wir getrunken, die irnaitifchen Lehren des Heiles, der Wahrheit, des Rechtes und der alle Menschen umfassenden Liebe — der wird ein treuer Diener Josefs, der wird ein treuer Unterthan des Kaisers Franz Josef sein.- — Bei ihm bewährte sich das Wort der alten Rabbinen: „Wer Erkenntniß hat, ist so als wäre der Tempel in seinen Tagen erbaut" — oder mit anderen Worten, wer wahre Erkenntniß und wahre Einsicht besitzt, der wird nicht mit Geringschätzung auf das Judenthum herabsehen, dem wird es vielmehr so modern, so zeitgemäß erscheinen, als wäre der Tempel unseres Glaubens in seinen Tagen errichtet worden. Darum hat unser Monarch u. s. w." In der Rede von I. Kunstadt, Rabbiner in Radautz lesen wir: „Wenn wir dessen 50jährige segensreiche Regierung vor unserem Geistesauge, wenn auch nur flüchtig vorüberziehen lassen, o wie schlägt da unser Herz bei dem Anblick solch edlen Streben- und rastlosen Schaffens unwandelbarer Pflichttreue und aufopfernder Hingebung an das Reich uad dessen Völker! Welch ein Seelenadel! Welch himmelanstrebende Geisteshöhe und welch ergreifende Gemüth»- tiefe! Welch ein unerreichtes Musterbild von unerschütterlicher Gottergebenheit und heldenmüthiger Standhaftigkeit in allen Lagen des wechfelvollen Geschickes strahlt uns von der erhabenen Kaiserkrone entgegen, denn nicht immer war es der beglückende Sonnenschein der Freude, der diese- 50jährige Regentenleben erfüllte, mehr als einmalgriff die rauhe, unerbittliche Hand des Schicksals, schwer und schmerzlich verwundend, in dieses uns so kostbare Leben ein, und allzuoft vergällten, bittere Wermuthstropfen den Lebensbecher des Alloerehrten, der einzige Sohn, die Hoffnung und Zuversicht der Völker allesammt, wurde in der Blüthe seiner Jahre dem warmen Vaterherzen durch die kalte eisige Todeshand hinweggerafft, und noch jetzt blutet ja die frischeste Wunde, die die fluchwürdige ruchlose Hand eines Scheusals in Menschengestalt dem liebenden Gattenherzen so grausam geschlagen!" In der Rede von Dr. Adolf Kurrein in Teplitz lesen wir: „Auch ein leuchtende«, staunenSwerthe« Kapitel Kulturgeschichte ist in unserem Kaiserbuche von allerhöchster Hand geschrieben. Sein hoher Wunsch